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Afrikanische Schweinepest grassiert: Seuche für bayerische Bio-Bauer „existenzbedrohend“

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Von: Dominik Göttler

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Schweine mit Auslauf.
Die Afrikanische Schweinepest grassiert momentan in Brandenburg und Sachsen. © Roland Weihrauch/dpa

Die Zahl der Schweinepest-Fälle in Deutschland steigt und steigt, die Sperrgebiete kommen Bayern immer näher. Bio-Schweinehalter sind daher in Sorge.

München/Kallmünz – Seit Monaten gleicht der Schweinestall von Hubert Heigl einem Hochsicherheitstrakt. Stroh- und Futterlager auf dem Bio-Betrieb in Kallmünz bei Regensburg* sind ebenso eingezäunt wie der Auslaufbereich seiner 90 Muttersäue, berichtet Heigl.

Zwischen Zaun und der Freifläche der Tiere liegt eine mehrere Meter breite Sicherheitsschleuse – damit ja keines seiner Schweine in Kontakt mit einem vorbeiziehenden Wildschwein kommen könnte. Penibel achtet die ganze Familie darauf, dass diesen Sicherheitsbereich niemand mit Straßenschuhen betritt. „Da wird eisern umgezogen, jeden Tag“, sagt Heigl.

Afrikanische Schweinepest breitet sich in Deutschland aus

Der Grund für all das: die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP, die seit gut einem Jahr in Brandenburg und Sachsen grassiert und mittlerweile bis auf 150 Kilometer an die bayerische Grenze herangerückt ist. Die Bauern fürchten die Seuche, auch wenn sie für den Menschen ungefährlich ist.

Aber für ihre Tiere bedeutet sie in der Regel den Tod. Und gerade konventionellen Schweinehaltern verdirbt die ASP den Exporthandel. Aber auch für Bio-Bauern wie Hubert Heigl, die eigentlich nicht von Großabnehmern aus China abhängig sind, kann die Seuche existenzbedrohend werden.

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Bayerische Bio-Bauern: Angst vor einer Stallpflicht für alle Schweine

„Das Schlimmste für uns wäre eine generelle Aufstallungspflicht“, sagt Heigl, der auch Vorsitzender der Vereinigung für Ökologischen Landbau in Bayern ist. Die große Angst der Bio-Schweinehalter ist, dass die Behörden bei einem nachgewiesenen ASP-Fall eine Stallpflicht für alle Schweine anordnen könnten. „Ich gehe gerne jede Woche mit dem Tierarzt durch meinen Bestand. Ich mache alles möglich. Aber aufstallen kann ich nicht“, sagt Heigl schlicht.

Landwirt Hubert Heigl
Landwirt Hubert Heigl © privat

Sein Außenklimastall ist aus Tierwohlgründen in verschiedene Bereiche unterteilt: Liegebereich im Innenraum, überdachter und nicht überdachter Auslauf. Draußen gibt’s Wasser, innen bleibt’s trocken. „Ich müsste den gesamten Stall umbauen und es wäre viel zu eng für die Tiere.“ Nachdem die Schweine das Haupteinkommen der Familie sind, „ginge eine Aufstallungspflicht schnell an die Existenz“.

Afrikanische Schweinepest in Deutschland: Mehr als 2500 Fälle

Inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 2500 ASP-Fälle. Bayern beobachtet diese Entwicklung mit Sorge, zuletzt hatte Umweltminister Thorsten Glauber (FW) die Vorsichtsmaßnahmen weiter verschärft, eine Hundestaffel und Drohnen aus dem Freistaat unterstützen die betroffenen Bundesländer bei der Suche nach weiteren Fällen. Doch auf die Frage, ob im Ernstfall eine Stallpflicht droht, gibt es aus dem Ministerium keine eindeutige Antwort.

Die Festlegung „großflächiger Maßnahmen“ erfolge „auf Basis der Empfehlungen einer Sachverständigengruppe, der neben Tierseuchenexperten auch Experten für Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Wildbiologie angehören“, heißt es aus Glaubers Haus. Zudem untersuche das Landesamt für Gesundheit derzeit, unter welchen Bedingungen in Bayern „zukunftsfähige Schweinehaltungen mit Auslauf selbst im Falle eines ASP-Ausbruchs möglich bleiben können“.

Für Heigl bedeutet das: Das Damoklesschwert der Stallpflicht hängt weiter über seinem Betrieb.

Industrie, aber auch Landwirte fordern Stallpflicht

Der Ruf nach der Stallpflicht kommt aus der Industrie, aber auch von Landwirten. So hatte sich etwa der Bundesverband Rind und Schwein dafür ausgesprochen, um einen „konsequenten Schutz“ der Hausschweinbestände zu erreichen. Heigl ist sich der katastrophalen Lage vieler konventioneller Schweinehalter bewusst. Aber er sagt auch, es könne nicht sein, dass eine von der Gesellschaft eingeforderte Haltungsform beim ersten Gegenwind geopfert werde, um den Export zu sichern. Er ist der Meinung: „Wir müssen lernen, mit der ASP zu leben.“ Die Forschungen für einen Impfstoff aus den USA seien vielversprechend. „Das wäre der Königsweg.“

Bis dahin werden Heigl und seine Berufskollegen aber noch einige Sorgen umtreiben. „Es gibt Phasen, in denen man schlechter schläft“, sagt er etwa über den Tag, an dem er von dem Fall im sächsischen Meißen erfuhr, 150 Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt. „Aber es hilft ja auch nichts, unausgeschlafen in den Stall zu gehen.“ (dg) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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