Er verzichtete auf ein Markenzeichen

Seinen größten Hit kennt jeder! Musiker hatte am Sonntag Gastrolle im Tatort - „Hab ich richtig gesehen?“

Heinz Rudolf Kunze im Tatort beim Besuch der Kommissare.
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Heinz Rudolf Kunze im Tatort beim Besuch der Kommissare.

Ist er es wirklich? Er ist es! Ein Musik-Star aus Deutschland, dessen größten Hit jeden kennt, hatte eine Gastrolle im ARD-„Tatort“. Er verzichtete auf ein Markenzeichen.

  • Der ARD-„Tatort“ aus Stuttgart hielt einen Gaststar bereit.
  • Heinz Rudolf Kunze dachte schon, dass ihn einige erst mal nicht erkennen könnten.
  • Das bewahrheitete sich bei Twitter.

Stuttgart - Der „Tatort“ vom Sonntag (17.1.) spielte in Stuttgart - und nicht nur die Story selbst bot Gesprächsstoff. Sondern auch ein Gaststar. Heinz Rudolf Kunze, dessen Schlager-Popsong „Dein ist mein ganzes Herz“ sicherlich noch jedem ein Begriff ist, übernahm eine Nebenrolle.

ARD-„Tatort“ aus Stuttgart: Heinz Rudolf Kunze als Gaststar dabei

Einigen Fans bei Twitter gefiel die Kombination. „Jaaa Heinz Rudolf Kunze“, schrieb einer mit Herz. „Mehr Komödie als Tatort. Lauter skurrile Typen, Dialoge für die Ewigkeit und Heinz Rudolf Kunze. Also, ich habe mich prächtig amüsiert. Note 1“, meinte ein weiterer. „Mensch, Heinz-Rudolf Kunze im Tatort! Der archetypische Diskurspopper in der ultimativen Diskurshölle ... Chapeau!“, hieß es ebenso.

ARD-„Tatort“ aus Stuttgart: Viele erkannten Heinz Rudolf Kunze erst nicht

Viele Zuschauer hatten im Vorfeld nicht mitbekommen, dass Heinz Rudolf Kunze dabei ist. „Und ich sach noch zum Kerl: Der Typ sieht aus wie ein in die Breite gegangener, gealterter Heinz Rudolf Kunze“, schreibt eine TV-Guckerin. „Wenn du denkst, schräger geht‘s nimmer, macht Heinz Rudolf Kunze die Tür auf“ und „Ach so. Hab ich eigentlich richtig gesehen? Das ist Heinz Rudolf Kunze, oder?“, hieß es ebenfalls. Und: „War das da gerade Heinz Rudolf Kunze im Tatort?“ Er war es.

ARD-„Tatort“ aus Stuttgart: Heinz Rudolf Kunze verzichtete auf Markenzeichen

Heinz Rudolf Kunze dachte schon, dass ihn viele nicht erkennen könnten. „Als Regisseur Dietrich Brüggemann für den ,Tatort‘ anfragte, war ich sofort dabei. Aber vielleicht erkennen mich viele nicht, weil ich im Film keine Brille trage“, hatte er vorab der Bild am Sonntag gesagt. Obwohl es nicht seine erste TV-Rolle war, stellte sie ihn vor Herausforderungen: „Ich kann mir doch keine Texte merken, selbst von meinen eigenen Liedern nicht. Deswegen habe ich bei Konzerten immer einen Teleprompter auf der Bühne stehen. Für den ,Tatort‘ habe ich eine Woche gebüffelt. Meine Frau hat mich immer abgefragt.“

ARD-„Tatort“ aus Stuttgart: Das war der Fall

Und der Fall selbst? Fiese Drogenhändler und ruchlose Killer haben die Stuttgarter „Tatort“-Kommissare bereits hinter Gitter gebracht. Sie haben Sprengstoffattentate überlebt und sind einem Scharfschützen auf die Schliche gekommen, der scheinbar wahllos Passanten erschoss. Aber ein Stuhlkreis? Integrative Körpertherapie? Und Räucherstäbchen?

Das bringt auch die beiden erfolgsverwöhnten Ermittler im neuen Tatort „Das ist unser Haus“ an den Rand der Geduld und bisweilen auch ein Stück darüber hinaus. Manchem Krimifan könnte es ähnlich gehen, während er dem Duo Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) dabei zuschaut, wie es seinen 27. Fall in einer alternativen Baugemeinschaft am Stadtrand aufklärt.

Worum geht's? Die Wohngruppe „Oase“ hat eine Leiche im Keller. Genauer gesagt ist die Leiche eher „am Keller“, wie einer der Bewohner beim Anblick der Knochenteile im aufgebaggerten Fundament des Neubaus korrigiert. Eine Frau, Genickbruch, rötliches Haar. Spärlich sind die Informationen, mit denen die Hauptkommissare auf die Suche gehen. Klar scheint für die beiden von Beginn an, dass die Baugemeinschaft nicht ganz so unschuldig ist, wie sie daherkommt in ihrer redseligen Mischung aus Idealismus und Emo-Geschwafel.

Heinz Rudolf Kunze im Tatort.

Die positiven Schwingungen innerhalb der politisch korrekt zusammengewürfelten Gemeinschaft bringen Leichenfund und Spurensuche zumindest ordentlich durcheinander. Denn nicht nur „die Kerstin“ und „der Udo“, sondern alle vermuten den Mörder in den eigenen Reihen. „Die Leiche belastet die Aura des Hauses“, wird da zwischen Tee und Therapie betont. „Ich spüre ihre Präsenz immer noch.“ Das Problem von Ökomaterial, Schimmel und mangelhafter Bauabdichtung? Alle vom Tisch, denn die „Oase“ hat nun ein drängenderes Problem. Und immer klarer scheint, dass die Tote im Fundament einst ein Teil der „Oase“ gewesen ist.

Von der Sozialromantik, die die neun Erwachsenen und drei Kinder in der Gruppe einst beim Umzug an den Stadtrand zusammengeschweißt hat, ist plötzlich nichts mehr zu spüren. Mit dem Zerfall von Vertrauen und Zuneigung werden Stück für Stück auch die Leichen offengelegt, die die „Oase“-Teilhaber in ihren privaten Seelenkellern haben.

ARD-„Tatort“ aus Stuttgart: Fall etwas überladen

Viel, ein bisschen zu viel packen Regisseur Dietrich Brüggemann und Coautor Daniel Bickermann in ihre Realsatire, die bisweilen den Charakter eines Kammerspiels besitzt. Da geht es um soziale Vereinsamung, um Mietwucher und knappen Wohnraum, um alternative Eigentümermodelle und auch um die Frage, wie es den Menschen geht, die von einem Moment auf den anderen verlassen werden.

Ist es wirklich immer ein Nachteil, wenn ein einst geliebter Partner plötzlich verschwindet, als sei er vom Erdboden verschluckt worden? Wird der Mensch überhaupt vermisst, wenn er geht? Und wie gehen die Hinterbliebenen mit der Lücke um? Immer dann, wenn Lannert und Bootz die „Oase“ verlassen, besitzt „Das ist unser Haus“ seine stärksten Szenen.

Mit Einzelschicksalen kennen sich Bickermann und Brüggemann aus. Sie haben ihr Händchen dafür bereits in der preisgekrönten Stuttgarter Episode „Stau“ (2017) unter Beweis gestellt. Auch dort brechen die beiden ein Gesellschaftsproblem herunter und stellen austarierte Einzelschicksale vor. Sozialstudien im Mikrokosmos Verkehrsstau ebenso wie in der Baugemeinschaft.

Gedreht wurde vor allem im Karlsruher Stadtteil Daxlanden. Liedermacher Heinz Rudolf Kunze („Dein ist mein ganzes Herz“) gibt sich in einer Nebenrolle als mordverdächtiger Ex-Bewerber die Ehre. Auch das Stuttgarter Comedy-Trio „Eure Mütter“ ist nach „Stau“ ein weiteres Mal mit einem kurzen Gastspiel dabei.

So wartet der neue „Tatort“ mit einer Prise Lokalpatriotismus auf, mit Wortwitz, mächtig viel schwäbischem Akzent und mit einer Milieustudie, die die einen sicher als charmant oder liebevoll bezeichnen. Andere könnten sie als schonungslos und auch überzeichnet beschreiben. Spannung ist bei dieser Episode dagegen selbst bei der finalen Verfolgungsjagd auf dem Fahrrad nicht zu Hause. Heinz Rudolf Kunze hatte vor einigen Monaten klare Worte in Sachen Helene Fischer gefunden. (lin/dpa)

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