Ruhiger Jahreswechsel dank Corona?

Silvester in Bayern: Verbotene Partys und schweres Raketen-Unglück in Bad Reichenhall - Polizei zieht Bilanz

Familie sieht sich Silvester-Feuerwerk am Boden an.
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Familie sieht sich Silvester-Feuerwerk am Boden an.

Die Corona-Pandemie sorgte in Bayern für ein ruhigeres Silvester: In weiten Teilen Bayerns haben die aktuellen Beschränkungen für weniger Einsätze gesorgt.

  • Silvester fand 2020 ruhiger als gewohnt statt.
  • Grund waren die geltenden Regeln aufgrund der Corona-Pandemie.
  • Dennoch musste die Polizei in Bayern zu zahlreichen Einsätzen ausrücken.

Update vom 1. Januar, 17.51 Uhr: Auf das Böllern wollte er offenbar partout nicht verzichten. Das hatte Folgen für einen 56-jährigen Mann aus Bad Reichenhall. Das neue Jahr hatte noch nicht begonnen, als dem Mann gegen 21.40 Uhr wohl ein Silvesterkracher in der Hand detonierte. Den letzten Abend des Jahres verbrachte er somit im Krankenhaus. Der Unfall hinterlässt bleibende Schäden: Denn der Mann verlor vier Finger sowie Teile seines Daumens, wie die Polizei berichtete.

Insgesamt zieht die bayerische Polizei aber ein positives Fazit nach der Silvesternacht – sie sei weitgehend friedlich und ruhig verlaufen. So mussten die Beamten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord zum Jahreswechsel 229 Mal ausrücken – im Vorjahr waren es noch 320 Einsätze. Beim Präsidium Oberbayern Süd waren es mit 219 Einsätzen zwar zehn mehr als im Vorjahr, doch bis auf die gesprengte Hand in Bad Reichenhall blieb es vor allem bei kleineren Verstößen gegen die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung.

So hielten sich zwar die meisten, aber nicht alle Bayern an die nächtliche Ausgangssperre ab 21 Uhr. In Berchtesgaden etwa kontrollierte die Polizei kurz vor Mitternacht acht Personen, die ohne triftigen Grund, aber dafür mit zwei Schreckschusswaffen mit 1400 Schuss Munition auf der Straße unterwegs waren. In der Gruppe befanden sich außerdem Österreicher, die sich nach der Einreise eigentlich in Quarantäne begeben hätten müssen.

Silvesternacht in Bayern: Polizei löst eine Reihe von Partys auf

Auch eine Reihe von Partys löste die Polizei auf. Etwa im Landkreis Mühldorf, wo ein junger Mann 20 Gäste auf den heimischen Bauernhof eingeladen hatte – bis die Beamten die Feier gegen 2.30 Uhr beendeten. In Aschheim im Kreis München setzte die Polizei einer Gartenparty mit elf Personen ein Ende – Anwohner hatten sich beschwert. Ähnliche Fälle von Hauspartys und Ruhestörungen meldete die Polizei aus den verschiedensten Ecken Bayerns. Allein in Freising wurden zudem etwa 20 Personen angezeigt, die ohne triftigen Grund nach 21 Uhr im Freien unterwegs waren. In den meisten Fällen droht den Betroffenen ein Bußgeld, über das am Ende die jeweilige Kreisverwaltungsbehörde entscheidet.

Wie jedes Jahr kam es auch heuer zu diversen Bränden. In Regensburg etwa fing ein Raclette-Grill Feuer und löste einen Wohnungsbrand aus, bei dem eine Frau leicht verletzt wurde. In Dießen stürzte eine angetrunkene 28-Jährige über eine Feuertonne in ihrem Garten und musste mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht werden. In Oberdorfen steckten zwei Zwölfjährige ein Buswartehäuschen mit Feuerwerkskörpern in Brand. Und im oberfränkischen Weismain löste eine Feuerwerksrakete einen Dachstuhlbrand aus.

Das Ziel von weniger Rettungseinsätzen wegen der überlasteten Kliniken wurde mit den strikten Vorgaben aber trotz der diversen Einsätze erreicht. So meldete der BRK-Rettungsdienst mit bayernweit 5222 Einsätzen zum Jahreswechsel einen deutlichen Rückgang von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Überlastung des Rettungsdienstes und der Notaufnahmen konnte verhindert werden, bilanziert das Bayerische Rote Kreuz. - Dominik Göttler

Update vom 1. Januar, 10.00 Uhr: Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mitteilt, verlief die Silvesternacht zum Jahr 2021 weitestgehend friedlich und ruhig. Zwischen 19 Uhr am Abend des 31.12., bis 7 Uhr des Neujahrstages, wurden die Beamtinnen und Beamten der Polizeidienststellen zu insgesamt 219 Einsätzen gerufen. Trotz geltender Corona-Maßnahmen, dem Verbot großer Feiern und Raketen-Böllern waren dies zehn Einsätze mehr, als noch im Vorjahr.

Silvester in Bayern: Mann bei Detonation von Böller schwer verletzt

Ein besonders tragischer Vorfall ereignete sich bereits am Silvesterabend gegen 20.40 Uhr im Landkreis Berchtesgadener Land. In Bad Reichenhall erlitt ein Mann bei der Detonation eines Silvesterkrachers schwerste Verletzungen an der Hand. Er verlor vier Finger sowie Teile eines seiner Daumen. Der 56-Jährige musste nach intensiver medizinischer Betreuung vor Ort mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Silvester und Corona: Zahlreiche Regelverstöße in Bayern - Feiern aufgelöst

Ebenfalls für zahlreiche Einsätze sorgten die derzeit geltenden bayernweiten Kontaktbeschränkungen sowie die nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr waren für einige Wenige kein Grund, auf eine Silvesterparty zu verzichten. In Berchtesgaden wurden gegen 23.45 Uhr acht Personen einer Kontrolle unterzogen, die sich unerlaubt auf der Straße aufhielten. Zwei von ihnen trugen Schreckschusswaffen mit insgesamt 1400 Schuss Munition bei sich, zudem befanden sich auch Österreicher unter den Personen, die unerlaubt ohne Quarantänemaßnahmen die Grenze überquert hatten.

Auch in Garmisch-Partenkirchen, Burgkirchen an der Alz und im Lankdreis Mühldorf mussten Silvester-Feiern mit teils über 20 Teilnehmern durch die Polizei aufgelöst werden. Alle Personen, die gegen die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verstießen, wurden angezeigt. Insgesamt wurden in der vergangenen Nacht 253 Verstöße festgestellt. Über die Höhe des zu bezahlenden Bußgeldes entscheidet nun die jeweils zuständige Kreisverwaltungsbehörde.

Erstmeldung: Silvester in Bayern - hunderte Einsätze für die Polizei trotz Corona-Pandemie

München - Dass es ein ruhigeres Silvester werden würde, damit hatten die Einsatzkräfte schon gerechnet. Die aktuelle Situation aufgrund der Corona*-Pandemie hatte Folgen: Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sowie das Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern ließen vergleichsweise wenig Einsätze erwarten. „Aber dass es für Silvester so ruhig ist, hätten wir nicht gedacht“, resümierte ein Sprecher der Münchner Berufsfeuerwehr. Man habe keine silvesterüblichen Verletzungen durch Böller behandelt. Auch sei es zu keinen Bränden durch Feuerwerkskörper gekommen.

Silvester in Bayern: Polizei München berichtet von mehr als 500 Einsätzen

Die Polizei München berichtet von mehr als 500 Einsätzen in der Landeshauptstadt*. Darunter fielen laut erster Zwischenbilanz vom Morgen 86 Ruhestörungen, neun Körperverletzungsdelikte sowie über 40 Einsätze im Zusammenhang mit Pyrotechnik. Doch auch Verstöße gegen die geltenden Corona*-Regeln wurden in der Silvesternacht verzeichnet. In 197 Fällen wurden Verstöße gegen die Infektionsschutzregelungen angezeigt. Dabei betraf es in 156 Fällen die Ausgangssperre. 

Silvester während Corona in Bayern: Polizei und Feuerwehren berichten von ruhigem Abend

Andernorts in Bayern hatten die meisten Feuerwehren und Polizeidienststellen im Vergleich zu vorangegangenen Jahren ebenfalls einen ruhigen Abend.

Die Nürnberger Innenstadt war in der Silvesternacht „verwaist“, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Zuvor hatten die Städte und Landkreise Mittelfrankens ein Böllerverbot an Silvester und Neujahr beschlossen, das auch in privaten Gärten und auf Balkonen gilt. Dagegen sei zwar mancherorts verstoßen worden, die Polizei habe es aber bei Belehrungen belassen, solange sich das Ganze auf Privatgrund abspielte.

In Unterfranken hätten sich um Mitternacht Leute auf der Straße aufgehalten, auch hier sei aber „alles im grünen Bereich“, so ein Sprecher. Auch in Niederbayern war die Polizei zufrieden, dort habe man keine Verstöße festgestellt.

Corona-Silvester in Bayern: Polizei löst mehrere Partys auf

Anders war die Lage in der Oberpfalz, wo die Polizei in der Silvesternacht zu rund 30 Einsätzen aufgrund möglicher Verstöße gegen die Infektionsschutzmaßnahmen fuhr und mehrere Neujahrspartys auflöste. Durch Beschwerden wegen Ruhestörung sei man dort auf Feiern mit vielen Haushalten und Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen aufmerksam geworden.

In Oberfranken zeigte die Polizei ebenfalls mehrere Personen wegen Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkungen an. Insbesondere in den Landkreisen Coburg und Lichtenfels stellten die Beamten Zusammenkünfte von Menschen auf der Straße ohne triftigen Grund fest.

„Erstaunt“ angesichts der verhältnismäßig ruhigen Einsatzlage zeigte sich die Polizei in Oberbayern. „Die Menschen halten sich an die Corona-Beschränkungen“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Ein recht ruhiges Silvester hatten auch die Einsatzkräfte in Schwaben. Es gebe keine Partys oder Ansammlungen, sagte ein Polizeisprecher. Der Eindruck aus Schwaben deckt sich mit dem Großteil Bayerns: Dem Sprecher zufolge war die Nacht „nicht mit einem normalen Silvester zu vergleichen“. *tz.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks. (dpa/mlu)

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