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Reibach mit der Corona-Angst: Wie Nahrungsergänzungsmittel in die Irre führen

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Von: Dominik Göttler

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In einem Verkaufsregal stehen diverse Produkte
Nahrungsergänzungsmittel versprechen oft mehr als sie wirklich einhalten, heißt es beim LGL. © IMAGO / Geisser

Nahrungsergänzungsmittel, die angeblich gegen Corona helfen, und Kindernahrung, die schon mit einer Portion den täglichen Zuckerbedarf deckt - das Landesamt für Gesundheit hat bei seinen Proben viele Verstöße festgestellt.

München - Vitamintabletten, Kalziumpräparate, Omega-3-Kapseln - Nahrungsergänzungsmittel liegen im Trend, in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der in Bayern gemeldeten sogenannten NEM-Hersteller mehr als verzehnfacht. Doch der Nutzen dieser Produkte ist schon seit Längerem umstritten. Und nun hat so mancher Hersteller offenbar die Pandemie zum Anlass genommen, um mit seinen Präparaten Kasse zu machen.

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat im vergangenen Jahr 43 Nahrungsergänzungsmittel überprüft, nachdem diese mit der positiven Wirkung auf das Immunsystem warben. Das Ergebnis: Acht Produkte und damit ein Fünftel aller getesteten Nahrungsergänzungsmittel wurden beanstandet, weil sie verbotenerweise mit Corona-Bezug warben. Darunter etwa Präparate mit Vitamin D und B6 oder zwei CBD-Öle. Bei weiteren zwölf Proben stellten die Prüfer andere unzulässige gesundheitsbezogene Angaben fest. „Der Verbraucher wird hier in die Irre geführt, das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“, sagte LGL-Chef Walter Jonas bei der Vorstellung des Jahresberichts 2019/20 am Donnerstag im Landtag.

Landesamt für Gesundheit warnt: Kinderlebensmittel mit zu viel Zucker

Ein weiterer Schwerpunkt des LGL in den vergangenen zwei Jahren waren Lebensmittel, die sich explizit an Kinder richten – zum Beispiel durch die spezielle Gestaltung der Verpackung oder kindgerechte Produktnamen. So wurden etwa Müsliriegel, Kekse, Reiswaffeln oder sogenannte Quetschbeutel mit Obstpüree untersucht, die bei Kindern sehr beliebt sind. Problematisch war dabei oft der hohe Zuckergehalt. Ernährungsexperten zufolge sollten Kinder nicht mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag verzehren. „Die Ergebnisse zeigten, dass diese Menge zum Beispiel bei den beliebten Quetschbeuteln oft schon mit einer Portion erreicht ist“, sagt Jonas. Sein Fazit: Nur weil ein Produkt als Kinderlebensmittel deklariert ist, heißt das nicht automatisch, dass diese auch gesünder sind. Das LGL rät Eltern deshalb, bei der Nährwertkennzeichnung genau hinzusehen.

Landesamt für Gesundheit warnt: Gamssalami ohne Gamsfleisch

Das LGL hat sich einem weiteren Trend gewidmet: den Insekten als Lebensmittel. Sie gelten als nachhaltige Nahrungsquelle der Zukunft, weil die Produktion kaum Platz oder Wasser braucht und wenig Treibhausgase verursacht. Bislang sind in der EU nur Mehlwürmer zum Verzehr zugelassen, doch weitere Arten wie Wanderheuschrecken, Heimchen, Grillen oder Buffalowürmer sind ebenfalls im Umlauf, auch wenn der Zulassungsantrag derzeit noch bearbeitet wird. „Wir haben uns die Frage gestellt: Sind Insekten tatsächlich so gesund, wie es heißt“, sagt Jonas. Größtenteils waren die Ergebnisse in Ordnung. Allerdings wurden in mehreren Proben aus Grillenmehl gesundheitsschädliche Keime gefunden.

Und dann versteckt sich im LGL-Bericht noch ein Hinweis für Fans einer Wildfleisch-Rarität. Die Prüfer haben Gamssalami aus Bayern, Österreich und Südtirol unter die Lupe genommen und überprüft, ob darin auch genug Fleisch der seltenen Art enthalten ist. Und Achtung: Auch hier herrscht Mogelpackungalarm! In mehr als der Hälfte der Salamis waren zwar diverse Fleischvariationen vom Reh über den Rothirsch bis zum Schaf enthalten - nur eben so gar kein Gamsfleisch. (dg)

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