Festgottesdienst in Memmingen zum 500. Reformationsjubiläum

„Hier stehe ich – ich kann nicht anders!“

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Die einzelnen Kirchengemeinden stellten sich mit hölzernen Wegweisern vor.

Memmingen – Gemeinsam mit rund 1.500 gläubigen Christen feierte das Evangelisch-Lutherische Dekanat Memmingen zum Abschluss des Lutherjahres in der neu renovierten Kirche St. Martin ihr Reformationsjubiläum.

Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen, mit denen er die Praxis des Ablasshandels anprangerte. Er trat damit eine Lawine los und leitete letztlich die Spaltung der Kirche ein. Rund 80 Millionen Menschen lebten damals laut Dekan Schieder in Europa. Ihr Leben war durch und durch religiös geprägt. Als man Luther vor den Kaiser zerrte um seinen „ketzerischen“ Ansichten abzuschwören, soll Luther gesagt haben: „Hier stehe ich – ich kann nicht anders – Amen!“. 

Zum Gedenken an den großen Reformator Martin Luther feierten die Kirchengemeinden jetzt das 500-jährige Reformationsjubiläum. Die frisch renovierte Kirche St. Martin bot hier einen beeindruckenden Rahmen. Im Vorwort der Broschüre zu 500 Jahren Reformation schreibt Dekan Christoph Schieder: „Luther beabsichtigte weder einen revolutionären Akt noch eine öffentliche Provokation. Er wollte nur mit den Menschen ins Gespräch kommen und mit ihnen über seine theologische Erkenntnis diskutieren, dass der Mensch durch den Glauben an Christus Gottes Gnade gewiss sein kann“. Doch Luthers theologische Gedanken fanden großes Echo und drangen in weite Kreise der Bevölkerung vor. Dabei wurde aus dem ursprünglichen Gelehrtenstreit ein kirchenpolitischer Kampf, mit dem weitere gesellschaftliche und soziale Forderungen verbunden wurden. 

Die kirchliche Lehre wurde schließlich von den Reformatoren im 16. Jahrhundert auf ihr biblisches Fundament hin kritisch überprüft. „Luther wurde immer mehr zur Deutschen Eiche stilisiert“, sagt Dekan Schieder im Rückblick auf das damalige Geschehen in seiner Predigt in der Martinskirche. Dabei komme die Kraft der Veränderung aus dem Zweifel, der sie nährte. Zweifel an der Glaubenslehre der damaligen Zeit. „Die Reformation war die Zeitenwende der Menschheit, aber uns eint der Glaube“, so der Kirchenmann. 

Wie vielschichtig die evangelische Kirche ist, zeigte sich anschließend in beeindruckender Weise in der Vorstellung der Kirchengemeinden durch ihre einzelnen Vertreter. Dabei wurden ihre persönlichen Aussagen in Form von Wegweisern an hölzernen Leisten im Kirchenschiff aufgestellt. 

Das ganze Jahr über war der WORT.TRANSPORT-Bus mit der als Symbolfigur von Otmar Hörl erschaffenen Luther-Skulptur in den einzelnen Kirchengemeinden im Dekanats Bezirk Memmingen mit entsprechend eigenen Veranstaltungen unterwegs, um auf das große Luther-Reformationsjubiläum 2017 aufmerksam zu machen. Ergänzend dazu Ausstellungen unter dem Titel „Vom Dunkel ins Licht – Frauen der Reformation im süddeutschen Raum“ der Fachstelle für Frauenarbeit und einiges mehr. Vollgeladen mit Reformation standen beispielsweise auch einen Tag lang drei große Fahrzeuge in Memmingen auf dem Marktplatz. Musikalisch unterstützt wurde die Veranstaltung in der Martinskirche vom Bezirksposaunenchor. (jw)

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