Mehr Stellen als Bewerber

Ausbildung: Situation ist auch in Memmingen und dem Unterallgäu angespannt

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Die gemeinsame Bilanz zum Ausbildungsmarkt erläuterten (von links) Anja Heusel (Fachberaterin Ausbildung IHK Schwaben), Anette Göllner (Leiterin Hauptabteilung Berufsausbildung HwK Schwaben), Andreas Binder (Geschäftsbereichsleiter Tiefbau Firma Kutter) und Maria Amtmann (Leiterin Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen).

Memmingen - In den Räumen der Bauunternehmung Kutter GmbH & Co. KG hat die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen gemeinsam mit Vertretern der IHK und der HwK Bilanz zum Ausbildungsmarkt gezogen. Über eigene Ausbildungsaktivitäten aus der Praxis informierte der Geschäftsbereichsleiter der Firma Kutter, Andreas Binder.

Nach Informationen der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen öffnet sich die Schere auf dem Ausbildungsmarkt weiter. Das Angebot an Ausbildungsstellen nahm auch in diesem Jahr nochmals zu, wie Maria Amtmann, die Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, anhand vorliegender Zahlen betonte. 6.232 Ausbildungsstellen standen 4.160 Bewerbern zur Verfügung. Ein Trend, der sich schon seit einiger Zeit fortsetzt. Junge Menschen haben damit ausgezeichnete Chancen beim Einstieg ins Erwerbsleben, denn ihnen stehen viele Ausbildungsmöglichkeiten offen. Betriebe, die sich bei der Gewinnung von Nachwuchskräften schwerer tun, werden von uns unterstützt, sagt Amtmann. Mehr als 80 Prozent der Interessenten um einen Ausbildungsplatz seien unter 20 Jahre, knapp vier Prozent 25 Jahre und älter. 70 Prozent der Bewerber hätten in diesem Jahr die Schule verlassen, 30 Prozent bereits in den Vorjahren. Sowohl der Rückgang der jugendlichen Ausbildungsbewerber wie auch der Zuwachs bei den betrieblichen Ausbildungsstellen setzten sich in den meisten Wirtschaftsräumen fort.

Während der Wirtschaftsraum Memmingen hier noch einen Zuwachs von 24 Bewerbern aufweise, zeige der Wirtschaftsraum Mindelheim ein Minus von 39 Bewerbern. Der begehrteste Berufszweig unter den ersten zehn ist der Beruf Industriemechaniker*in, während der Hotelfachmann/-frau auf dem zehnten Platz landet. Umgekehrt verhält es sich bei den Ausbildungsstellen. Hier gibt es die meisten Ausbildungsstellen im Einzelhandel als Kaufmann/-frau. An zehnter Stelle steht hier der Zerspanungsmechaniker/*in.

Zum Bilanzstichtag suchten 74 junge Menschen weiter oder wieder einen Ausbildungsplatz, der ihren Vorstellungen entsprach, obwohl noch 900 offene Lehrstellen zur sofortigen Besetzung zur Verfügung standen. Auch 17 Flüchtlinge suchten zum Bilanzstichtag weiter nach einem geeigneten Ausbildungsplatz. Die Agentur für Arbeit hilft jungen Menschen, die derzeit noch nicht ausbildungsreif sind. Die Arbeitsagentur fördert derzeit 133 Jugendliche in berufsvorbereitenden Maßnahmen. Zu Beginn dieses Schuljahres hat die Agentur die Berufsberatung erheblich ausgeweitet. Zukünftig gibt es die Berufsberatung vorrangig an den Schulen selbst. Die Berufsberater helfen bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf oder des richtigen Studienfachs weiter und informieren über mögliche berufliche Alternativen.

Die bayerisch-schwäbische Wirtschaft setze weiterhin auf die duale Ausbildung, sagte IHK Fachberaterin Anja Heusel. 9.327 Ausbildungsverträge wurden in diesem Jahr neu geschlossen. Die Zahlen seien weiterhin auf einem hohen Niveau, das Allgäu bleibe eine Ausbildungsregion. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe bewegt sich dabei auf Vorjahres-Niveau. Die Digitalisierung verändere zwar zunehmend die Berufswelt, doch nach wie vor stehe der Verkäufer an der Spitze der Top-Ten-Berufe in Bayerisch-Schwaben. Großen Zulauf hätten Berufe im Logistik-Bereich, unter Nachwuchsproblemen leide dagegen das Hotel- und Gaststättengewerbe. Deutliche Zuwachsraten gebe es überdies beim Dualen Studium. Eine optimale Berufsorientierung sei eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft, um dem Fachkräftemangel in der Region zu begegnen. Wobei sich laut Fachberaterin Heuse bei Jugendlichen die Wahl des Ausbildungsberufs häufig an Fortbildungsmöglichkeiten und Arbeitsmarktperspektiven orientiert.

Aufgrund der guten Konjunktur und des extremen Fachkräftemangels setzen auch die Handwerksbetriebe immer stärker auf Ausbildung, sagte ergänzend die Leiterín Berufsausbildung der HwK Schwaben, Anette Göllner. Während die Aufträge boomen sind besonders im gewerblich-technischen Bereich gute und passende Bewerber schwer zu finden. Die Vertragszahlen der Arbeitsagentur Kempten-Memmingen im Agenturbezirk Schwaben weisen hier ein Minus von 3,54 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf. (jw)

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