40 Radfahrer sind 40 Stunden und 1.060 Kilometer im Sattel

Buxheimer Melchior Müller bei Spendenaktion „Nonstop durch Deutschland“

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40 Radfahrer, 40 Stunden, 1.060 Kilometer. Für die Spendenaktion „Nonstop durch Deutschland“ haben die Sportler sich einiges vorgenommen. Dieses Foto entstand nach einer 400-Kilometer-Nachtfahrt an den Gardasee.

Buxheim - „Jeder Kilometer zählt“ – das ist das Motto des Vereins radeln und helfen e.V. Seit 2012 fördert dieser den Radsport und engagiert sich für benachteiligte und hilfsbedürftige Kinder. Seine wohl beeindruckendste Spendenaktion steht jetzt im Juni an: 40 Radsportler fahren nonstop 1.060 Kilometer quer durch Deutschland – und Melchior Müller aus Buxheim ist mittendrin.

Wenn andere schlafen, ist Melchior Müller aus Buxheim beim Training – und das auch gerne im Wald.

Melchior Müller war schon immer fahrradbegeistert; auf den Ultra-Radsport stieß er jedoch erst vor etwa zwölf Jahren, als ein Freund im Müncher Olympiapark an einem 24-Stunden-Rennen teilnahm. Müller war damals eigentlich nur aus Neugier mitgekommen, aber seit diesem Tag lässt ihn der Ultra-Radsport nicht mehr los. Zuerst in Vierer- und Zweiergruppen unterwegs, bestreitet er seit fünf Jahren die 24-Stunden-Radrennen auch solo. Allein ist er dabei trotzdem nicht; er fährt für den RC Allgäu e.V., der ihn bei den Anmeldungen, der Öffentlichkeitsarbeit oder auch mit Zuschüssen unterstützt. Bei diesen Rennen hat Müller für gewöhnlich pro Stunde maximal zwei Minuten Pause; den Rest der Zeit rasen er und seine Mitstreiter im Renntempo über die Mountainbikestrecke. Um für diese Leistung fit zu sein, ist hartes Training unerlässlich: „Zweimal die Woche für drei Stunden zu trainieren reicht hier nicht; man muss da schon mehrere hundert Kilometer pro Woche fahren“, sagt der 52-Jährige. Aber wie bringt man ein solches Pensum neben Familie und Beruf unter? Melchior Müller macht dafür die Nacht zum Tag: Nach der Arbeit schwingt er sich aufs Rad und ist zum Teil bis nach Mitternacht unterwegs. So bleibt immer noch genug Zeit für seine Frau Evelyn und Tochter Rebecca. „Meine Frau ist da auch sehr kulant“, lacht der Buxheimer.

1.060 Kilometer nonstop

Seine nächste große Herausforderung ist nun die Teilnahme an der Spendenaktion „Nonstop durch Deutschland“. Damit will der gemeinnützige Verein radeln und helfen e.V. 50.000 Euro für behinderte, krebskranke und hilfsbedürftige Kinder sammeln. Für viele wohl unvorstellbar, wollen neben Müller 39 Ausdauer- und Extremradsportler in 36 Stunden reiner Fahrzeit 1.060 Kilometer bewältigen – ohne eine Minute Schlaf. 

Am Samstag, 23. Juni, soll die Gruppe frühmorgens um 4.30 Uhr in Flensburg starten und am darauffolgenden Sonntagabend – 40 Stunden später – in Oberwössen ankommen. Ein Betreuerteam mit drei Begleitfahrzeugen versorgt die Radsportler auf der Strecke. Nach jeweils 100 Kilometern sind kurze Stopps geplant, um Trikottaschen zu füllen und Getränkeflaschen zu tauschen. Gegessen und getrunken wird während der Fahrt im Sattel. Die Ernährung ist im Ultra-Radsport sowieso ein etwas schwieriges Thema. Bei einem typischen 24-Stunden-Rennen verbrennt Müller rund 10.000 Kalorien und muss seinem Körper konstant neue Energie zuführen – immer etwa 500 Kalorien pro Stunde. Gleichzeitig sei das ständige Fahren an der Leistungsgrenze für den Magen sehr schwierig – zu Beginn seiner Radsportkarriere litt Müller oft unter starken Magenschmerzen und Übelkeit. Nach Experimenten mit Kamillentee und Energie-Gels stieß er dann durch einen anderen Ultrasportler auf hochkalorische Trinknahrung, wie sie zum Beispiel auch in Pflegeheimen verwendet wird. Das schmeckt zwar nicht sonderlich, erfüllt aber seinen Zweck. Müllers Hauptbetreuer – sein Neffe Marko – kümmert sich bei den Rennen darum, dass es seinem Onkel an nichts fehlt, sei es Verpflegung oder Ausrüstung. Und er macht seinen Job so gut, dass er es tatsächlich schon einmal geschafft hat, dass Melchior Müller nach einem 24-Stunden-Rennen eineinhalb Kilo schwerer war als vorher. Die Radsportler, die an der 1.060 Kilometer langen Benefiztour teilnehmen, bereiten sich intensiv auf diese Herausforderung vor. Einen zwölfstündigen Spinningmarathon und ein Trainingslager auf Mallorca haben sie schon gemeistert, ebenso wie eine 400-Kilometer-Nachtfahrt an den Gardasee und ein 24-Stunden-Mountainbikerennen in Finale Ligure.

Es kann noch gespendet werden

Fast noch wichtiger als das Training ist aber das Spendensammeln. Bei der Aktion „Nonstop durch Deutschland“ kümmern die großen Hauptsponsoren sich um die Verpflegung, Trikots und alles, was zur Ausrüstung gehört. Die Spendengelder organisieren die 40 Teilnehmer selbst. Melchior Müller hat sich dafür vor allem in seinem persönlichen Umfeld umgesehen: Familie, Freunde, die Gemeinde Buxheim, der Schützenverein Buxheim und sogar sein Zahnarzt waren schnell dabei. Auch Müllers Arbeitskollegen bei Multivac haben zusammengelegt und so konnte Müller die 1.000 Euro, die er sich anfangs als Ziel gesetzt hatte, bereits verdoppeln. Für diese Unterstützung möchte der Buxheimer sich bei allen Spendern herzlich bedanken. Wer möchte, kann übrigens immer noch mithelfen: Unter www.radelnundhelfen.de/de/nonstop-durch-deutschland/spendenportal finden sich dazu alle nötigen Informationen. Alle Spenden landen – genauso wie die volle Startgebühr – komplett bei sieben wohltätigen Organisationen, die sich um Kinder in Deutschland, aber auch in Sambia oder La Paz kümmern. Damit will der Verein sein oberstes Ziel erfüllen: So vielen Kindern wie möglich zu helfen. (am)

Wo landen die Spenden?

· Wipalle e.V.: Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in La Paz
· Balu Kinderkrebshilfe: Betreuung krebskranker Kinder und deren Eltern im Landkreis Altötting
· OBA Altötting-Elterninitiativgruppe: Gruppe für Eltern mit schwerstbehinderten Kindern, mit einer ungenauen Diagnose und/oder einer geringeren Lebenserwartung
· Von wegen Down: Selbsthilfegruppe für Familien mit Kindern mit Down-Syndrom
· Intitiative krebskranker Kinder München e.V.: Unterstützung für krebskranke Kinder und ihre Angehörigen
· Missionsinitiative von Irmengard Dashuber: Bau und Unterhalt von Kindergärten in Sambia
· Sternstunden e.V.: Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, die kranke, behinderte und in Not geratene Kinder unterstützt

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