Statistik des Alpenvereins

Immer mehr Einsätze am Berg

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Mehr Hilfe am Berg: Dank Handy alarmieren Bergsteiger in Notsituationen immer häufiger die Bergwacht, statt einen Abstieg zu riskieren. Dadurch müssen die Retter zwar häufiger ausrücken, aber die Todeszahlen sinken.

In den letzten beiden Jahren starben in den Bergen weniger Menschen als je zuvor. Gleichzeitig schnellte die Zahl der Rettungseinsätze auf einen neuen Höchststand. Verursacher dieser paradoxen Entwicklung sind das Handy und der Klimawandel.

München – Der Klimawandel verändert die Bergwelt. Erst am Montag überraschte ein plötzlicher Wetterumschwung einen 24-jährigen Tschechen am Watzmann Hocheck. Er war am Vortag bei mildem Spätsommerwetter aufgestiegen, wachte nach einer Nacht im Biwak aber im Eissturm auf. Weil er den Abstieg nicht mehr fand, alarmierte er die Bergwacht. Die brachte ihn zurück ins Tal.

Der Fall ist kein Einzelfall. Das beweist die Bergunfallstatistik des Deutschen Alpenvereins (DAV). In den Jahren 2016 und 2017 starben insgesamt 71 DAV-Mitglieder bei 61 Unfällen in den Bergen. Verglichen mit den Jahren 2014 und 2015 entspricht das einem Rückgang um 28 Prozent und der niedrigsten Todesquote für DAV-Mitglieder seit Beginn der Statistik in den 1950er-Jahren. Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der Rettungseinsätze deutlich. Insgesamt registrierte der DAV 1878 Notfälle mit 2433 Betroffenen.

Der Klimawandel schafft neue Notlagen

Diese Entwicklung hat vor allem zwei Ursachen: den Klimawandel und das Handy. Der Klimawandel schafft neue Notlagen, etwa durch auftauenden Permafrost, häufigere Gewitter und Murenabgänge. Die damit verbundenen Einsätze steigen seit zehn Jahren, 2017 erreichten sie einen neuen Höchststand. Das Handy ist für viele der Retter in der Not. „Ohne das Handy hätten die meisten versucht, sich irgendwie selbst zu retten“, meint Christoph Hummel, Sicherheitsforscher des DAV. „Dabei hätten sie allerdings schwerere Unfälle riskiert. Einige wären wohl gestorben.“ Weil der Hilferuf heute aber leichter ist als noch vor 20 Jahren, steigen die Rettungen Unverletzter, während die Todeszahlen abnehmen. Vorsicht wird auch am Berg immer populärer als Nachsicht. „Eine durchweg positive Entwicklung“, findet Hummel. Außerdem hilft das Handy bei der Planung und der Routenfindung, etwa durch herunterladbare Karten. Auch bessere Ausrüstung, ausführliche Informationen im Internet sowie bessere Hilfsmittel zur Orientierung und Wettervorhersage sorgen für mehr Sicherheit.

Diesen Trend beobachtet auch die Bergwacht. „Wir haben gerade im Sommer mehr Einsätze“, sagt Roland Ampenberger, Leiter des Zentrums für Sicherheit der Bergwacht Bayern. „Es sind eben mehr Menschen im Gebirge unterwegs.“ Dennoch bleibe die Anzahl der Todesfälle konstant bei 70 bis 90. Anteilig sterben also immer weniger Bergsteiger.

Die meisten Todesfälle geschehen beim Bergwandern. 31 waren es im vergangenen Jahr. Damit war fast jeder zweite Tote am Berg ein Wanderer. Dennoch ist das Risiko, beim Wandern zu sterben, gering. Umgerechnet auf die Unfälle pro Stunde, ist der mit weitem Abstand beliebteste Bergsport auch der sicherste. Die risikoreichsten Disziplinen sind Alpinklettern und Hochtourengehen, doch auch sie werden sicherer.

Durchweg positiv sei die Entwicklung dennoch nicht, meint Hummel. „Es verirren sich immer mehr Wanderer. Das kann ich nicht verstehen.“ Durch Smartphone-Apps und immer bessere Karten könne heute jeder so sicher in den Bergen navigieren, dass mit Ausnahme von plötzlichen Wetterumschwüngen mangelnde Vorbereitung die einzige Verirr-Ursache sei. Das sieht auch Ampenberger so: „Die Berge sind ein Naturraum, kein Freizeitpark. Da muss man sich realistisch einschätzen und wissen, was man tut. Demut und gute Vorbereitung sind unerlässlich.“

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