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Schutz für Weidetiere: 4,8 Millionen Euro für wolfssichere Zäune

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Von: Dominik Göttler

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Vier Wolfsrudel gibt es aktuell in Bayern. Dazu ein Wolfspaar und vier standorttreue Einzeltiere.
Vier Wolfsrudel gibt es aktuell in Bayern. Dazu ein Wolfspaar und vier standorttreue Einzeltiere. © DPA

Wolf und Weidetiere – wie geht das zusammen? Im Umweltausschuss des Landtags wird leidenschaftlich darüber diskutiert. Denn mit dem Koalitionsvertrag in Berlin könnte Bewegung in die Abschuss-Frage kommen.

München – Die gerissenen Schafe im Kreis Traunstein und die daraufhin beantragte Abschussgenehmigung haben die Debatte um den Wolf wieder angeheizt. Gestern diskutierten die Abgeordneten im Umweltausschuss darüber, ob und wie der Wolf und die Weidehaltung in Bayern nebeneinander funktionieren können. Trotz aller Mahnungen zur Sachlichkeit wurde die Debatte emotional.

Dabei ist der Wolf in Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern noch relativ selten. Vier Rudel, ein Paar und vier standorttreue Einzeltiere gibt es in Bayern derzeit, wie Erik Settles vom Umweltministerium den Abgeordneten berichtete. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es 157 Rudel. Dazu kommen die umherstreifenden Exemplare, wie zuletzt in den Kreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim. Im Wolfsjahr 2020 (Mai bis April) wurden in Bayern 38 Nutztiere von Wölfen gerissen, 2021 sind es mit den jüngsten Rissen ebenfalls 38.

Settles betonte, in keinem anderen Bundesland werde so viel Geld für Prävention und Schadensausgleich in die Hand genommen. Mit 4,8 Millionen Euro habe der Freistaat 2020 und 2021 den Bau von wolfssicheren Zäunen und die Anschaffung von Herdenschutzhunden gefördert. Und während etwa das Nachbarland Baden-Württemberg sechs Monate warte, bevor der Zaunbau nach einem Nutztierriss im dortigen Gebiet gefördert werde, passiere das in Bayern sofort im Umkreis von zehn Kilometern.

Bewegung in der Abschuss-Frage durch die Ampel-Koalition?

Der Opposition geht das aber nicht weit genug. Die Grünen fordern angesichts der vielen Kilometer, die ein Wolf am Tag zurücklegen kann, den Zaunbau in ganz Bayern zu fördern – und nicht erst auf Wolfsrisse zu warten. Dem stehe eine Mahnung des Obersten Rechnungshofs entgegen, die Förderung nur da einzusetzen, wo sie auch notwendig sei, sagte Settles. Zudem wären bayernweite Anträge für die Landwirtschaftsämter mit dem derzeitigen Personalstand nicht zu stemmen.

In der Kernfrage, ob eine Weidehaltung in Bayern mit dem Wolf weiter möglich ist, herrschte bei den Abgeordneten weiter Uneinigkeit. Während für Florian von Brunn (SPD) das Beispiel Schweiz zeige, dass die Koexistenz funktionieren kann, wenn genügend Herdenschutzmaßnahmen ergriffen werden, kamen aus dem Lager der CSU, der Freien Wähler und auch der AfD vermehrt Stimmen, dass der Schutzstatus des Wolfs gelockert werden müsse. Nach einer giftigen Diskussion konstatierte der Abgeordnete Klaus Steiner (CSU), in dessen Wahlkreis die jüngsten Wolfsrisse stattfanden: „Wir drehen uns im Kreis.“ Die Politik müsse mehr auf die Praktiker hören.

Bewegung in die Abschuss-Frage könnte indes durch die neue Ampelkoalition in Berlin kommen. Denn im Koalitionsvertrag haben die Parteien vereinbart, beim Wolfsbestand noch einmal genau nachzuzählen. Hintergrund ist die Frage, wann der sogenannte „günstige Erhaltungszustand“ der Wolfspopulation erreicht ist. Außerdem will die Ampel-Koalition ein europarechtskonformes, regional differenziertes Bestandsmanagement – also vereinzelte Abschüsse – ermöglichen. Erik Settles vom Umweltministerium bestätigte, dass es dafür im Bundesnaturschutzgesetz noch Spielräume gebe. Bayern habe sich in dieser Frage aber im Bundesrat bisher nicht durchsetzen können.

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