Airport-Leitung vom „Widerstand“ überrascht

Flughafen Memmingen will Amazon-Ansiedlung ohne Gemeinden

Der Flughafen Memmingen von oben.
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Die Grundstücksgesellschaft GAP, an der auch die Stadt Memmingen beteiligt ist, besitzt insgesamt 13,5 Hektar Fläche nördlich und südlich des Flughafengeländes. Der Flughafen will nun Amazon jedoch auf eigenen Flächen abseits der GAP-Flächen ansiedeln.

Memmingen - Die jüngste Stadtratssitzung vom vergangenen Montag begann mit einer Überraschung: Bettina Kurrle, Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafen Memmingen GmbH und des Beirats der Allgäu Airport GmbH & Co. KG (AAP, sowie Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid verkündeten kurz vor der Stadtratssitzung per Pressemitteilung, dass das geplante Geschäft zur Ansiedlung des Amazon-Verteilzentrums so nicht stattfinden werde. Der Flughafen habe sein Kaufgesuch über ein Grundstück für das Amazon-Verteilzentrum an die Immobiliengesellschaft GAP zurückgezogen.

Die Gewerbepark am Allgäu Airport GmbH & Co. KG ( GAP) ist Eigentümerin von Grundstücken rund um den Flughafen Memmingerberg. Fast 75 Prozent deren Anteile sind in der Hand der Umlandgemeinden und der Gebietskörperschaften des gesamten Allgäus. Größter Anteilseigner nach der Allgäu Airport GmbH & Co. KG ist die Stadt Memmingen mit über 13 Prozent der Anteile. Dieser Memminger Anteil war der Grund dafür, dass dieses Grundstückgeschäft und die damit verbundene Amazon-Ansiedlung überhaupt auf der Tagesordnung des Stadtrates stand.

Ansiedlung umstritten

Seit Ende des vergangenen Jahres gab es bereits heftige Debatten in der Öffentlichkeit und bei Gesellschaftern aus dem Kreis der Gebietskörperschaften, ob diese geplante Ansiedlung sinnvoll und wünschenswert sei. Vor allem die schlechten Imagewerte von Amazon als Arbeitgeber und der Vorwurf der „Lohndrückerei“ wurden durch die Warnstreiks in der Vorweihnachtszeit an sechs deutschen Amazon-Standorten befeuert. Hinzu kam die Angst vor der Zunahme des nächtlichen Verkehrsaufkommen am Flughafen. Amazon verdiene sich mitten in der Krise bei gleichzeitiger Schließung und Existenzbedrohung des örtlichen Einzelhandels „eine goldene Nase", hieß es beispielsweise bei der Gewerkschaft Verdi.

Der Flughafen konterte und sprach von Zuspruch seitens der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. In der Region könnten nach deren Angaben auch Menschen ohne oder mit geringer Ausbildung durch Arbeitsplätze bei Amazon eine neue Chance erhalten. In Spitzenzeiten sollten bis zu 200 Beschäftigte im Zentrum arbeiten und bis zu 600 weitere bei Lieferpartnern. Nächtliche Frachtflüge seien bereits durch die luftrechtliche Genehmigung des Airports ausgeschlossen.

„Mit dieser Art von Widerstand haben wir nicht gerechnet“, stellt die AAP-Beiratsvorsitzende Bettina Kurrle fest. Bewusst habe man ein Grundstück aus dem Portfolio der Gewerbepark am Allgäu Airport GmbH & Co. KG (GAP) kaufen wollen, da diese ja die Aufgabe habe, Gewerbeflächen im südlichen Bereich des Flughafens wirtschaftlich für die Anteilseigner zu verwerten. „Während an mehreren Orten in Deutschland und in Bayern Verteilzentren dieser Art problemlos gebaut und auch von Kommunalpolitikern begrüßt wurden, entwickelte sich in und um Memmingen eine lebhafte Diskussion“, so der Allgäu Airport in einer Pressemitteilung.

Dann Flughafen-Flächen

Solche Diskussionen sind offensichtlich nicht gut fürs Geschäft, doch der Flughafen will sich die Ansiedlung des „Global Players“ Amazon nicht von widerspenstigen Allgäuern durchkreuzen lassen. Das Unternehmen sei „von dem Projekt überzeugt und möchte es an anderer Stelle verwirklichen.“ Dafür soll das Amazon-Lieferzentrum auf einem Gelände errichtet werden, das dem Flughafen und nicht der GAP gehört.

Nach diesem kurzfristigen Rückzug von der GAP, der Immobilienfirma der Gebietskörperschaften, musste Oberbürgermeister Manfred Schilder gleich zu Beginn der Stadtratssitzung den Punkt von der Tagesordnung streichen. Zweifel und Unmut über die Vorgehensweise des Flughafens blieben bei vielen Stadträt*innen dennoch. Professor Dr. Dieter Buchberger von den Grünen verlangte daher auch für die Zukunft eine nähere Befassung mit der Bedeutung der Immobiliengesellschaft für die Gemeinden und Landkreise. Dem schloss sich auch OB Schilder an: Eine Debatte über die strategische Ausrichtung der Grundstücksgesellschaft sei dringend erforderlich, er wolle Flughafen-Geschäftsführer Ralf Schmid dazu einladen. „Wir müssen die Frage beantworten ‚wo wollen wir mit dieser Grundstücksgesellschaft hin?“. (to)

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