Suchtkrankheit ist keine Frage des Alters

Erweiterung der Suchtberatung der Psychosozialen Beratungsstelle Memmingen

Mann mit Weste vor Laterne und Haus
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Der erfahrene Diplom-Sozialpädagoge Stefan Marx rechnet künftig mit einer Zunahme suchtkranker älterer Menschen.

Memmingen - Die Psychosoziale Beratungsstelle (PSB) der AWO Memmingen hat eine zusätzliche 25-Prozent-Stelle vom Bezirk Schwaben erhalten. Die Stelle wurde spezifisch für ältere Menschen ab 60 Jahren mit Suchtproblemen geschaffen. Zur ausführlichen Erläuterung dieser besonderen Arbeit hatte die PSB zu einem Pressegespräch geladen.

Der erfahrene Diplom-Sozialpädagoge Stefan Marx kennt die Probleme seit langer Zeit und erläuterte anhand von Fallbeispielen die Entstehung von Süchten. Dabei zeigte er auf, dass eine Suchtkrankheit bei älteren Mitbürger/innen ein nicht zu unterschätzendes Problem ist, welches sich seines Erachtens aufgrund der demografischen Entwicklung weiter verschärfen wird.

Wenn die Routine wegfällt

Die Suchtkrankheiten treffen zum Beispiel Menschen, die am Ende ihres Berufslebens in ein tiefes Loch fallen. Vorher jahrzehntelang in eine feste Struktur als Familienvater, (Mit-) Geldverdiener und anerkanntes Mitglied in den Familien und in den Arbeitsprozessen in ihrer jeweiligen Rolle akzeptiert, fehlt plötzlich die tägliche Routine. Der langjährige Kontakt zu den Arbeitskolleg/innen und Mitarbeiter/innen fällt auch meistens nach kurzer Zeit vollständig weg. Dazu kommt, dass die Kinder oft schon aus dem Haus sind und erst einmal keinerlei Tätigkeiten zum Lebensunterhalt notwendig sind. Diese Umstände sowie auch die fehlende Anerkennung durch die Berufstätigkeit können bei Menschen Unsicherheit, Ängste und auch Depressionen hervorrufen, die dann fatalerweise mit Sucht- und Betäubungsmitteln bekämpft werden.

Problem „legale Drogen“

Diese beispielhaften Umstände sind oft der Anfang für eine sich anbahnende Sucht. Die häufigsten Süchte sind mit etwa 80 Prozent die „legalen Drogen“ wie Nikotin und Alkohol. Es folgen Medikamenten-Abhängigkeit und die Glücksspielsucht. Und natürlich auch die Abhängigkeit von illegalen Drogen, die in den letzten Jahren traurigerweise zugenommen habe, so Marx.

Ein Baustein zur Bekämpfung dieser Süchte ist die Einrichtung der 25-Prozent-Stelle bei der AWO in Memmingen durch den Bezirk Schwaben. Hier können sich Abhängige und auch Angehörige melden, um kostenlos mit Rat und Tat eine Hilfe bei der Bekämpfung der Süchte zu erhalten. Jedoch, so erläuterte Stefan Marx, kann keine Sucht erfolgreich bekämpft werden, wenn der oder die Betroffene sich nicht völlig offen zu den Problemen bekennt. Dies ist dann erste Schritt zur geistigen Gesundung; danach können Therapiemöglichkeiten, ambulant oder stationär, gemeinsam mit der Beratungsstelle entwickelt werden.

Die Beratungsstelle der AWO Memmingen ist in der Lindentorstraße 22 im 3. Stock ansässig. Sie kann täglich erreicht werden unter der Telefonnummer: 08331/5084. (rb)

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