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Lkw zerstört Schranke: Bahnübergang seit fünf Monaten im Handbetrieb

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Von: Johannes Welte

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Der Bahnübergang in Neukirchen am Inn, im Hintergrund das seit dem Unfall im Oktober umgekippte Schalthäuschen
Per Hand schaltet dieser Mann die Blinklichter am Bahnhof ein © Alfons Sagmeister

Vor fünf Monaten wurde in Niederbayern eine Schranke bei einem Unfall zerstört. Seitdem wird dort der Verkehr mit einer provisorischen Schranke geregelt - die von Hand betrieben wird!

Tuut-Tuut! Mit Wummern kündigt sich die Regionalbahn von Passau nach Mühldorf an. Eigentlich sollten jetzt vollautomatisch die roten Blinklichtre einschalten und die Halbschranken schließen, damit kein Autofahrer aus Versehen auf dem Gleis landet. Doch hier schlägt die Minute von des 22 jährigen Jaquot Arab. Er schließt den Bahnübergang mit einem Flatterband, während sein Kollege Delshad Süleymann mit einem Schlüssel an einem Schaltkasten die Blinklichter aktiviert. Der in Essen geborene Marokkaner berberischer Abstammung sowie der Syrer sind Bayerns einziger lebender Bahnübergang – seitdem ein Lastwagen in Neukirchen am Inn (Kreis Passau) im Herbst vergangenen Jahres die Schrankenanlage zerstört hat.

Der Bahnübergang in Neukirchen am Inn wurde seit fünf Monaten von der Bahn nicht erneuert
Wenn auch die provisorische Schranke streikt, wird der Bahnübergang mit dieser Girlande von Hand gesperrt © Alfons Sagmeister

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Neukirchen am Inn: Lkw-Fahrer kollidiert mit Zug der Rottal-Bahn - Schranke zerstört

Am 16. Oktober 2021 hatte eine Lkw-Fahrer die geschlossene Schranke übersehen und stieß mit einem Zug der Rottalbahn zusammen. Dabei wurde das Häuschen mit der Technik umgefahren, die Schrankenanalage zerstört. Die Bahn errichtete eine Halbschranke als Provisorium ein, die von Hand bedient werden muss. Seitdem müssen von früh um sechs bis nachts um elf Arab, Süleymann oder ihr Kollege Drira Dabbach – ein Tunesier – den Bahnübergang überwachen. Und manchmal streikt auch die Halbschranke, sodass die Gleise ganz per Hand mit der Absperrgirlande für Autos gesperrt werden. Die Männer frieren im Auto, steigen aus, wenn der nächste Zug kommt und sichern von Hand den Bahnübergang. Anwohner bringen den Frierenden schon mal eine Kanne heißen Tee vorbei. Autofahrer schimpfen über die längeren Wartezeiten.

Wieso es die Bahn noch nicht geschafft hat, den Bahnübergang wiederherzustellen? „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, schnellstmöglich eine temporäre technische Sicherung des Bahnübergangs wiederherzustellen“, so die Bahn auf Anfrage der PNP. Das könne noch ein halbes Jahr dauern. Für die endgültige Wiederherstellung liefen noch Abstimmungen mit dem Eisenbahnbundesamt über die zu realisierenden Varianten. Die Rede ist von einem „Realisierungszeitraum von zwei Jahren.“

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