Betäubungsmittel im großen Stil ins Ausland geschmuggelt

Drogenprozess: Verteidiger schmeißt hin

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Fünf Männer sollen im großen Stil Drogen quer durch Europa geschmuggelt haben.

Memmingen - Seit letzter Woche läuft vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Memmingen ein Prozess wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Den fünf Angeklagten wird vorgeworfen, Drogen vom europäischen Festland nach Großbritannien geschmuggelt zu haben.

Die Ermittlungen wurden europaweit geführt. Die Initiative ging von den rumänischen Behörden aus; außerdem waren Strafverfolger aus Spanien, Belgien, Großbritannien und den Niederlanden an den Ermittlungen beteiligt. Diese haben bei den Angeklagten insgesamt 54 Kilogramm Ketamin, 35 Kilogramm Kokain und 6,5 Kilogramm Marihuana sichergestellt. Die geschmuggelten Drogen sollen in der Regel auf Lkws zwischen der normalen Ladung versteckt worden sein. Zum Teil wurde die Ware aber wohl auch in Autobatterien deponiert. 

Das umfangreiche und aufwendige Verfahren, für das insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt wurden, könnte durch eine Absprache abgekürzt werden. Dafür haben sich am vergangenen Freitag alle Beteiligten zu einem Rechtsgespräch zurückgezogen. Mit den Vorschlägen der Kammer, was das mögliche Strafmaß – im Gegenzug für ein Geständnis – angeht, waren jedoch nicht alle zufrieden. 

Dies ging so weit, dass am Montag einer der fünf Verteidiger um Entpflichtung in diesem Fall bat. Er hatte bis dahin einen der beiden rumänischen Lkw-Fahrer vertreten, die für die Drogentransporte als Kurierfahrer angeheuert worden waren. Die Kammer hatte für den 32-Jährigen wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln eine Haftstrafe von fünfeinhalb bis sechs Jahren vorgeschlagen. Das ist seinem Verteidiger deutlich zu viel. Er habe seinem Mandanten schließlich geraten, ein umfassendes Geständnis abzuliefern und den Behörden für weitere Ermittlungen zur Verfügung zu stehen. All dies habe der 32-Jährige auch getan – im Gegensatz zu einem der Hauptangeklagten, einem 37-Jährigen aus der Nähe von Neu-Ulm, der die Transporte mitorganisiert und die Preise mitbestimmt haben soll. Er schweigt weiterhin. Die Kammer sieht für ihn neuneinhalb bis zehn Jahre Haft vor. 

Der Verteidiger des Lkw-Fahrers sieht hier kein Verhältnis zwischen den beiden Strafrahmen und sieht sich „beruflich, moralisch und intellektuell nicht in der Lage, den Mandanten zu verteidigen.“ Dementsprechend konnte der Prozess am dritten Verhandlungstag nicht mehr weitergeführt werden. Die Verteidigung des Lkw-Fahrers soll ab nächster Woche eine andere Anwältin übernehmen. 

Für einen 48-Jährigen aus der Region Neu-Ulm, der laut Anklage die Lkw-Fahrer rekrutiert und während ihrer Fahrten betreut haben soll, gab es von Seiten der Kammer noch keinen Vorschlag. Er ließ nämlich über seine Anwältin verlauten, dass die vom Staatsanwalt geforderten sechs bis sechseinhalb Jahre nicht akzeptabel seien. Er habe schließlich nur geholfen. Der Vorsitzende Richter Jürgen Hasler warnte den 48-Jährigen, dass er gerade dabei sei, seine gute Position zu verspielen: „Die Menge an Drogen, über die wir reden, lassen ganz erhebliche Strafen zu.“ 

Auch für einen 36 Jahre alten Deutschen gab es noch keinen Vorschlag, was das Strafmaß betrifft. Er soll die Autobatterien so umgebaut haben, dass in ihnen Betäubungsmittel versteckt werden konnten. Sein Verteidiger hat beantragt, das Verfahren gegen seinen Mandanten separat weiterzuführen. Dem zweiten Lkw-Fahrer, einem 41-jährigen Rumänen, wurden vonseiten der Kammer dreieinhalb bis vier Jahre Haft in Aussicht gestellt. Ein Urteil soll voraussichtlich am 31. Juli fallen. (am)

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