Sie hat fünf Menschen vor der Verfolgung durch die Nazis versteckt

Empfang der Nachfahren von Elise Weindl in Memmingen

Die Enkel- und Urenkel-Generation vor dem Schild in der Dobelhalde.
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Die Enkel- und Urenkel-Generation vor dem Schild in der Dobelhalde.

Memmingen – Zu Ehren von Elise Weindl wurde im Neubaugebiet Dobelhalde eine Straße nach der couragierten Frau benannt. Sie hatte während des Zweiten Weltkriegs fünf Menschen bei sich vor der Verfolgung durch das Naziregime versteckt. Nun wurden Weindls Nachfahren in Memmingen empfangen.

„Elise Weindl brachte durch ihr Handeln Heil in die Welt“, hob Oberbürgermeister Manfred Schilder beim Empfang der Enkel und Urenkel der Familie Weindl hervor. „Ich bin froh, dass ich Sie hier im Rathaus begrüßen darf und Ihnen später auch die Straße zeigen kann, die nach dieser standhaften und bemerkenswerten Frau benannt wurde“, so das Stadtoberhaupt.

Nach dem Empfang im Rathaus ging es zur Elise-Weindl-Straße ins Neubaugebiet Dobelhalde. Im Anschluss wurde auch das Haus in der Bahnhofstraße besucht, in dem die fünf Menschen versteckt waren. Enkel Harald Jordan, Sohn von Erna Weindl, der seine Kindheit und Jugend in diesem Haus verbracht hat, konnte sich sehr genau an die Aufteilung der Zimmer erinnern und berichtete, in welchen Räumen sich die Gläubigen der Adventgemeinde getroffen haben und wie die Familie lebte. Auch Christa Dann, die Tochter von Erna Weindl, welche für ihre Hilfe bei der Rettung der fünf Menschen in den 1980er Jahren das Bundesverdienstkreuz bekommen hat, schilderte ihre Großmutter als extrem willensstarke Frau: „Sie hatte keinen Moment Angst; ihr sprichwörtliches Gottvertrauen hat ihr die nötige Kraft für ihr Handeln gegeben.“

Elise Weindl hat fünf Menschen vor der Verfolgung des Naziregimes versteckt.

Zusammen mit ihrem Mann Josef und dem Sohn Josef Luitpold, genannt Beppi, kommt Elise Weindl im Jahr 1915 nach Memmingen. Dort eröffnet ihre Familie zuerst in der Kempter Straße ein Fahrradgeschäft, später ziehen sie in die damalige Siebertstraße, (heute Bahnhofstraße 2), wo Elise Weindl mit Textilien handelt. In Memmingen kommen ihre Töchter Elisabetha (1915) und Erna (1922) auf die Welt; eine weitere Tochter, Ruth, stirbt kurz nach der Geburt 1929. Schon Anfang der 1920er Jahre tritt Elise aus der katholischen Kirche aus und wird Mitglied bei den Memminger Reformadventisten – dabei setzt sie sich auch immer wieder gegen die Überzeugung ihres Mannes durch. Als 1938 ihr Mann stirbt, betreibt sie das Geschäft allein.

Im Jahr 1936 wurde die Reformadventisten-Bewegung von der NSDAP verboten; die Mitglieder der Gemeinden waren danach immer wieder Repressalien und Verhaftungen ausgesetzt. 1938 setzt Elise Weindl sich über das „Kauft-nicht-bei-Juden“-Gebot der Nazis hinweg und ersteht die Textilien der Augsburger Firma Pollitzer. Zusätzlich beschäftigt sie den Geschäftsführer der Firma Pollitzer, Otto Schreiner, bis 1942 in ihrem Laden.

Als Otto Schreiner und seine Gattin Grete, eine geborene Pollitzer, im Januar 1945 mit ihrem zweijährigen Kind durch Zufall bei ihr vor der Tür stehen, beschließt sie spontan, die drei in ihrem Haus zu verstecken. Dort hat die engagierte Frau außerdem schon seit 1940 immer wieder Martin Friebe, einen verfolgten Glaubensbruder, und im Jahr 1942 den Jugendlichen Fritz Tölle untergebracht. Tölles Mutter war ebenfalls Reformadventistin und saß im KZ Ravensbrück. Fritz floh, weil er in ein NS-Erziehungsheim gebracht werden sollte. Er war für zehn Monate bei den Weindls in Memmingen.

Auch als Tochter Elisabetha nach Remagen heiratet, unterstützt sie die Mutter in ihrem Tun. Martin Friebe kommt immer mal wieder bei Elisabetha in der rheinischen Stadt unter, wenn Elise Weindl fürchtet, die Memminger Gestapo würde den steckbrieflich gesuchten Glaubensbruder bei ihr finden.

Im Jahr 1958 zieht Elise mit ihrer Tochter Erna und deren Familie nach Lindenberg. Trotzdem war sie oft noch in Memmingen zu Besuch. So auch am 21. Mai 1975, als sie auf der Memminger Bahnhofstraße von einem Auto erfasst und tödlich verletzt wurde. (MK)

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