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Impf-Skandal am Münchner Flughafen: Arzt kümmert sich sonst um Superreiche und Slumbewohner

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Von: Thomas Eldersch

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Durch den Impf-Skandal am Münchner Flughafen war einer in aller Mund: Der Münchner Arzt Udo Beckenbauer. Aber wer ist der Mann, der den Schwarzen Peter der Regierung unterjubeln wollte?

München - Während in Deutschland noch zahlreiche Menschen auf eine Corona-Impfung* warten, wurden Ende Mai am Münchner Flughafen italienische Angestellte eines Luxus-Ressorts auf Sardinien immunisiert. Der Skandal zog weite Kreise. Auch weil zwischenzeitlich der Impf-Arzt Udo Beckenbauer die Bundesregierung* angeschwärzt hatte, die Termine ausgemacht zu haben. Aber wer ist Udo Beckenbauer eigentlich?

Impf-Skandal am Flughafen: Udo Beckenbauer ein Mann mit zwei Gesichtern

Auf den ersten Blick scheint der Mediziner aus München ein Mann zweier Extreme zu sein. In der Landeshauptstadt und am Tegernsee besitzt er mehrere Praxen. In einigen davon versorgt er überwiegend Privatpatienten. Im Nobel-Skiort Kitzbühel soll er sich mit der High Society vergnügt haben, schreibt die SZ. Auf der anderen Seite ist er langjähriges Kuratoriumsmitglied der Hilfsorganisation German Doctors. Seit 24. Juni hat er laut Homepage des Vereins allerdings seine Mitgliedschaft gekündigt. Er wolle ihn aus dem Skandal heraushalten. In den Jahren zuvor war er oft wochenlang in den Slums auf den Philippinen und Indiens unterwegs, um unentgeltlich den Ärmsten der Armen zu helfen.

In den Augen seiner Mitmenschen wird er oft widersprüchlich dargestellt. Auf der einen Seite sei er hilfsbereit und ein herausragender Mediziner. Aber sein Umgang mit Kassenpatienten und Personal soll häufig schwierig sein, schreibt die SZ. Wie konnte es also dazu kommen, dass Beckenbauer bei der illegalen Impf-Aktion* am Flughafen mitgemacht hat?

Impf-Skandal am Flughafen: Beckenbauer versteht‘s selber nicht

Mit der Süddeutschen Zeitung wollte er nicht sprechen. Aber sein Anwalt, Thomas Pfister, äußerte sich. Nach einem ausführlichen Bericht über die unzähligen, wohltätigen Engagements seines Mandanten kam irgendwann in dem dreistündigen Gespräch auch die Sprache auf den Verstoß gegen die Impfverordnung*. Das sei eine Mischung aus „Gedankenlosigkeit, Naivität und Eitelkeit“ gewesen. Eine „dumme Gefälligkeit“. Ein Blackout von Beckenbauer, der darüber nicht nachgedacht habe. Selbst nach mehrmaligen Nachbohrens von Pfister, habe Beckenbauer nur geantwortet: „Er versteht‘s selber nicht mehr.“ Kriminelle Absichten seien es nicht gewesen, selbst wenn die Staatsanwaltschaft auch dem Verdacht der Bestechlichkeit nachgehe. Pfister dazu: „Korruption ist immer heimlich.“

In dem Fall am Flughafen München* hat Beckenbauer jedoch ganz offiziell einen abgefassten Vertrag unterschrieben. Alles wurde darin geregelt. 50 Euro pro Impfung, macht bei 120 Beschäftigten 6000 Euro - dazu noch eine bayerische Brotzeit. Aber das Geld bekam nicht nur Beckenbauer. Mehrere Ärzte waren an der Aktion beteiligt. Er sei erst später dazugekommen und habe nur eine Handvoll Leute geimpft, so Pfister. Zustande sei das ganze nur gekommen, weil Beckenbauer einer Managerin des Luxus-Ressorts kenne und ihr einen Gefallen tun wollte. Gegen sie wird mittlerweile ebenfalls ermittelt.

Impf-Skandal am Flughafen: Beckenbauer hatte einen schlechten Tag

Noch dauern die Ermittlungen im Impf-Skandal an - auch gegen Beckenbauer. Der ambivalente Doktor, der am Tegernsee ein Zentrum für Präventivmedizin für die Superreichen betreibt und gleichzeitig in seiner Praxis in Milbertshofen 95 Prozent Kassenpatienten betreut. Ein Mann der sich laut SZ bei zahlreichen Hilfsorganisationen wie beispielsweise Power Child eingebracht hat und sonst Kassenpatienten warten lassen soll, wenn Privatpatienten „zum Udo“ wollen. Sein Anwalt Pfister fasst es so zusammen: Jeder Mensch habe mal gute und mal schlechte Tage. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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