Erfolgsserie in der ARD

„Charité“-Serie geht weiter: Klinik fasziniert Millionen Zuschauer

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Historische Heilmethoden mit ­modernster Kameratechnik ­gefilmt – die TV-Serie „Charité“ liefert großartige Bilder und ­eine ­packende Geschichte.

München - Es lohnt sich bei „Charité“ einzuschalten, denn Regisseur Sönke Wortmann gelingt das vielleicht Beste, was es in letzter Zeit an deutschem Serienfernsehen gab.

Kein fließendes Wasser, kein elektrisches Licht. Der Krankenhausalltag in der Berliner Charité ist Ende des 19. Jahrhunderts hart. Dennoch schreiben zu dieser Zeit Männer wie Robert Koch, Rudolf Virchow, Emil von Behring und Paul Ehrlich dort Medizingeschichte. Und die hat eine ungewöhnliche Strahlkraft, wie die sechsteilige ARD-Reihe Charité beweist. Mehr als acht Millionen Zuschauer schalteten vergangenen Dienstag ein, um den Auftakt der historischen Klinik­serie zu verfolgen. Ein fulminanter Start. Heute geht die Geschichte weiter.

Es lohnt sich einzuschalten, denn Regisseur Sönke Wortmann (Der bewegte Mann) gelingt das vielleicht Beste, was es in letzter Zeit an deutschem Serienfernsehen gab. Seine Minireihe kann sich durchaus mit der Qualität der ausgezeichneten DDR-Serie Weissensee messen. Fein gezeichnete Charaktere, kluge Dialoge und eine Bildsprache, die den Zuschauer spielend ins Dreikaiserjahr 1888 holt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 17-jährige Ida Lenze (Alicia von Rittberg), die mit akuter Blinddarmentzündung in die Charité kommt. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt. Während Oberin Martha kalte Leibwickel empfiehlt und Ida der Gnade Gottes überlassen will, entscheiden die Ärzte, das Mädchen vor den Augen der Studenten nach einer neuen Methode zu operieren. Die mittellose Ida überlebt, und muss ihre Schulden in der Klinik abarbeiten. In ihr wächst der Traum, selbst Medizinerin zu werden, obwohl ein Studium im Deutschen Reich für Frauen verboten ist.

Das ganze Elend, die Liebe, die Leidenschaft, all die menschlichen Dramen verknüpft Sönke Wortmann elegant zu einer ebenso glaubwürdigen wie faszinierenden Geschichte. Kitschig oder aufgesetzt wirkt hier wirklich nichts. Dafür stimmen Kostüm, Kulisse und Ausstattung bis ins kleinste Detail. Gedreht wurde übrigens in Prag und Umgebung, wo die Spezialisten für solche Historienstoffe sitzen.

In der ARD ist man mit der Umsetzung des hochspannenden Stoffes sehr zufrieden. Schon jetzt haben die Verantwortlichen verkündet, dass es eine zweite Staffel von Charité geben wird. „An den Drehbüchern wird bereits gearbeitet“, so Programmdirektor Volker Herres. Und auch über den Inhalt kann er schon etwas verraten: „Die Fortsetzung wird in der Zeit des Nationalsozialismus spielen. Es wird also auch um die Aufarbeitung der Medizinverbrechen der Nazis gehen.“

tz-Stichwort: Charité

Charité Im Jahr 1710 wurde die Charité (übersetzt: Barmherzigkeit) als Schutzhaus für Pestkranke vor den Toren Berlins gegründet. Lange diente sie als Armenkrankenhaus und Ausbildungsstätte für Militärärzte. Heute ist die Charité Deutschlands größtes Universitätsklinikum mit einem Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro. Die Klinik gehört zu 100 Prozent dem Land Berlin und ist dort mit rund 13 200 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber. Mit knapp 7000 Studierenden hat sie sich dank medizinischer Spitzenforschung europaweit einen Namen gemacht.

aki/dpa

„Charité“, Folge 2 und Folge 3, Dienstag , 20.15 Uhr, ARD

Quelle: tz

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