Gibt Stadt Planungshoheit aus der Hand?

Bahnhofsareal: Bürgerinitiative nähert sich der ersten Etappe

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An dem vom Invenstor Ten Brinke vorgelegten Entwurf kritisiert die Bürgerinitiative auch, dass das Ensemble letztlich weniger ansprechend aussehen wird wie auf dieser Grafik.

Memmingen – Zumindest eines steht fest: So, wie es ist, kann das Memminger Bahnhofsareal nicht bleiben. Was aber genau mit ihm passieren soll, da gehen die Meinungen auseinander. Die Stadt und der Investor Ten Brinke möchten ihre Pläne möglichst zügig angehen; die Bürgerinitiative „Zukunft Bf/4“ hält davon nichts. Aber wie soll es denn jetzt weitergehen?

Schön oder ansprechend ist das Bahnhofsareal schon lange nicht mehr. Das sieht auch die Stadt Memmingen so und hat sich über einen Wettbewerb auf die Suche nach einem Investor gemacht. Gewonnen hat der Entwurf der niederländischen Ten Brinke Group. Die will – nachdem einige Vorschläge vonseiten der Stadt miteingearbeitet wurden – in dem rund 7.000 Quadratmeter großen Viertel Büros, Gastronomie, eine Tiefgarage, Geschäfte und zwischen 28 und 39 Wohnungen errichten. 

Die Bürgerinitiative „Zukunft Bf/4“ sieht diese Pläne jedoch kritisch. Die Stadt habe die Bürgerschaft nicht ausreichend informiert – auch in Bezug auf über 500 Jahre alte Gebäude, die nun abgerissen würden. Die Initiative stößt sich außerdem daran, dass die Stadt mit dem Bahnhofsareal ein Gebiet mit möglichem weiteren Wertanstieg aus der Hand und somit ihre Planungshoheit aufgebe. Und auch aus sozialpolitischer Sicht sei der Entwurf von Ten Brinke nicht ausreichend: 39 Wohnungen seien zu wenig, um die vom Stadtrat ausgeschriebenen Ziele „Belebung des Quartiers“ und „Stärkung der Wohnfunktion in der Innenstadt“ umzusetzen. 

Zuspruch bei Bürgern

Bei den Memmingern finden diese Punkte durchaus Zuspruch: Laut Rolf Diefenthaler von „Zukunft Bf/4“ hat die Bürgerinitiative mittlerweile zwischen 2.000 und 2.200 Unterschriften gesammelt – benötigt werden mindestens 2.800. Das Interesse an den Informationsständen nehme außerdem zu, sodass die Organisatoren „gedämpft optimistisch“ sind. Angestrebt wird ein Bürgerentscheid zu der Frage: „Sind Sie dafür, das laufende Verfahren für die Neugestaltung des Memminger Bahnhofsareals nicht weiter zu verfolgen, um ein neues Verfahren mit Beteiligungsprozess für die Bürgerinnen und Bürger und unter Begleitung eines unabhängigen Fachgremiums zu ermöglichen?“ 

Die weiteren Pläne der Stadt beeinflusst dies aber zunächst nicht, wie Oberbürgermeister Manfred Schilder auf Nachfrage erklärt: „Wir ziehen das weiter durch.“ Zu den einzelnen Kritikpunkten möchte er sich persönlich zwar nicht äußern, sieht es aber als vollkommen legitim, wenn die Bürger sich in die Planung einmischen möchten, denn: „So geht der demokratische Prozess.“  (am)

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