„Der erste Zug auf der Seidenstraße ist in Deutschland bereits angekommen“

„Der Griff nach Westen“: Asien-Experte Thomas Rechart spricht über neue chinesische Seidenstraße

Thomas Reichart (Asien-Fachmann und Auslandskorrespondent sowie ehemaliger Leiter des ZDF-Studios in Peking) sprach zum Thema „Neue Chinesische Seidenstraße“.
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Thomas Reichart (Asien-Fachmann und Auslandskorrespondent sowie ehemaliger Leiter des ZDF-Studios in Peking) sprach zum Thema „Neue Chinesische Seidenstraße“.

Memmingen – Den rasanten Aufstieg Chinas zur führenden Weltmacht und weltgrößten Handelsnation kann man Tag für Tag persönlich miterleben. Das bevölkerungsreichste Land der Erde nimmt derzeit den zweiten Platz der weltweit führenden Wirtschaftsmächte ein und ist gleichzeitig Exportweltmeister. An schiere Gigantonomie grenzt dabei der Bau der neuen chinesischen Seidenstraße. Über dieses Projekt berichtete kürzlich der Asien-Fachmann Thomas Reichart beim Sparkassen-Forum in der Stadthalle.

„China stellt unsere Welt auf den Kopf und die Welt hat allen Grund, sich vor China zu fürchten“, begrüßte Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Thomas Munding die zahlreichen Besucher. „China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner, schon deshalb ist es wichtig, etwas näher auf dieses Projekt einzugehen.“

Die neue Seidenstraße sei bereits Realität, erklärte der erfahrene Allgäuer Chinakorrespondent Thomas Reichart. Sie umfasse 65 Länder und fast zwei Drittel der Weltbevölkerung. Endpunkt sei Duisburg in Deutschland. Die Kosten seien gigantisch und betrügen weit über eine Billion Dollar. Mit diesem größten Infrastrukturprogramm in der Geschichte dehne China seinen Einfluss weltweit aus. China trete immer stärker jenseits der eigenen Grenzen auf und versuche seine eigenen Standards durchzusetzen. China sei schon lange nicht mehr die verlängerte Werkbank der westlichen Industrienationen, sondern entwickle sich zunehmend zu einem führenden Hightech-Land.

„Der erste Zug auf der Seidenstraße ist in Deutschland bereits angekommen“, so der Auslandskorrespondent und ehemalige Leiter des ZDF-Studios in Peking. Mit der Ausdehnung wolle China seine Weltmachtstellung festigen. Versprochen würden Arbeit und Wohlstand für die Menschen entlang der neuen Seidenstraße. Dabei erfordere dieses Projekt einen hohen Einsatz an an Mensch und Material. Nichtsdestotrotz seien die Arbeitsbedingungen, verglichen mit den Standards in Europa, unterentwickelt. Kein Acht-Stunden-Tag, sondern 14 bis 16 Stunden seien normaler Alltag, erklärte Reichart. Und dies über einen langen Zeitraum. „Ein Arbeiter sieht bei diesem Einsatz seine Familie vielleicht nur einmal im Jahr.“

Und in China treffe die letzte Entscheidung immer die Partei, denn China sei eine Diktatur. Menschenrechtsfragen würden in China keine große Rolle spielen, auch, weil der Westen diese Themen nach wie vor mit uneinheitlicher Stimme anspreche, gab der Referent zu bedenken.

Der Bau der chinesischen Seidenstraße, die insgesamt durch 65 Länder führt, umfasse nicht nur Straßen, sondern auch Eisenbahnlinien und Flughäfen. Anfallende Investitionskosten in den einbezogenen, überwiegend finanzschwachen, Ländern schieße der chinesische Staat als Kredite vor, informierte Reichart seine Zuhörer. Gut zwei Dutzend Länder seien bereits heute in einer Schuldenfalle gefangen. Dadurch entstünden gefährliche Abhängigkeiten über viele Jahre von der Chinesischen Vorherrschaft.

Doch für China sei es wichtig, Märkte bis in die Mitte Europas zu bedienen. Letztlich gehe es aber nicht darum, ob uns China interessiere, sondern darum, den Welthandel zu beleben, betonte er. Dies müsse sich aber auch in fairen Handelsbedingungen niederschlagen. Gleiche Marktzugänge für westliche und chinesische Firmen seien für einen fairen Handel wichtige Voraussetzungen. Hier müsse mit China hart gerungen werden, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Für die ebenfalls mächtige Exportnation Deutschland seien faire Bedingungen Grundvoraussetzung für einen weiterhin florierenden Warenhandel auf beiden Seiten. (jw)

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