Aschermittwochsgespräch mit Landrat Weirather

Wirtschaftsjunioren: „Opfer des eigenen Erfolgs geworden“

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Die Wirtschaftsjunioren im Gespräch mit dem Landrat (von links): Lukas Neun, Sprecher des Arbeitskreises Standortentwicklung, Hans-Joachim Weirather und Thomas Wiggenhauser, Vorsitzender und Sprecher der Wirtschaftsjunioren.

Fellheim - Die Wirtschaftsjunioren Memmingen/Unterallgäu trafen sich zu ihrem traditionellen Aschermittwochsgespräch im Gasthaus „Adler“ in Fellheim mit Unterallgäus Landrat Hans-Joachim Weirather. Auf der Tagesordnung standen Fragen zu bezahlbarem Wohnraum, Migration und Flüchtlinge, Klinikverbund sowie Digitalisierung und einige weitere Themen.

Abwechselnd im Zweijahresrhythmus treffen sich die Wirtschaftsjunioren mit Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder beziehungsweise dem Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather, zu ihrem traditionellen Aschermittwochsgespräch um sich über aktuelle Themen zur Stadt- und Landkreisentwicklung zu informieren. Moderiert vom stellvertretenden Arbeitskreisleiter Lukas Neun, wurde heuer zunächst ein Sachstandsbericht zum Thema bezahlbarer Wohnraum eingefordert. „Es ist derzeit für jeden Bürgermeister der 52 Unterallgäuer Gemeinden eine große Herausforderung, sich täglich um Bauland zu bemühen“, erklärte Landrat Weirather. Die Prognosen zum Wohnungsbedarf vor zehn oder fünfzehn Jahren hätten sich leider nicht bewahrheitet. Damals ging man von einer stagnierenden Einwohnerzahl des Landkreises aus.

Aufgrund einer prosperierenden Wirtschaftsentwicklung seien aktuell jedoch hohe Zuzüge ins Unterallgäu zu verzeichnen, was zu einer erhöhten Wohnungsnachfrage führe. „Wir sind zum Opfer unseres eigenen Erfolgs geworden, denn das Wohnungsangebot kann hier nicht Schritt halten“, so Weirather. Man könne den Bedarf langfristig aber decken, wenn beispielsweise innerörtliche Leerstände oder ehemalige Hofstellen in attraktiven Wohnbau umgewidmet würden. Doch es erweise sich immer wieder als schwierig, ältere Hauseigentümer davon zu überzeugen ihre Immobilie zu verkaufen oder, trotz angebotener Fördermittel, umzuwidmen.

Beim Thema „Migration und Flüchtlinge“ sprach Weirather von rund 770 Personen die untergebracht werden müssten. Die Situation sei insgesamt beherrschbar. Kritisiert wurde von den Wirtschaftsjunioren, dass nach wie vor junge Flüchtlinge wieder in ihre Heimatländer abgeschoben würden, die erfolgreich eine Ausbildung durchlaufen hätten. Firmen bräuchten Planungssicherheit und müssten wissen wie es weitergehe, so die Forderung der Wirtschaftsjunioren. Weirather sprach von insgesamt 84 Personen, die derzeit in einem IHK-Betrieb eine Ausbildung absolvierten. Er wies zudem auf die gültige 3 + 2 Regelung hin, nach der ausgebildete Flüchtlinge noch zwei Jahre nach Ausbildungsende nicht abgeschoben werden könnten.

Breiten Raum nahm das Thema Gesundheitswesen beziehungsweise der Sachstand zur Klinikenfusion ein. „Die beste Lösung wäre ein Verbund“, so der Landrat. „Aber wir kamen mi Memmingen nicht vorwärts. Irgendwann ist die Sache in Frustration umgeschlagen. Jetzt verhandeln wir mit dem Oberallgäu über einen Klinikverbund, dabei sind die Türen für Memmingen aber weiterhin offen. Doch wir wollten nicht mehr jahrelang warten, bis sich Memmingen bewegt,“ so der Landrat. Zuerst müsse die Stadt jetzt ihre Hausaufgaben erledigen.

Von einer extrem positiven Entwicklung sprach Weirather beim Thema Allgäu-Airport. Für den Flughafen habe der Bürgerentscheid positiv gewirkt, die Aufteilung in drei eigenständige Firmen bringe große Vorteile. Auch der Gewerbepark Allgäu GmbH laufe außerordentlich gut an. Positives konnte Landrat Weirather auch bei der Digitalisierung vermelden. 64 Prozent der Haushalte im Landkreis hätten mittlerweile eine Abdeckung mit schnellem Internet von 50 MB. Zudem seien alle 52 Unterallgäuer Gemeinden im Förderprogramm. Auch bei der Digitalisierung der Schulen gehe es jetzt zügig voran. Das benötigte W-LAN werde direkt in die Schulhäuser verlegt. Wichtig sei hier aber nicht nur die Ausstattung der Schulen mit Hard- und Software, sondern im Vordergrund stehe die Personalausstattung mit IT-Fachleuten, die die anfallenden Servicearbeiten übernehmen könnten. (jw)

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