Schwäbische Bezirkstagsspitze auf Kultur-Tour in der Region

"Man braucht Erdung in der globalen Welt"

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Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert und Bezirkstagsvizepräsident Alfons Weber (von links).

Kronburg-Illerbeuren - Im Rahmen ihres Programms "Tour-Kultur" besuchten der Bayerische Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Bezirkstagsvizepräsident Alfons Weber und Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke (CSU) auch den Illerwinkel. Zum Thema "Heimat - Brauchtum – Kultur" sprachen sie auf Einladung der CSU-Ortsverbände im Gasthof Gromerhof in Illerbeuren.

Das Thema dieser als Stammtischveranstaltung bezeichneten Einladung "Heimat - Brauchtum – Kultur" war vorgezeichnet, aktuelle politische und wirtschaftliche Themen bestimmten in der anschließenden Diskussion aber zunehmend die Veranstaltung. Vizepräsident Alfons Weber aus Markt Rettenbach war es zunächst vorbehalten, die vielfältigen Aufgabenfelder des Bezirkstages zu erläutern. Dass neben dem großen Bereich des Sozialen auch die Kultur- und Brauchtumsförderung einen breiten Raum einnimmt war bekannt, die Vielfalt des Engagements trotzdem für die Zuhörer interessant. Und obwohl der prozentuale Anteil der vielfältigen Kulturförderung am Gesamthaushalt nur 1,18 Prozent ausmacht, sind die aufgezeigten Projekte überzeugend. Das Landestheater in Memmingen gehört ebenso dazu wie die Ottobeurer Basilika, in die für die gelungene Sanierung viel Geld geflossen ist, neben der allgemeinen Denkmalpflege, Brauchtumsförderung, Dialekt- und Volksmusikpflege. Bayerisch Schwaben und das Unterallgäu ist reich an Kulturgütern, die ohne Förderung nicht oder nur beschränkt fortgeführt und unterhalten werden könnten. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, der das Illerbeurer Bauernhofmuseum als sichtbares Beispiel einer nachhaltigen Traditionspflege anführte, informierte über die in naher Zukunft geplanten Projekte. So soll neben dem geplanten 4,7 Millionen Euro teuren Schützen-Kompetenzzentrum noch das Allgäuer-Haus gebaut werden. Angedacht sei auch ein zentrales Lager für Maler und Kunstschaffende. "Wir wollen den Raum im Illerwinkel weiter stärken". Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke bezifferte die gesamte Wertschöpfung aus dem Bereich Kunst und Kultur bundesweit auf 30 Milliarden Euro und forderte weitere Verbesserungen im Bereich des Leistungsschutzrechtes und der Künstler-Sozialversicherung. Als eines der zentralen Aufgaben sieht Stracke die kulturelle Bildung an Schulen. In der anschließenden Diskussion unter Leitung von Dr. Ingrid Fickler musste die Kultur allerdings zunehmend zurücktreten zugunsten aktueller tagespolitischer Themen. Von den anwesenden Bürgermeistern aus dem Illerwinkel kam der Vorwurf: "Es wird zuviel geredet und zu wenig getan". Laut Landwirt Albert Gregg, Illerbeuren, sind es drei Themen, die ganz oben auf der Agenda stehen sollten. Die Landwirtschaft, die sanierungswürdige Straße von Hurren nach Dickenreishausen und die Sanierung der alten historischen Eisenbahnbrücke. Wobei er sich klar dagegen aussprach beim Thema Hurrenstraße nach einem eventuellen Scheitern der Grundstücksverhandlungen ein Enteignungsverfahren einzuleiten. "Ich spreche hier aus eigener Erfahrung". Bürgermeister Arthur Dorn aus Lautrach ist gegen die geplante Trassierung und fordert einen Ausbau entlang der alten Eisenbahnlinie, weil so auch die bestehende Enge durch Dickenreishausen umgangen werden könnte. Dorn fordert darüber hinaus die dringende Stärkung der Wirtschaftskraft im Illerwinkel und sieht im Illerradweg entsprechendes Potential. "Wir müssen die Besucher mit entsprechenden Angeboten längere Zeit an uns binden". Bürgermeister Abele aus Legau sieht ein Problem im Wirtshaussterben. "Wenn die Wirtshäuser sterben, stirbt langfristig auch das Dorf". Kronburgs Bürgermeister Winfried Prinz sieht die schlechte hausärztliche Versorgung auf dem Land als ernstes Problem. Auch das ungenügend gewürdigte Ehrenamt, besonders bei der Feuerwehr, war Thema der intensiven Diskussion, ohne von den Politikern jeweils ausreichende Antworten zu erhalten. "Der Charakter unserer Heimat darf nicht von immer mehr Windrädern, Biogasanlagen oder ausufernden Maisfeldern bestimmt werden und so der Profitgier Einzelner Platz machen. Dies erwarten wir auch von einer intakten Heimat-Kultur", so die Äußerung eines weiteren Teilnehmers. (jw)

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