Unterallgäu war Modellregion für deutschlandweit einmaligen Versuch

Meilenstein der Energiewende

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Bei einer Zukunftskonferenz mit umfangreichem Programm zogen die Verantwortlichen Bilanz zur Modellregion. Im Bild Robert Immler von eza, der am Thementisch zu Solarstrom Rede und Antwort stand.

Unterallgäu - Mit dem Projekt „Energiewende Unterallgäu Nordwest“ hat der Landkreis einen Meilenstein erreicht. Es gibt aber noch viel zu tun. Dieses Fazit zogen die Verantwortlichen bei einer großen Veranstaltung rund ums Thema Energieversorgung zum Abschluss des Projekts in Günz. Neben Infofahrten, Vorträgen und einem Fachforum für Biogas stand unter anderem eine Podiumsdiskussion mit Staatsminister Hubert Aiwanger auf dem Programm der „Zukunftskonferenz regionale Energiewende“ (wir berichteten). Veranstalter waren das Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!) sowie die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Wie kann die Energiewende gelingen? Ist eine überwiegend auf erneuerbaren Energien beruhende Versorgung im ländlichen Raum machbar? Diese Fragen standen in den vergangenen drei Jahren im Zentrum des Projekts im nordwestlichen Unterallgäu. Eza, der Landkreis Unterallgäu und die Lechwerke AG (LEW) stießen zusammen mit den 27 Gemeinden der Modellregion zahlreiche Projekte an, um Energie einzusparen, die Energieeffizienz zu erhöhen und die Nutzung erneuerbarer Energien auszubauen.

„Wir haben viele, viele Aktivitäten unternommen, um die Energiewende voranzutreiben“, blickte Landrat Hans-Joachim Weirather zurück. Die Gemeinden und die dortigen Energieteams hätten mit viel Engagement mitgearbeitet, so dass man zum Abschluss des Projekts Beträchtliches vorweisen könne. „Trotz aller Erfolge liegt aber noch viel Arbeit vor uns“, sagte Weirather. Deshalb solle der Abschluss des deutschlandweit einmaligen Feldversuchs kein Ende, sondern vielmehr ein Aufbruch sein. Ähnlich sah es LEW-Vorstand Norbert Schürmann: „Wir haben in der Modellregion ein ambitioniertes Leuchtturm-Projekt umgesetzt. Nun gilt es, die gemeinsamen Anstrengungen für eine grüne und dezentrale Energiezukunft mit voller Kraft fortzusetzen.“

Förderung läuft aus

Unterstützt wurde der Feldversuch von Fördergeldern aus dem Energie- und Umweltfond. Diese Förderung läuft nun aus. Was im Förderzeitraum konkret in der Modellregion geschah, erläuterten Martin Sambale und Sebastian Hartmann von eza. Einer der ersten Schritte war demnach die Gründung von Energieteams in den Gemeinden des Projektgebiets. Diese brachten zahlreiche Projekte auf den Weg - wie beispielsweise den Zubau von Photovoltaikanlagen, die nun vielerorts einen Großteil des Strombedarfs von Kläranlagen, Grundschulen und Rathäusern umweltfreundlich decken. Die Initiierung von Nahwärmeprojekten auf der Basis regionaler Waldhackschnitzel, Solarthermie oder Biogas-Abwärme seien weitere Beispiele dafür, dass die Energiewende in der Region voranschreitet, so die Vertreter von eza.

Da fast die Hälfte des gesamten Energiebedarfs in der Modellregion von Unternehmen verbraucht wird, wurde auch hier angesetzt. Es fanden Energieberatungen in Firmen statt und es wurde ein Unternehmensnetzwerk zum Erfahrungsaustausch gegründet. Eine entscheidende Rolle für eine erfolgreiche Energiewende spielen nach Ansicht von Experten auch Biogasanlagen. Deshalb lag ein weiterer Schwerpunkt auf der besseren Nutzung der Potenziale von Biogasanlagen - von der Optimierung der Wärmenutzung bis hin zur Effizienzsteigerung.

Fast 600 Hausbesitzer beraten

Darüber hinaus zählten auch Energieberatungen in privaten Haushalten zu den Säulen des Projekts. So wurden laut Eza fast 600 Beratungen durchgeführt. „77 Prozent der Hausbesitzer haben im Anschluss an die Beratungen Maßnahmen umgesetzt“, betonte Sebastian Hartmann. Die Hausbesitzer haben zum Beispiel Fenster ausgetauscht oder das Dach gedämmt. Unter Federführung von LEW läuft außerdem das Projekt „FLair“ (flexible Lasten intelligent regeln). Vereinfacht gesagt wird dabei am Beispiel von Nachtspeicherheizungen getestet, wie mehr des vor Ort produzierten Ökostroms genutzt werden kann. Denn in Spitzenzeiten erzeugen die rund 6.000 Photovoltaikanlagen in der Modellregion einen Stromüberschuss, der bislang über die Stromnetze abtransportiert werden muss.

Auch wenn es laut Sambale eine große Herausforderung ist, bis 2021 in der Modellregion einen Anteil von 60 Prozent erneuerbarer Energien im Strom- und Wärmesektor zu erreichen wie angestrebt, könne dies noch geschafft werden. „Die Energiewende kann lokal gestaltet werden, aber es steckt viel Arbeit dahinter“, betonte Sambale. „Essentiell ist dabei die Unterstützung und Rückendeckung seitens der Kommunen.“

Nach Ansicht von Hubert Aiwanger, dem bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, zeigen die Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien in der Modellregion, „dass es Leute vor Ort braucht, die die Sache anpacken“. Allerdings müsse die Politik auch die passenden Rahmenbedingungen schaffen, damit eine dezentrale Energiewende vorankomme. Laut Aiwanger wäre es beispielsweise „eine moralische Niederlage“, wenn man mit den Biogasanlagen einen wichtigen Baustein der Energiewende sterben lassen würde, der anfangs mit viel Geld subventioniert worden sei. Es müssten Möglichkeiten für den weiteren Betrieb gefunden werden, forderte der Staatsminister angesichts der unsicheren Perspektive für Biogasanlagen, die demnächst aus der sogenannten EEG-Umlage fallen. (MK)

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