Nur wenige Gramm entscheiden – Königsforelle wiegt 2530 Gramm

Dieter I., der »Waldgeist«, ist der neue Fischerkönig

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Mit dem Böllerschuss um Punkt 8 Uhr "jucken" die Memminger Stadtbachfischer in den Bach und machen sich unter dem Jubel der tausende von Zuschauern auf die Jagd nach der "Königsforelle".

Memmingen - Dieter I., der »Waldgeist«, heißt der neu gekrönte Fischerkönig. 2530 Gramm wog die Königsforelle die Dieter Osterrieder, wie der neue Regent mit bürgerlichem Namen heißt, als Fang auf die Waageschale brachte. Im Bereich der Hasenbrücke holte er die Forelle mit seinem Bären aus dem Bach.

Hochsommerliche Temperaturen mit rekordverdächtigen Hitzegraden machten so manchem Fischertagsbesucher dieses Jahr ordentlich zu schaffen. Trotzdem war es erstaunlich zu sehen, dass die vielen Besucher nicht die Freibäder und Baggerseen bevorzugt aufgesucht haben, sondern den Weg zum Fischertag angetreten haben. Der Zuspruch der Bevölkerung war jedenfalls wieder riesengroß. Und nicht nur Bürger der Stadt oder der Region, auch Gäste aus dem Ausland und insbesondere aus Memmingens Partnerstädten zog es wieder in die Maustadt, um dieses Großereignis mitzuerleben und mitzufeiern. Die großen Memminger Heimatfeste haben eine enorme und weitreichende Ausstrahlungskraft. Dabei ist nicht nur das Spektakel des Bachausfischens sehr beliebt und begeistert die Zuschauer, sondern auch die sich wie Perlen eines Rosenkranzes aneinander reihenden weiteren Publikums-Attraktionen. Ein einprägsames und publikumwirksames Ereignis mit Nachhaltigkeitscharakter. Mit dem Weckruf durch Fanfarenzüge und Musikkapellen wurden die Bürger morgens musikalisch wieder animiert, das größte Memminger Heimatfest mitzufeiern. Der Aufmarsch der Fischergruppe begleitet von den Musikanten fand dieses Jahr allerdings, aufgrund der noch nicht beendeten Bauarbeiten in der Fußgängerzone, über das Klösterle statt. In seinem Fischerspruch, in urig-schwäbischer Mundart vorgetragen, gelang es Oberfischer Jürgen Kolb auch heuer wieder, den Finger in offene Wunden der Stadtverwaltung zu legen, was Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, selber im Fischerhäs, aber sichtlich gelassen zur Kenntnis nahm. Dabei rückten die Brandruine am Schrannenplatz ebenso wie die unendliche Geschichte der Hurrenstraße bei Dickenreishausen oder die mangelnden Fortschritte und Verzögerungen bei der Sanierung der Fußgängerzone in den Fokus. Mit dem Böllerschuss um acht Uhr war es dann soweit. Alle berechtigen Stadtbachfischer ab 14 Jahren juckten in den Bach. Die Fischertags-Hymne »Schmotz, Schmotz, Dreck auf Dreck...« auf den Lippen und die Hoffnung im Herzen, diesmal den größten Fisch unter den jeweils eingesetzten zehn Zentnern Bach- und Regenbogen-Forellen an Land zu ziehen. Ihre Kübelesträger im Blick und angefeuert von begeisterten Zuschauern gab es für die Fischer kein Halten mehr. Für einen kleinen Zwischenfall sorgte hingegen die Tierschutzorganisation PETA mit ihrer unangemeldeten Demonstration im Bachbereich beim Steuerhaus gegen die ihrer Meinung nach unberechtigte Tierquälerei. Dank Polizeieinsatz wurde die Aktion schnell beendet. Noch während vor dem Zunfthaus das Auswiegen in vollem Gange war, versammelten sich im Rathaus-Foyer bereits hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, unter ihnen Delegationen aus den Partnerstädten, zu einem Rathausempfang mit Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Beim anschließenden Krönungsfrühschoppen in der vollbesetzten Stadionhalle, musikalisch umrahmt von der Stadtkapelle, steuerte die Begeisterung schließlich dem erwarteten Höhepunkt zu. Die Krönungsfeierlichkeiten traten in den Mittelpunkt. Der bis dahin noch amtierende Fischerkönig Manfred I. wurde seiner Insignien beraubt, mit einer ordentlichen Brotzeit ausgestattet, bestehend aus Brot, Wurst, Rettich und Bier, mit einem kräftigen Fußtritt aus dem Amt gejagt. Und auf Schultern getragen wurde der 49-jährige neue Fischerkönig Dieter I. der »Waldgeist« dem Volke präsentiert und nahm auf dem Birkenthron Platz. Das Volk jubelte und unterhielt seine Majestät mit reichlich Spiel und Tanz zu seinen Ehren. Ein Jahr lang wird er als König respektiert werden, bis auch er mit Fußtritten aus seinem Amt gejagt wird... (jw)

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