Rituelle Gewalt: Modellprojekt soll Opfern helfen

Würzburg - Opfer von ritueller Gewalt sollen in Würzburg künftig leichter Hilfe finden. In einem Modellprojekt sollen Mädchen und Frauen, die unter dem Deckmantel einer Ideologie systematisch mit wiederkehrenden Handlungen körperlich, seelisch und sexuell misshandelt werden, leichter Zugang zu Schutz und Beratung bekommen. Dafür sollen unter anderem Mitarbeiter im psychosozialen Bereich sowie die Gesellschaft für das Thema rituelle und organisierte Gewalt sensibilisiert werden, erläuterten Vertreter des Vereins „Würzburg Wildwasser“ am Mittwoch in Würzburg.

Den Erfahrungen des Vereins zufolge werden die Schilderungen der Opfer oft als unglaubwürdig eingestuft, da die Täterkreise dafür sorgen würden, dass sie als „verrückt“ gälten und es keine Beweise gebe. Dies treffe etwa Opfer von Satanismus, Faschismus oder religiös begründeten Ideologien. „Für Menschen mit diesen Erfahrungen ist es besonders schwer, Schutz und angemessene Unterstützung zu erhalten - es gibt kein Entkommen“, betonten die Projektverantwortlichen.

Für die Betroffenen gibt es auch nur wenige Anlaufstellen. In der Ausbildung von vielen Psychotherapeuten und Psychiaterinnen ist rituelle Gewalt dem Verein zufolge gar nicht oder kaum Thema. Psychotherapeuten sollen daher ermutigt und fortgebildet werden, mit Betroffenen zu arbeiten und Therapieplätze anzubieten.

Das Projekt mit dem Titel „Hilfen für Frauen und Mädchen mit komplexen Gewalterfahrungen“ wird vom Bund mit 140 000 Euro gefördert und soll bis Ende 2022 laufen. „Würzburg Wildwasser“ verzeichnet den Jahresberichten zufolge beim Thema rituelle Gewalt jährlich etwa fünf bis sieben Fälle in der Region.

In den vergangenen Wochen wurden Vorwürfe von Übergriffen durch Geistliche und Nonnen in einem Würzburger Kinderheim bekannt, die vor etwa 40 und über 50 Jahren passiert sein sollen. Ein mutmaßliches Opfer sprach dabei von rituellem Missbrauch durch Geistliche. Der Würzburger Bischof Jung hält die Vorwürfe laut Bistum für plausibel. dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Stoiber: Keine Koalitionsbeteiligung der Union ohne Wahlsieg
BAYERN
Stoiber: Keine Koalitionsbeteiligung der Union ohne Wahlsieg
Stoiber: Keine Koalitionsbeteiligung der Union ohne Wahlsieg
Söder: Clubs und Diskotheken dürfen im Oktober öffnen
BAYERN
Söder: Clubs und Diskotheken dürfen im Oktober öffnen
Söder: Clubs und Diskotheken dürfen im Oktober öffnen
Mann greift Mitarbeiterin des Ausländeramts an – und wird festgenommen
BAYERN
Mann greift Mitarbeiterin des Ausländeramts an – und wird festgenommen
Mann greift Mitarbeiterin des Ausländeramts an – und wird festgenommen
Zwei jugendliche Motorradfahrer bei Unfall getötet
BAYERN
Zwei jugendliche Motorradfahrer bei Unfall getötet
Zwei jugendliche Motorradfahrer bei Unfall getötet

Kommentare