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Kommt das Pflichtpraktikum für Bayerns Gymnasiasten?

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Von: Marco Tobisch, Melanie Springer-Restle

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Soll das Betriebspraktikum für Bayerns Gymnasiasten zur Pflicht werden? Darüber diskutierten in Kaufbeuren (v. re.) Kultusstaatssekretärin Anna Stolz, die Landtagsabgeordneten Franz Josef Pschierer und Bernhard Pohl, JBG-Schulleiter Christof Walter und FW-Stadtrat Peter Kempf.
Soll das Betriebspraktikum für Bayerns Gymnasiasten zur Pflicht werden? Darüber diskutierten in Kaufbeuren (v. re.) Kultusstaatssekretärin Anna Stolz, die Landtagsabgeordneten Franz Josef Pschierer und Bernhard Pohl, JBG-Schulleiter Christof Walter und FW-Stadtrat Peter Kempf. © Tobisch

Kaufbeuren/Mindelheim - Wie können Gymnasien und der Arbeitsmarkt noch besser miteinander vernetzt werden? Könnte eine Praktikumspflicht dabei helfen, die Berufsfindung zu unterstützen und zugleich dem Fachkräftemangel in der Wirtschaft entgegenzuwirken? Das wollte Kultusstaatssekretärin Anna Stolz (FW) zuletzt bei einem Besuch im Allgäu herausfinden. 

In Kaufbeuren traf Stolz am Jakob-Brucker-Gymnasium auf Schulleiter Christof Walter, der an seiner Schule bereits vieles unternimmt, um seine Schüler auf die moderne Arbeitswelt vorzubereiten. Vorreiterschule im Bereich Digitalisierung ist das JBG bereits seit mehreren Jahrzehnten, Walter plädiert im Unterricht dennoch für eine Nutzung digitaler Hilfsmittel „mit Augenmaß“ – nicht überall mache ein Tablet Sinn, sagt Walter. In Summe attestierte Staatssekretärin Stolz dem JBG ein „facettenreiches, lebendiges Schulleben“ dank unterschiedlicher Schwerpunkte.

Ob der Schulleiter ein Pflichtpraktikum für seine Schüler befürworten würde, wollte Anna Stolz dann konkret wissen – das sei im Ministerium immer wieder im Gespräch. Pflicht ist das Betriebspraktikum in Bayern bislang nur an Mittelschulen, doch auch Gymnasien haben den Wert der Schnuppertage im Betrieb längst erkannt. Walters Antwort: „Das Praktikum darf gerne auch verpflichtend sein.“ Am JBG hat die Praktikumswoche wie an vielen anderen Schulen ohnehin Tradition: Zu Beginn des Schuljahres suchen sich die Neuntklässler ein Unternehmen, wo sie ihre Praktikumswoche absolvieren. Wie ein Bewerbungsverfahren funktioniert und wie es sich anfühlt, auch mal abgewiesen zu werden, hält Walter für wichtige Elemente der Berufsorientierung. Und: „Das klappt bei uns, in der Regel finden alle einen Platz“, hält Walter fest.

„Tag des Handwerks“ beschlossen

Das Praktikum ist aber längst nicht der einzige Berührungspunkt, wo die Gymnasiasten des JBG in die Arbeitswelt hineinschnuppern. Daneben bietet die Schule unter anderem Berufsorientierungstage, Bewerbungstrainings sowie ein Projekt-Seminar in der Oberstufe. Ferner beschlossene Sache: die Einführung eines „Tag des Handwerks“ – ob dieser heuer schon stattfinden kann, ist laut Walter noch unklar.

Technische oder handwerkliche Berufe mit dem Studium noch enger zu verknüpfen, das wünscht sich auch der ehemalige Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (FDP) – sei es durch ein duales Studium oder durch eine Ausbildung, bevor es an die Hochschule oder die Uni geht. Eine Schreinerlehre nach dem Abi sei da beispielsweise recht beliebt, meinte dazu Christof Walter – damit sei man auf ein Studium als Ingenieur oder einen „materialbasierten Beruf“ besser vorbereitet.

Pohl: Planungssicherheit nur durch Verbesserungen beim Schulfinanzierungsgesetz

Im Anschluss stattete die Landtagsdelegation, die auf Initiative von Bernhard Pohl (FW) ins Allgäu gekommen war, dem Maristenkolleg Mindelheim einen Besuch ab. Thema im Unterallgäu: Die Änderung des Schulfinanzierungsgesetzes zur Stärkung nicht-staatlicher Schulen – wie eben das Maristenkolleg eine ist: Das Gymnasium sowie die Realschule in kirchlicher Trägerschaft der Diözese Augsburg sind nach Pohls Worten „Ausnahmeschulen“. Nicht nur hinsichtlich der hohen Schülerzahl, sondern auch aufgrund der bemerkenswerten Motivation seitens Lehrer und Schüler.

Thema in Mindelheim: Das Schulfinanzierungsgesetz. Im Austausch (v. links): Schulwerks-Leiter Peter Kosak, Realschulleiterin Nicole Hofmann, MdL Bernhard Pohl, Staatssekretärin Anna Stolz, MdL Franz Josef Pschierer und Beate Merkel, Leiterin des Mindelheimer Gymnasiums.
Thema in Mindelheim: Das Schulfinanzierungsgesetz. Im Austausch (v. links): Schulwerks-Leiter Peter Kosak, Realschulleiterin Nicole Hofmann, MdL Bernhard Pohl, Staatssekretärin Anna Stolz, MdL Franz Josef Pschierer und Beate Merkel, Leiterin des Mindelheimer Gymnasiums. © Büro Pohl

Wichtig ist laut Pohl, dass auch der Staat begreift, dass sich hier um Ersatzschulen handelt. Gäbe es Einrichtungen wie das Maristenkolleg nicht, müsste der Staat handeln, um dem Bildungsangebot gerecht zu werden. „Wir müssen die nichtstaatlichen Schulen auf eine dauerhaft solide finanzielle Grundlage stellen. Vorzeigeschulen wie das Maristenkolleg brauchen eine langfristige Perspektive. Wirkliche Planungssicherheit bekommen sie nur durch Verbesserungen beim Schulfinanzierungsgesetz“, so Pohl.

Auch Kultusstaatssekretärin Stolz betonte: „Private Schulen bereichern und ergänzen das Angebot der öffentlichen Schulen“, so die Unterfränkin. „Dabei unterstützen wir die privaten Schulen allein im Jahr 2023 mit mehr als 2,0 Milliarden Euro – mehr als jemals zuvor. Mit der durch die Bayern-Koalition festgesetzten nochmaligen Erhöhung der Mittel für Privatschulen im Haushaltsentwurf haben wir übrigens auch wesentliche Forderungen der Privatschulverbände realisiert“, so Stolz weiter.

Im Jahr 2024 sind laut der Staatssekretärin weitere Verbesserungen bei den Zuschüssen auf den Weg gebracht. Gelder, die es den Privatschulen ermöglichen sollen, ihre Lehrer auch in Zukunft angemessen zu bezahlen und konkurrenzfähig zu bleiben.

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