Kostenfalle Dienstwagen

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Ein Firmenwagen verspricht Komfort, Flexibilität und Status. 87 Prozent des mittleren Managements in Deutschland verfügen über ein solches Privileg.

Doch lohnt sich das überhaupt? In erster Linie rentiert sich die Anschaffung für Arbeitgeber. Doch wer den Dienstwagen richtig versteuert, kann auch als Arbeitnehmer bares Geld sparen.

Dennis ist verunsichert. Seine Firma hat ihm endlich einen Dienstwagen angeboten, einen Audi A3s, Listenpreis 40.000 Euro. Doch so recht freuen kann er sich nicht. Dennis verdient rund 3000 Euro brutto im Monat und hat nur einen kurzen Arbeitsweg. „Wenn ich alles durchrechne, spare ich im Vergleich zum Privatleasing so gut wie nichts“, klagt der 30-Jährige. Natürlich müsse er beim Firmenfahrzeug nicht für Versicherung, Reparaturen oder Sprit aufkommen. „Aber wenn der Arbeitgeber diese Kosten übernimmt, kann er doch genauso gut einer Gehaltserhöhung zustimmen“, meint Dennis. Davon hätte er persönlich viel mehr als von einem Dienstwagen.

Tatsächlich ist, was auf den ersten Blick wie ein großer Bonus aussieht, zunächst einmal für den Arbeitgeber von Vorteil: „Wenn der Arbeitnehmer das Fahrzeug auch privat nutzen darf, ist es ein Teil der Vergütung“, erklärt der Professor für Arbeitsrecht, Matthias Jacobs, von der Bucerius Law School in Hamburg in der Welt. Für Unternehmen sei ein Dienstwagen eine deutlich günstigere Alternative zur Lohnerhöhung, weil der Kauf von Firmenfahrzeugen steuerlich begünstigt werde. Zusätzlich bleibt dadurch laut Experten das Bruttogehalt der Angestellten geringer, was für den Arbeitgeber die Lohnnebenkosten niedrig hält. Außerdem können Anschaffung und Unterhalt der Pkw als Betriebsausgaben abgeschrieben werden. Gleichzeitig sinkt durch effizientes Carpool-Management der Administrationsaufwand.

Allerdings können auch Arbeitnehmer von den Vorzügen eines privat genutzten Dienstwagens profitieren. Ob sich die Anschaffung rechnet, hängt in erster Linie vom Wert des Fahrzeugs, der Distanz zur Arbeitsstätte und der Privatnutzung des Fahrzeugs ab. Denn: Privatfahrten mit dem Dienstwagen müssen versteuert werden, da sie einen sogenannten geldwerten Vorteil darstellen – schließlich muss kein Privatauto mehr gekauft werden. Grundsätzlich gilt, erklärt Kfz-Experte Frank Mauelshagen von der Ergo-Versicherungsgruppe: „Je preisgünstiger der Dienstwagen und je weniger private Fahrten, desto niedriger die Steuerbelastung für den Arbeitnehmer – und desto lohnender das Firmenauto.“

Wie teuer der Dienstwagen für Arbeitnehmer wird, hängt davon ab, wie das Auto versteuert wird. Wer häufig privat unterwegs ist, fährt mit der "Ein-Prozent-Regelung" besser. Wenn der Firmenwagen wie zum Beispiel bei Dennis gemäß Listenpreis 40.000 Euro kostet, muss ein Prozent davon dem monatlichen Bruttolohn aufgeschlagen und versteuert werden. Vorsicht bei Gebrauchtfahrzeugen: Hier wird ebenfalls der Listenpreis für Neuwagen angesetzt. Der Fiskus schlägt zusätzlich noch an anderer Stelle zu: Für die Fahrt von der Wohnung zur Arbeitsstätte müssen zusätzlich pro Monat und Entfernungskilometer pauschal 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises auf den Bruttolohn aufgeschlagen werden.

Wer viel dienstlich unterwegs ist, sollte sich für ein Fahrtenbuch entscheiden. Der Nachteil: Es müssen bei jeder Fahrt Datum, Kilometerstand, Ziel, Route, Zweck und Geschäftspartner notiert werden. Helfen kann dabei aber ein elektronisches Fahrtenbuch. Angenommen, Dennis fährt pro Jahr 50.000 Kilometer mit dem Dienstwagen, aber davon nur 5000 Kilometer privat: Um die Steuer zu ermitteln, muss er alle Kosten des Autos addieren. Kommt Dennis dabei auf einen Gesamtbetrag von zum Beispiel 10.000 Euro, muss er diese durch die 50.000 Kilometer teilen – das ergibt 0,2. Die muss er wiederum mit den privat gefahrenen 5000 Kilometern multiplizieren. Dennis müsste also 1000 Euro als geldwerten Vorteil zu seinem versteuernden Jahresbruttoeinkommen hinzurechnen.

Übrigens muss es nicht immer ein Auto sein: Seit 2012 sind Diensträder steuerlich Dienstwagen gleichgestellt. Das Prinzip ist dasselbe: Hat ein neues Fahrrad einen Bruttolisten-Neupreis von beispielsweise 3000 Euro, wird der geldwerte Vorteil im Rahmen der Ein-Prozent-Regelung mit 30 Euro veranschlagt. Wenn die Leasingrate für das Fahrrad direkt vom Gehalt abgezogen wird, kann der Arbeitnehmer ebenfalls Steuern sparen. Der Fiskus berücksichtigt alle Fahrräder und E-Bikes bis zu einer Geschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde. Ein großer Vorteil für Arbeitnehmer im Vergleich zum Dienstwagen: Sie müssen den Arbeitsweg nicht beim Finanzamt angeben.

Ein Fahrrad kommt für Dennis nicht in Frage. Er hat sich aber entschlossen, das Thema Dienstwagen offen mit seinem Arbeitgeber zu besprechen. Sein Chef lässt jetzt von der Lohnbuchhaltung eine Beispielabrechnung für das geänderte Nettoeinkommen von Dennis und den geänderten Anteil an den Sozialabgaben für den Arbeitgeber erstellen. Anschließend wollen sie vergleichen, was für beide Seiten besser ist. „Firmen-Tankkarte und unlimitierte Privatfahrten“, sagt Dennis und lacht, „sind für mich aber ein Muss.“

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