Auch in der Corona-Pandemie eine Gefahr

Experten raten dringend zu Zecken-Impfung: Bayern ist Risikogebiet - RKI besorgt

Wenn es ums Impfen geht, dreht sich derzeit fast alles um Corona. Doch andere Gefahren sollten deshalb nicht unterschätzt werden.

München – Der Blick auf die signalrote Zecken-Warnkarte lässt erschrecken: Bis auf den Kreis Fürstenfeldbruck und die Städte München, Augsburg und Schweinfurt ist ganz Bayern FSME-Risikogebiet. Die Gefahr ist hier groß, nach einem Zeckenstich an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu erkranken, was in schweren Fällen auch zu einer Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung und sogar zu Todesfällen führen kann.

Egal, wo man in Bayern lebt, der Münchner Allgemein- und Tropenmediziner Dr. Markus Frühwein rät dringend dazu, sich gegen diese Gefahr impfen zu lassen. Denn auch in München gebe es FSME-Fälle. „Nur wegen der verhältnismäßig großen Einwohnerzahl ist München bislang kein Risikogebiet.“ Man dürfe sich nicht an statistischen Zahlen festhalten. „Wir haben überall in Süddeutschland und Österreich FSME.“

Gefahr durch Zecken-Bisse: RKI warnt wegen schwacher Impfquote

Das Robert-Koch-Institut beklagt eine zu geringe Impfquote gerade in Risikogebieten – sie reiche derzeit nicht, um eine starke Zunahme der FSME-Fälle zu verhindern. Allein für das vergangene Jahr meldet das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 280 Fälle von FSME und 6259 Borreliose-Erkrankungen, die ebenfalls von Zecken übertragen werden. So viele Infektionen wie noch nie.

Die Erklärung ist simpel: „Die Menschen sind mehr draußen. Wir haben Homeoffice, Fitnessstudios sind geschlossen, viele Sportarten können nicht mehr ausgeübt werden. Vieles verlagert sich ins Freie. Wo es grün ist, sind Zecken“ , sagt Frühwein. In seiner Praxis beobachtet der Allgemeinmediziner, dass die Zahl der FSME-Impfungen steigt. Wer gerade gegen Corona geimpft worden ist, der sollte allerdings zwei Wochen vor und nach dem Piks keine andere Impfung machen.

Dass Patienten derzeit Probleme haben, einen Termin für eine dringend erforderlich Impf-Auffrischung zu ergattern, kann sich Frühwein nur mit organisatorischen Hindernissen erklären. Wenn Praxen die Corona-Impfungen in den normalen Sprechstundenalltag integriert haben, könne es da ziemlich „heißlaufen“. Viele Praxen machten die Corona-Impfungen aber außerhalb der regulären Sprechstunden. „Dann ist in den Sprechstunden genau so viel Zeit wie vorher.“

Zu Beginn der Pfingstferien erinnern Mediziner daran, wie wichtig die Impfung gegen die von Zecken übertragene FSME ist.

Zecken-Impfung: Angespannte Situation in den Praxen wegen Corona

Allerdings sei die Situation momentan angespannt. „Weil nach der Aufhebung der Priorisierung telefonisch alle Praxen von Patienten total belagert werden.“ Eine unsinnige Entscheidung, wie Frühwein findet. Denn dadurch sei auch nicht mehr Impfstoff da.

Er hält es momentan aber für sehr wichtig, „dass wir wegen Corona nicht die anderen Impfungen vergessen“. Hier denkt er neben der Zecken-Impfung gerade bei den älteren Menschen an Impfungen gegen Lungenentzündung, Gürtelrose und Keuchhusten.

Schutz gegen Zecken: Was nach dem Aufenthalt im Freien zu beachten ist

Wer in den Pfingstferien Ausflüge in die Natur macht, sollte theoretisch lange Kleidung, Socken und hochgeschlossene Schuhe tragen, um sich vor Zecken zu schützen. Frühwein lacht: „Das ist eine nette Empfehlung. Aber wer macht das denn? Wenn es draußen 35 Grad hat und man macht einen Waldspaziergang – da ist das nicht realistisch.“ Man könne Mückenschutzmittel auftragen, die auch gegen Zecken wirken, das funktioniere ganz gut.

Entscheidend sei, dass man nach einer Wanderung den Körper absucht. Eine entdeckte Zecke soll man mit einer Pinzette dicht über der Haut fassen und langsam und gerade herausziehen. Das sei als Schutz vor der Borreliose sinnvoll – denn hier entscheide, wie lange der Kontakt zwischen Zecke und Mensch bestand. Die Übertragung entstehe erst durch die „Blutmahlzeit“.

Wenn sich später an der Einstichstelle eine kreisförmige Rötung bildet, dann soll man zum Arzt gehen. Er wird ein Antibiotikum verschreiben. Die FSME indes werde sofort übertragen. Daher helfe nur die Impfung. Auch Kleinkinder können gegen FSME geimpft werden – Frühwein empfiehlt es ab einem Alter von zwei Jahren.

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Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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