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In Deutschlands größtem Corona-Hotspot: Landrat appelliert an Veranstalter - „So schlimm war es noch nie“

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Von: Dominik Göttler

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Ein Testzentrum im Kreis Miesbach.
Der Landkreis Miesbach weist deutschlandweit das höchste Infektionsgeschehen auf. © Peter Kneffel/dpa

Nirgendwo in Deutschland ist die Inzidenz so hoch wie im Kreis Miesbach. Landrat Olaf von Löwis (CSU) blickt mit größten Sorgen auf den Winter – und appelliert an die Veranstalter.

Miesbach – Miesbach ist Spitzenreiter. Allerdings in einer Rangliste, die niemand gerne anführt. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 682,8 wies der Alpenlandkreis gestern das höchste Infektionsgeschehen der gesamten Bundesrepublik auf. „Es hat sich abgezeichnet, aber dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht“, sagt der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis (CSU).

Im vergangenen Winter sperrte sein Landkreis Besucher aus dem Umland aus, um der Pandemie Herr zu werden. „Heute ist die Inzidenz dreimal so hoch und unser Krankenhaus noch voller“, sagt der Landrat. So schlimm war es noch nie.“

Corona-Hotspot Miesbach: „So schlimm war es noch nie“

Die Situation in der Klinik ist es, die von Löwis die größten Sorgen bereitet. „Es ist fünf nach zwölf, wir können dort nicht mehr richtig arbeiten.“ Schon jetzt müssten viele Operationen verschoben werden. Es dürfe nicht so weit kommen, dass auch bei Fragen um Leben und Tod kein Platz mehr frei sei.

Dazu kommt die Sorge um die Wirtschaftskraft der Region. Die Wintersaison steht an, der Tourismus ist in Miesbach ein wichtiger Einkommenszweig. „Da werden sich dauerhaft hohe Infektionszahlen natürlich auswirken“, sagt von Löwis. Gerade jetzt, wo sich Hotel- und Gastronomiebetriebe gerade wieder berappelt haben.

Corona-Lage in Miesbach: Kontakt-Nachverfolger kommen nicht mehr hinterher

Woher die hohen Infektionszahlen kommen, kann auch der Landrat nur vage beschreiben. Die Impfquote liege mit 66 Prozent im bayernweiten Schnitt. „Wie überall beobachten wir hohe Infektionszahlen bei der Jugend.“ Gestern lagen in Miesbach die Inzidenzen der Altersgruppen 5 bis 14 und 15 bis 34 Jahre über 1000. „Wir stellen fest, dass sich vor allem in häuslichen Gemeinschaften von Familien mit niedriger Impfquote das Virus besonders verbreitet.“

Dazu kommen die Gerüchte über Corona-Partys, bei denen sich Jugendliche angeblich bewusst anstecken wollten, um als Genesen zu gelten. Nichts davon ist belegt, aber von Löwis hält es nicht für ausgeschlossen. „Unser Problem ist, dass wir die genauen Infektionsketten einfach nicht mehr nachvollziehen können.“ Die Kontakt-Nachverfolger im Gesundheitsamt kommen bei täglich rund 100 neuen Fällen nicht hinterher, alle Kontakte abzuklappern. Seit gestern helfen wieder Soldaten der Bundeswehr im Landkreis. „Klar ist nur: Die vielen Kontakte untereinander sind die Hauptursache.“

Corona in Miesbach: Landrat fordert, auf sämtliche Massenveranstaltungen zu verzichten

Deshalb drängt der Landrat alle Veranstalter in seiner Region, auf sämtliche Massenveranstaltungen zu verzichten. Leonhardifahrten, Christkindlmärkte, Bürgerversammlungen – „all das können wir nicht verbieten, aber wir können appellieren, das nicht abzuhalten“. In Absprache mit den ebenfalls vom hohen Infektionsgeschehen betroffenen Landkreisen SüdostBayerns gelten in Miesbach seit Montag bereits verschärfte Corona-Regeln: Pflicht zu FFP2 statt medizinischer Maske.

2G statt 3Gplus in Diskos und Clubs mit verstärkten Kontrollen. Gestern beschloss das Kabinett zudem die Details zur Corona-Krankenhausampel. Darüber hinaus soll in den südost-bayerischen Landkreisen jetzt auch noch die Quarantäneregelung verschärft werden. Dort können sich die Bürger dann erst nach zehn Tagen aus der Quarantäne frei testen. „Viel mehr können wir auf Landkreisebene nicht tun“, sagt von Löwis.

Dazu will er trotz noch ausstehender Stiko-Empfehlung für Drittimpfungen für alle werben. „Alle unsere Ärzte sagen mir, das hilft.“ Auch er will sich die Booster-Spritze holen, sobald seine Zweitimpfung sechs Monate zurückliegt. Immer wieder höre er von Bürgern aus dem Landkreis, dass sie keine Angst vor Corona hätten. „Aber darum geht es nicht“, sagt er. „Es geht um Rücksichtnahme. Und da sind wir jetzt alle gefordert.“

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