Behindertenbeirat berät über Verbesserungen

Bushaltestellen müssen barrierefrei werden

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Der Behindertenbeirat stellte sich an der Rathaustreppe zum Gruppenfoto auf.

Memmingen – Ein breites Band an Themen stand bei der Sitzung des Behindertenbeirates im Memminger Rathaus auf der Agenda. Neben barrierefreien Bushaltestellen sprach man auch über eine Umgestaltung der Webseite der Stadt.

Oberbürgermeister Manfred Schilder lobte zu Beginn den Einsatz des Behindertenbeirats, der eine rührige Arbeit leiste und auf die Belange behinderter Menschen aufmerksam mache. Dabei müsse man manchmal auch dicke Bretter bohren und dann dauere es auch oft ein wenig länger mit der Umsetzung. Der Wille der Stadt, ihren Beitrag zu leisten, sei aber sehr ausgeprägt, so der Rathauschef. Schilder nannte als Beispiel die Anschaffung neuer Bücher in leichter und einfacher Sprache in der Stadtbibliothek, möglich gemacht durch eine Spende des Rotary Clubs. Neun Mal hat sich der Behindertenbeirat im vergangenen Jahr getroffen, außerdem gab es eine Klausurtagung.

Anna Birk von der Fachstelle für Inklusion berichtete, dass barrierefreie Busse hier ein großes Thema gewesen seien. Weil diese Busse aber sehr teuer seien, kauften Busunternehmer meist die billigeren Fahrzeuge, weil diese ebenfalls förderfähig sind. Jürgen Haffelder vom Busunternehmen Angele habe deshalb vorgeschlagen, die Fördergelder nach Höhe der Barrierefreiheit der Busse zu vergeben, erzählte Anna Birk. Derzeit habe man ein Auge auf die Bushaltestellen und arbeite im ersten Schritt an einer Bestandsaufnahme der Gesamtsituation. Bis 2022 müssten laut Birk alle Bushaltestellen theoretisch barrierefrei sein. Weil das jedoch „finanziell nicht zu schaufeln“ sei, arbeite man mit einer Prioritätenliste. In Bereichen, wo viele Menschen mit Behinderung leben, werden die Bushaltestellen zuerst barrierefrei gemacht, so Birk.

Auf die Frage nach Verbesserungen bei den Memminger Bädern berichtete Manfred Schilder, dass man einen mobilen Lift gekauft habe, der in jedem Bad einsetzbar sei. Wegen der offenen Bäderfrage wollte man ein Gerät haben, das auch später wiederverwendet werden kann. Eine konkrete Entscheidung über die Bäderfrage werde der Stadtrat im Juni treffen, so der Rathauschef.

Homepage in „leichter Sprache“

Das Gremium befasste sich auch mit einem Antrag auf Erweiterung der Homepage mit Texten in „leichter Sprache“. Menschen mit geringen Sprachkenntnissen, Lernschwierigkeiten oder geistiger Behinderung sollen damit Inhalte besser verstehen können. Schilder zeigte sich grundsätzlich offen für dieses Thema, sofern es technisch möglich sei. Der Leiter des Amtes für Informations- und Kommunikationstechnik, Stefan Schachenmayr, gab dafür grünes Licht. Allerdings müssten die entsprechenden Texte von den Ämtern geliefert werden. Diesen Einwand begründete er mit der notwendigen Rechtssicherheit. Technisch könne man eine Zweisprachigkeit für Texte einbauen. Dies habe man teilweise schon in Englisch realisiert, aber sein Amt könne nicht hunderte von Texten ändern. Man könne ja mit dem Wichtigsten anfangen, meinte Anna Birk. Aber man müsse die Texte professionell in leichte Sprache übersetzen, da gebe es feste Regeln und dafür müsse man schon etwas Geld für ein entsprechendes Übersetzungsbüro in die Hand nehmen. Dies sei eine Grundsatzentscheidung, so Birk.

Orientierungsplan für die Kunsthalle

Ein weiterer Antrag befasste sich mit einem „taktilen Orientierungsplan“, der im Eingangsbereich der MEWO Kunsthalle aufgestellt werden soll. Es handelt sich dabei um ein Leitsystem für Menschen mit Sehbehinderung. Der Leiter der MEWO Kunsthalle, Dr. Axel Lapp, hält dies für sehr sinnvoll und meint, es wäre „ziemlich großartig“ so etwas in der Kunsthalle stehen zu haben. Birk zeigte dem Gremium ein Foto von solch einem Tisch, der auch für Rollstuhlfahrer gut bedienbar ist. Auf der Oberfläche, die mit großen Buchstaben und auch mit Blindenschrift versehen ist, befindet sich ein Übersichtsplan, der sich ähnlich anfühle wie Legosteine, erläuterte Birk.

Stadträtin Heike Eßmann fragte, warum man so etwas im Museum brauche. Da bringe man doch Zeit mit und brauche keine aufwändige Orientierungshilfe. „Das nennt man Inklusion“, war die leicht spöttische Antwort. Eßmann solle sich in Personen hineinversetzen, die schlecht sehen, sich aber trotzdem orientieren wollen. Diese Menschen könnten das Gebäude nicht selbständig erfassen und wollten auch nicht immer nach Hilfe fragen. Verena Gotzes wies in diesem Zusammenhang auch auf die UN-Konvention hin, die umgesetzt werden müsse. (ew)

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