Exemplarisch für großartige Frauen

Ausstellung der Frauengeschichtswerkstatt in Memmingen

Josef Madlener malte einst ein Bild seiner Tochter Julie mit ihrem Teddy. Genau dieser Teddybär hängt neben dem Bild.
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Josef Madlener malte einst ein Bild seiner Tochter Julie mit ihrem Teddy. Genau dieser Teddybär hängt neben dem Bild.

Memmingen – Dem „starken Geschlecht“ ist die neueste Ausstellung im Hermansbau gewidmet. Die Frauengeschichtswerkstatt unter der Leitung von Museumsleiterin Ute Perlitz trug für diese Ausstellung über drei Etagen Stücke von herausragenden Memmingerinnen zusammen und präsentiert jetzt 63 Frauengeschichten die „exemplarisch für viele weitere großartige Frauen und ihre Geschichten stehen“.

Die Ausstellung wurde zur besseren Übersicht in verschiedene Themengruppen aufgeteilt. Es finden sich Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Migrantinnen, Autorinnen, Modemacherinnen, Jüdinnen und Frauen, die es aus „eigener Kraft“ geschafft haben.

Memmingens Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh bemerkte in ihrer Ansprache, dass in der Geschichtsschreibung vor allem die Männer erwähnt werden, die Großes erreichten. Aber eigentlich sind laut der amerikanischen Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe, „Frauen die wahren Architektinnen der Gesellschaft“, so Böckh. Es sei notwendig, endlich auch die einzigartigen Frauen, die in Memmingen gelebt und gewirkt haben, in den Fokus zu rücken.

Die Bürgermeisterin lobte die aufwändige Arbeit der Frauengeschichtswerkstatt, deren Mitglieder in Archiven gewühlt, Dokumente gesichtet, mit Zeitzeuginnen gesprochen und dann die Geschichten in Biografien verpackt haben. Alle diese porträtierten Memminger Frauen seien mutig gewesen und entschlossen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Diese Ausstellung solle auch jungen Menschen Mut machen, ihren Weg zu gehen und für das, was ihnen wichtig ist, zu kämpfen, so Böckh. Die Bürgermeisterin drückte auch die Hoffnung aus, dass auf der Ehrenbürgertafel im Rathaus, an der sie jeden Tag vorbeigehe, endlich auch einmal der Name einer Memminger Frau steht.

Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Annegret Braun hielt den Hauptvortrag des Abends mit dem Thema „Der Wandel der Frauenrolle in der Zeit“. In der Geschichtsforschung habe man die Frauen immer vergessen – und das geschehe auch heute noch, begann die Kulturwissenschaftlerin ihre Ausführungen. Die Rolle der Frau habe sich in den vergangenen 100 Jahren gravierend verändert. Der Mann hatte in der Familie als Ernährer das sagen und Frauen waren juristisch den Kindern gleichgestellt.

Braun zeigte auf, wie die Rolle der Frau früher ausgesehen hatte. Sie hatte zu arbeiten und sich um den Nachwuchs zu sorgen. Erst um 1900 herum wurden Frauen beispielsweise zu Universitätsstudien zugelassen, allerdings nur mit Zustimmung des Unterrichtsministers. Außerdem wurden sie im Hörsaal durch einen Vorhang von den männlichen Kommilitonen getrennt. Es herrschte auch die Meinung vor, Frauen seien weniger intelligent und hätten ein kleineres Gehirn, erzählte die Kulturwissenschaftlerin. Weiter ist es gerade einmal 100 Jahre her, dass Frauen wählen dürfen und die Gleichberechtigung wurde gar erst 1949 im Grundgesetz verankert. Durchgesetzt habe sie sich aber bis heute noch nicht. Das „Phänomen der Hausfrau“ entstand laut Braun in den 50er und 60er Jahren; vorher mussten die Frauen hart arbeiten. Durch das Wirtschaftswunder konnten sich Familien nun aber leisten, dass ie Frau Zuahuse blieb. Manch ein Mann sagte damals stolz: „Meine Frau muss nicht arbeiten.“ Weiter sei die Frau bis 1973 verpflichtet gewesen, den Haushalt zu machen. Bis dahin hätte der Mann einer Frau, die Arbeiten ging, jederzeit deren Stelle kündigen können, wenn er fand, dass seine Frau den Haushalt vernachlässigte.

Heutzutage müssten Frauen laut Braun wieder mehr arbeiten, aber die Chancen sind ihrer Meinung nach nicht gleich verteilt. So bedeute es für eine Frau heute einen Karriereknick, ein Kind zu bekommen. Sie müsse so schnell wie möglich an ihre Arbeitsstelle zurückkehren, um sie nicht zu verlieren. Von Gleichberechtigung also keine Spur.

Das A-Cappella-Quartett „LaBoom“ untermalte die Ausstellungseröffnung musikalisch mit interessant arrangierten Songs. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. November im Stadtmuseum zu sehen. Der Eintritt ist, wie in allen Memminger Museen, frei. (ew)

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