Wirtschaftsexperte beim Dreikönigs-Dämmerschoppen der ÖDP

Spaltet der Euro Europa erneut?

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Wirtschaftsexperte und ÖDP-Bundestagskandidat Dr. Wilhelm Vachenauer spricht über die Euro-Krise beim Drei-Königs-Dämmerschoppen.

Memmingen - Mit einem Drei-Königs-Dämmerschoppen für Mitglieder und Freunde startete die Memminger ÖDP ins neue Jahr. Wirtschaftsexperte Dr. Wilhelm Vachenauer, Studiendirektor und Bundestagskandidat der ÖDP im Wahlkreis Kempten-Oberallgäu-Lindau, sprach dabei über das aktuelle Thema "Der Euro - von den Maastricht-Verträgen bis zum Rettungsschirm".

Seit mehr als 60 Jahren wächst Europa immer mehr zu einer Einheit zusammen. Ein einmaliges Friedensobjekt und ein gemeinsamer Wirtschaftsraum durch immer mehr Zusammenarbeit. Aktueller Beweis dieser fortschreitenden Vereinigung ist die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises. Mit einem Blick auf die Geschichte der europäischen Währung leitete der Wirtschaftsexperte Dr. Wilhelm Vachenauer seinen Vortrag über die Krise der Europäischen Währungseinheit ein. "Frankreich war die treibende Kraft und Deutschland befürwortete den Euro aus Wettbewerbsgründen - gegen die Bedenken einzelner Kritiker der Bundesbank. Auf der Grundlage der Verträge von Maastricht erhofften die führenden Länder eine solide Währung. Die genaue Ursachenforschung ergab, dass 1997 die ursprünglichen Vertragsbedingungen hinsichtlich der Preisstabilität, der Haushaltsdefizite und der Staatsverschuldung nur drei Länder erfüllen konnten. Frankreich, Finnland und Luxemburg. Deshalb wurden die Beitrittskriterien von der Politik gelockert. Ursprünglich durfte kein Land für die Schulden eines anderen Landes aufkommen. Inzwischen aber bürgt Deutschland nach Einschätzung von Experten für andere Euro-Staaten in einer Höhe zwischen 370 und 721 Milliarden Euro. Der Weg zu einer soliden Währung war also gegen alle Warnungen der Fachwelt von der Politik längst schon verlassen worden. Griechenland hätte nie in die Eurozone aufgenommen werden dürfen", so die Ausführungen des Wirtschaftsexperten. "Nun musste die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren stabilisierenden Elementen eingreifen. Ihr Präsident Mario Draghi entschied sich, mit Zustimmung der Gremien, aber nicht ohne Widerstand Deutschlands, zum Ankauf von Staatsanleihen in unbegrenzter Höhe. Ein Schritt, der durchaus auch inflationäre Gefahren in sich birgt. Um die Märkte, insbesondere in den südeuropäischen Staaten, zu beruhigen, beschloss die Kommission den Europäischen Rettungsschirm (ESM). Gegen Sparauflagen und Haftungsgarantien erhalten nun marode Länder Kredite bis zu 500 Milliarden Euro. Auf diese Weise können sich wirtschaftlich angeschlagene Staaten unter einen Rettungsschirm begeben", so Vachenauer weiter. Für den Referenten liegen die Ursachen der Krise aufgrund von Fehlern der Politik klar auf der Hand. Viel schwieriger sei es, verlässliche Lösungen und Wege aus der Euro-Krise zu finden. Frage man Wirtschafts- und Finanzexperten, erhielte man verschiedene Meinungen. Während die Deutsche Regierung unter allen Umständen am Euro und der Eurozone festhalten wolle, sehen andere Kräfte in der Aufteilung der Eurozone in eine Süd- und Nordzone einen Ausweg. Die Südstaaten könnten dabei abwerten und somit ihre Staatsfinanzen wieder in den Griff bekommen. Wieder andere empfehlen ein Ausscheiden schwacher Staaten aus der Eurozone, um die anderen Länder zu retten. Eine Rückkehr zur D-Mark vertreten dabei nur wenige, da die Exportwirtschaft dadurch empfindliche Verluste hinnehmen müsste und viele Arbeitsplätze verloren gingen. "Eine absolut richtige Lösung ist derzeit nicht in Sicht", bremst Vachenauer die Erwartung der Zuhörer. Vielen kann der ÖDP-Wirtschaftsexperte die komplizierten Zusammenhänge durchaus begreiflicher machen, doch ist auch zu spüren, dass Europa in Zukunft noch einige Turbulenzen durchzustehen hat. (jw)

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