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Ein Dorf tanzt in den Mai - Baierbrunns besonderer Brauch

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Von: Dominik Göttler

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Das Hochzeitspaar: Stefanie Seitz und Julius Renner aus Baierbrunn, wo alle fünf Jahre zum Start in den Mai eine traditionelle Bauernhochzeit nachgestellt wird. Fast hätte die Konkurrenz den Baum stibitzt
Das Hochzeitspaar: Stefanie Seitz und Julius Renner aus Baierbrunn, wo alle fünf Jahre zum Start in den Mai eine traditionelle Bauernhochzeit nachgestellt wird. Fast hätte die Konkurrenz den Baum stibitzt © BODMER

Am Wochenende steigt in Baierbrunn das Fest des Jahres. Die Gemeinde hat einen besonderen Maibrauch: Alle fünf Jahre stellt die Dorfjugend eine traditionelle Bauernhochzeit nach. Und nicht selten tanzen die Paare auch danach noch gemeinsam durchs Leben.

Baierbrunn – Im Hut des Hochzeitsladers steckt die große Überraschung. Wenn die Madln und Burschen aus Baierbrunn am Sonntag ihre Tanzpartner ziehen, fließt schon mal die ein oder andere Träne. Vor Freude. Oder auch vor Enttäuschung. „Die Mädels sind schon ganz aufgeregt“, sagt Stefanie Seitz. „Jeder hat natürlich schon seinen Favoriten.“ Denn für die Baierbrunner Dorfjugend ist die Maimusi mehr als nur ein Tanz.

Die 3000-Einwohner-Gemeinde Baierbrunn im Landkreis München startet mit einem ganz besonderen Brauch in den Mai. Alle fünf Jahre wird zuerst der Maibaum aufgestellt – doch das große Festwochenende startet erst am Wochenende danach. Denn am Sonntag stellen die Burschen und Madln von der Maimusi eine traditionelle bayerische Bauernhochzeit nach. In Miesbacher Tracht tanzt die Jugend um den Baum und auf der Bühne – mit einer großen Francaise als Höhepunkt.

Fast hätte die Konkurrenz den Baum stibitzt

Das Hochzeitspaar bilden heuer die 23-jährige Stefanie Seitz und der 24-jährige Julius Renner. Schon im Herbst 2019 wurden verschiedene Ehrenpaare gewählt (die im echten Leben übrigens in der Regel kein Paar sind). Eigentlich sollte die große Festwoche turnusgemäß schon im vergangenen Jahr stattfinden. Aber wie bei so vielen echten Hochzeiten auch hat die Pandemie den Baierbrunnern die Pläne umgeschrieben. Doch jetzt wird nachgefeiert. Und schon der Ansturm beim Maibaumaufstellen am vergangenen Sonntag hat gezeigt: Die Baierbrunner lieben ihre Tradition. „Wir sind richtig stolz, dass wir den Baierbrunnern heuer wieder etwas bieten können“, sagt Bräutigam Julius Renner.

Dabei hätte den Baierbrunnern fast noch die Konkurrenz dazwischengefunkt. Denn die Burschen und Madln von der Maimusi sind auch für den Maibaum verantwortlich. Noch nie in der Dorfgeschichte wurde der geklaut. Doch heuer wäre es fast schiefgegangen. Die Burschen aus Putzbrunn und Harthausen hatten den knapp 40 Meter langen Baum schon so gut wie stibitzt. Aber ein aufmerksamer Nachbar verhinderte den Diebeszug in letzter Minute. „Das wäre teuer geworden“, sagt Julius Renner. Doch jetzt steht der Baum. Und damit kann auch das Festwochenende ohne Schmach steigen.

Jetzt muss nur noch das richtige Los gezogen werden

Das Programm ist eng getaktet. Live-Musik am heutigen Freitag, bayerischer Abend am Samstag. Und am Sonntag geht es für die Dorfjugend nach dem Weißwurstfrühstück erst zum Festgottesdienst und dann ins Festzelt. Bayernhymne, Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal, Schuhplattler, Gstanzl, das traditionelle Weintrinken – die Baierbrunner lassen nichts aus.

Und schließlich die große Partnerverlosung, die für alle außer den Ehrenpaaren darüber entscheidet, mit wem man den Festtag auf der Tanzfläche verbringt. Und manchmal ist so ein Los noch viel mehr. Stefanie Seitz zum Beispiel hat ihren Freund auch bei der Maimusi kennengelernt. Und auch heuer gab es im Vorfeld schon erste Annäherungen unter den Mitgliedern, verrät die Braut. Muss am Sonntag also nur noch das richtige Los gezogen werden.

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