Wanderausstellung im Klostermuseum

Der Mord an einem Kind: Ausstellung "Geliebte Gabi" noch bis Sonntag in Ottobeuren

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Unzählige Fotos haben Gabis Mutter Lotte und Anna, die älteste Tochter ihrer Pflegeeltern, über die Jahre von dem kleinen Mädchen gemacht. Sie bilden nun das Herzstück der Ausstellung.

Ottobeuren – Nur noch bis Sonntag, 24. Mai, zeigt das Klostermuseum in Ottobeuren die Wanderausstellung „Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz“. Sie erzählt eindringlich die Geschichte eines kleinen Kindes, das von den Nationalsozialisten getötet wurde.

Gabriele Schwarz kommt am 24. Mai 1937 in Marktoberdorf auf die Welt. Ihre Mutter ist Charlotte Eckart, eine Jüdin aus Augsburg; den Namen des Vaters gibt sie nicht preis. Charlotte, von allen „Lotte“ genannt, tritt zum katholischen Glauben über. Auch die kleine Gabi wird gleich nach ihrer Geburt getauft. Den Nationalsozialisten in ihrem Rassenwahn gilt sie dennoch als „Volljüdin“. Als Gabi drei Wochen alt ist, bringt Lotte das Mädchen nach Stiefenhofen auf den Hof der Familie Aichele. Dort, fernab der Stadt, wähnt sie ihre Tochter in Sicherheit – zumindest vorerst. Lotte will mit ihrer Tochter Deutschland verlassen.

Unter der Obhut von Josef und Therese Aichele erlebt Gabi eine glückliche Kindheit. Bei ihrem ersten Besuch bringt Mutter Lotte einen Fotoapparat mit. Anna, die älteste Tochter der Aicheles, entdeckt bald ihre Leidenschaft für das Fotografieren und so entstehen unzählige Aufnahmen, die das Aufwachsen der kleinen Gabi dokumentieren. Diese Fotos bilden das Herzstück der Ausstellung und zeigen ein fröhliches kleines Mädchen: im Laufstall, beim Spielen mit dem Hofhund, beim Füttern der Hühner, bei der Ostereiersuche, beim Schlittenfahren, zusammen mit Spielkameraden, mit ihren Pflegefamilie und mit ihrer Mutter. Es sind idyllische Bilder einer sorglosen Kindheit, die umso emotionaler wirken, wenn man um Gabis Schicksal weiß.

Lottes Bemühungen, mit ihrer Tochter aus Deutschland zu fliehen, sind vergeblich. Gabis Mutter wird ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gebracht und 1942 in der NS-Tötungsanstalt Bernburg ermordet. Im Februar 1943 muss Gabi auf Befehl der Gestapo ihre Heimat verlassen – aber ihre Pflegefamilie will sie nicht so leicht aufgeben. Josef Aichele und Oberlehrer Johann Pletzger fahren in das Lager Berg am Laim, wohin das kleine Mädchen gebracht wurde, und setzen sich für dessen Rückkehr ein. Aber es hilft nichts. Gabi – ein fünf Jahre altes Kind – wird nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die Fotos, Exponate und wissenschaftliche Grundlage der Ausstellung lieferte der Historiker, Autor und Filmemacher Leo Hiemer, der sich seit 30 Jahren mit dem Schicksal der kleinen Gabi beschäftigt. In der Ausstellung steht ihre Geschichte stellvertretend für all die Kinder, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Kinder wie Gabi, die nie erwachsen werden durften, weil das Nazi-Regime ihnen das Recht auf das Leben abgesprochen hat. (am)

Weitere Termine:

  • 30. Mai bis 30. August 2020: Bauernhausmuseum Allgäu-Oberschwaben Wolfegg, Vogter Straße 4
  • 4. September bis 30. Oktober 2020: Historisches Museum, Obergünzburg, Unterer Markt 2
  • 23. November bis 11. Dezember 2020: Foyer des Landratsamtes Sonthofen, Oberallgäuer Platz 2
  • 14. Dezember 2020 bis 17. Januar 2021: Synagoge Fellheim, Memminger Straße 17
  • April bis September 2021: Stadtmuseum Memmingen im Hermannsbau, Zangmeisterstraße 8

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