Auswärtiges Amt gab Reisewarnung aus

Tirol als Risikogebiet: Touristen dürfen tageweise das Land besuchen - doch es gibt eine Ausnahme

Seit Freitag gilt das Nachbarbundesland aus Österreich, Tirol, als Corona-Risikogebiet. Viele Urlauber traf die Entscheidung des RKI völlig unvermittelt.

  • Die Einstufung als Riskikogebiet trifft das österreichische Bundesland hart.
  • Dabei sind die Corona*-Zahlen in vielen Gebieten weit unter dem Grenzwert.
  • Ausflüge für 48 Stunden sind jetzt bis Mitte Oktober ohne Konsequenzen möglich - mit einem Haken.

Update vom 2. Oktober: Gute Nachricht für Ausflügler, Wanderer oder Berufspendler. Kurztrips nach Tirol sollen bis zum 18. Oktober weiter erlaubt bleiben. Das beschloss der Ministerrat in seiner Bayerischen Einreise-Quarantäneverordnung gestern (1. Oktober), berichtet br.de. Es heißt also, für eine maximale Dauer von 48 Stunden ist ein Ausflug nach Tirol auch ohne negativen Corona-Test beziehungsweise Quarantäne möglich. Erst vor einer Woche ist das österreichische Bundesland vom Robert-Koch-Institut zu einem Risikogebiet erklärt worden.

Nur einen Haken gibt es dennoch bei der Sache. Besuche von Großveranstaltungen wie Konzerten oder Sportveranstaltungen bleiben auch in den zwei Tagen Besuchszeit tabu. Derweil sinken die Infektionszahlen in Kufstein wieder. Deshalb wurde die Region um die Grenzstadt auf der Corona-Ampel wieder von orange (hohes Risiko) auf gelb (moderates Risiko) herabgestuft. Zuletzt lag die 7-Tage-Inzidenz in Tirol unter der entscheidenden Marke von 50 Infektionsfällen pro 100.000 Einwohner. Für das gesamte Bundesland betrug sie 49,6.

Nach Risikogebiet-Einstufung: Viele Bayern verlassen schlagartig Tirol - „Eine Katastrophe“

Update vom 30. September: Seit knapp einer Woche gelten die österreichischen Bundesländer Vorarlberg und Tirol als Corona-Risikogebiete. Mit der Reisewarnung hagelte es Abreisen und Stornierungen. Ändert sich nichts, drohen massive Probleme im Winter. Wirtschaftsexperten warnen vor Existenznöten.

„Wir brauchen dingend den deutschen Markt. Ein Tourismus mit Reisewarnung wird nicht stattfinden können“, sagte der Tourismusvertreter in der Tiroler Wirtschaftskammer (WKÖ), Mario Gerber, der Deutschen Presse-Agentur. „In sämtlichen Destinationen sind Abreisen da, in allen Betrieben, überall“, so Vorarlbergs WÖK-Tourismussprecher Markus Kengele. „Es gibt Orte, die haben null Infizierte, und trotzdem reisen die Gäste ab. Das ist eigentlich der Schaden.

Corona in Österreich: Zwickmühle für Tirol und Vorarlberg nach Reisewarnung

Für die beiden Bundesländer stellt sich mit der Reisewarnung eine Zwickmühle. Verharmlosen will die Pandemie nach den Massenansteckungen im Tiroler Skiort Ischgl niemand. Doch die Ansteckungen, die die Zahlen auf den für Deutschland kritischen Sieben-Tages-Schnitt von über 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner bringen, finden derzeit kaum in den ländlichen Regionen statt. Auch Hotels in Teilen von Tirol, die keine Fälle registriert hätten, berichteten ihm von 50 Prozent Stornierungen, sagte Gerber. „Das ist für uns ein ganz schwerer Schlag.“

Deutsche machen einen großen Teil der Urlauber der beiden Bundesländer aus, die an den Bodensee und Bayern grenzen. In Tirol wird nach Angaben der Wirtschaftskammer jeder dritte Euro direkt oder indirekt mit dem Tourismus verdient. In der Wintersaison 2018/20191 kam die Hälfte aller Tirol-Besucher aus Deutschland, davon ein Drittel direkt über die Grenze aus Bayern.

Corona in Österreich: „Beim Winter merken wir eine extreme Nachfrage, aber keine Buchungen“

In beiden Ländern wird nun gehofft, dass sich die Ansteckungszahlen so weit erholen, dass die Reisewarnung rechtzeitig zur Wintersaison wieder fallen könnte. „Beim Winter merken wir eine extreme Nachfrage, aber keine Buchungen. Die Gäste rufen an, informieren sich, aber die
Buchungen bleiben aus, weil zu viel Unsicherheit herrscht“, beschrieb Gerber die Lage in Tirol.

Für Vorarlberg berichtete Kegler schon von Stornierungen für den Winter. Er hoffe auf eine Wirkung der Maßnahmen - sowohl der vom Land geplanten Sicherheitskonzepts für den Winter, als auch der in Vorarlberg, Tirol und Salzburg eingeführten Sperrstunde von 22 Uhr. Tatsächlich lag in Vorarlberg der Sieben-Tages-Durchschnitt der Infektionen nach Angaben der Landesregierung seit Montag wieder unter dem entscheidenden Wert von 50 Infektionen pro 100 000 Einwohner. Auch in Tirol sank die Zahl der aktiven Fälle im Vergleich zu vor einer Woche etwas, dort galten rund 500 Menschen als aktiv erkrankt.

Nach Risikogebiet-Einstufung: Viele Bayern verlassen schlagartig Tirol - „Eine Katastrophe“

Erstmeldung vom 27. September: Kiefersfelden/Innsbruck - Krisenstimmung in Tirol, Verunsicherung in Oberbayern – nachdem das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitagabend das österreichische Bundesland als Corona*-Risikogebiet einstufte, herrscht eine schwierige Gefühlslage bei Urlaubern und Gastgebern, wie auch bei Arbeitnehmern und Studenten, die zwischen den beiden Ländern pendeln.

An den Corona-Teststationen in Tirol kommt es zu langen Schlangen

Nach der Einstufung setzte spürbarer Rückreiseverkehr ein. Am Samstagvormittag staute es sich vor der Corona*-Teststation an der Inntal-Autobahn A 93 am Rastplatz Heuberg; auch am gestrigen Sonntag war die Station ausgelastet. Denn wer aus Tirol einreist, muss nun in die 14-Tage-Quarantäne, sofern er keinen negativen Test vorweisen kann. Auf der Corona-Ampel* sind viele Teile Tirols mit gelb und orange markiert.

Ausnahmen sieht die Bayerische Quarantäneverordnung seit wenigen Tagen vor: Sie gelten für Personen, die sich nicht länger als 48 Stunden im Risikogebiet aufgehalten haben. Der Aufenthalt darf aber nicht einer Festivität, einer Kultur-, Sport- oder Freizeitveranstaltung gegolten haben. Das schützt etwa Berufspendler zwischen Bayern und Tirol, doch schwammig bleibt diese Erklärung für die Tagesausflügler in die Berge. 

Für die Tourismus-Branche in Tirol ist die Einstufung als Risikogebiet ein „harter Schlag“

Die in Österreich als „Reisewarnung“ bezeichnete Einstufung nannte der Tiroler Präsident der Wirtschaftskammer Christoph Walser „eine Katastrophe“; Tourismusexperten sprechen von einem „harten Schlag“.

Dabei sind es reine Zahlen, die das Institut handeln ließen. Das RKI bewertet nach dem Sieben-Tage-Inzidenzwert*. Der Bezirk Kufstein hatte in der vergangenen Woche zwar nur 44 Infizierte auf 100 000 Einwohner, der Bezirk Kitzbühel 34. In Scharnitz, eine Gemeinde, die an den Kreis Garmisch-Partenkirchen angrenzt*, gibt es derzeit gar null Fälle. Doch im Bezirk Innsbruck-Stadt liegt der Wert bei 149. Die Stadt wird nun als „Hotspot“ bezeichnet. Um die Infizierungen einzudämmen, gibt es jetzt um 22 Uhr eine Sperrstunde in der Gastronomie.

Hajo Gruber, Bürgermeister in Kiefersfelden (UW), sprach gestern auch über eine Verunsicherung in seinem Ort. „Und dürfen die Tiroler noch zu uns, zum Einkaufen etwa?“, fragt er. Und antwortet gleich darauf: „Man weiß nichts Genaues.“ *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Die aktuelle Corona-Lage in Bayern können Sie in unserem News-Ticker nachlesen. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa/dpa-Bildfunk

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