„Europa muss in die Herzen der Menschen zurück“

29. Europatag in Niederrieden mit Markus Ferber

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Festredner beim Europatag in Niederrieden war MdEP Markus Ferber.

Niederrieden - Auch in diesem Jahr begeisterte der traditionelle Europatag in Niederrieden wieder zahlreiche Besucher. Bereits zum 29. Mal richtete die Unterallgäuer Gemeinde dieses politischen Event aus. Markus Ferber, Mitglied des Europäischen Parlaments, sprach zum Thema „Globale Herausforderungen für die EU im Jahr 2018“. Musikalisch unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Musikkapelle Boos unter der Leitung von Ulrich Prinz.

Nach dem gemeinsamen Gottesdienst mit Dekan Ludwig Waldmüller, Pater Georg und Pfarrer i. R., Josef Nowak hießen Bürgermeister Michael Büchler sowie Moderatorin Manuela Jocham die Gäste und Ehrengäste herzlich willkommen. Anschließend sprach der Schwäbische CSU-Politiker Markus Ferber als Mitglied des Europäischen Parlaments zum Thema „Globale Herausforderungen für die EU im Jahr 2018“. „Europa befindet sich in einer schwierigen Position“, begann Ferber seine Ausführungen und ging in der Folge auf die spezifischen Probleme der einzelnen EU-Staaten ein. „Wir haben ein Land, das die EU verlassen will und dies per Referendum kundgetan hat. Dabei ist England ein Kernland und durch seine starke Wirtschaftskraft ein Eckpfeiler und wichtiges Mitglied der Union. Der Vorgang ist deshalb für beide Seiten schmerzlich“, konstatierte Ferber. Mittlerweile würden die Briten aber bereits merken, dass es gar nicht so schlecht sei, der EU anzugehören. 

Derzeit werde verhandelt, wie man künftig mit Nordirland umgehen soll. Die EU-Mitgliedschaft habe das Land befriedet und 1998 eine weitgehende Aussöhnung gebracht. Heute, so Ferber, grummle es bereits wieder unter der Bevölkerung und der Frieden scheint gefährdet. Dazu kommen die Zwistigkeiten im Land der Katalanen. Die rechtsgerichtete polnische Regierung stecke zunehmend in Schwierigkeiten wegen der Aufhebung der Gewaltenteilung. Die in Ungarn herrschenden Rechtspopulisten wollten die Meinungsfreiheit immer mehr einschränken und in Italien erschrecke eine neue Regierung von Linken und Rechtspopulisten die Regierenden in der EU wegen ihrer kritischen Haltung zu ebendieser Union. Zu allem Unglück demonstrierten auch noch die Rumänen, um die Abschaffung des Korruptionsgesetzes zu erreichen. 

Laut Ferber müsse angesichts dieser vielen Baustellen das Gemeinsame wieder mehr in den Mittelpunkt gestellt werden. „Es ist wichtig, für die Herstellung eines erneuten Grundvertrauens unter den Mitgliedsländern zu werben“, so der Abgeordnete. Auch müssten die Reformvorschläge des französischen Präsidenten Macron endlich ernst genommen anstatt bis zur Unkenntlichkeit zerredet werden. Auch wenn nicht alles gut sei, was da aus Frankreich an Vorschlägen komme, lohne es sich doch, darüber nachzudenken und zu reden. 

Europa müsse sich endlich mehr um sich selbst kümmern, nachdem nun auch noch mit den Amerikanern ein seit Jahrzehnten verlässlicher Verbündeter abzuspringen droht. Der G7-Gipfel sei nicht durch Aufnahme von Russland oder China zu einem G8- oder G9-Gipfel gewachsen, sondern schrumpfe eher zu einem G6-Gipfel, wenn die USA den Club der wirtschaftsstärksten Nationen eventuell verlassen, befürchtet Ferber nach den Vorkommnissen in Kanada. Die Verhängung neuer Zölle auf Kupfer und Stahl schade aus seiner Sicht beiden Seiten und werde Amerika genauso treffen wie die Europäer. 

„Wir dürfen uns nicht zersplittern lassen. Und wir müssen endlich das Flüchtlingsproblem gemeinsam angehen und Lösungen finden. Um die unbegrenzte Zuwanderung zu stoppen, müssen die Außengrenzen gesichert werden. Auch müssen wir mehr in unsere Verteidigung investieren und unser Sicherheitsbedürfnis selbst regeln. Dies wird uns zwar Geld kosten, aber wenn wir unsere Ausrüstung bündeln und die verschiedenen Waffensysteme aufeinander abstimmen, stehen wir an Stärke den USA nicht viel nach. Und wir müssen den freien Welthandel offen halten und Handelsabkommen mit denen treffen, die für den freien Welthandel eintreten“, fasste der CSU-Europapolitiker zusammen. 

Auch MdL Klaus Holetschek forderte als Grußredner die Idee, Europa wieder in den Mittelpunkt zu stellen. „Es muss uns wieder gelingen, in die Herzen der Menschen vorzudringen, damit der Europagedanke wieder an Fahrt gewinnt“. (jw)

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