Waldbegehung von Forstleuten und BUND Naturschutz

Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels

Vertreter des BUND Naturschutz trafen sich zur Waldbegehung mit dem Forstbetrieb Ottobeuren (von links): Forstbetriebsleiter Dr. Hermann S. Walter, Revierleiter Jakob Bamgratz und BN-Kreisgruppenvorsitzender Helmut Scharpf.
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Vertreter des BUND Naturschutz trafen sich zur Waldbegehung mit dem Forstbetrieb Ottobeuren (von links): Forstbetriebsleiter Dr. Hermann S. Walter, Revierleiter Jakob Bamgratz und BN-Kreisgruppenvorsitzender Helmut Scharpf.

Unterallgäu - Forstleute und Vertreter der Kreisgruppe des BUND Naturschutz haben sich zur Waldbegehung im Landkreis getroffen. In vielen Punkten herrscht Übereinkunft, jedoch könnte noch mehr getan werden – so jedenfalls die Sicht des BUND Naturschutz.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch im fichtendominierten Unterallgäu deutlich zu spüren. Langanhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen setzen den Bäumen stark zu. Der Borkenkäfer hat dann leichtes Spiel und sorgt jedes Jahr für hohe Ausfälle bei der wirtschaftlich wichtigsten Baumart. Auch Waldschäden durch Stürme und Schneebruch nehmen in bedenklichem Ausmaß zu. Mit großer Sorge verweist Forstwissenschaftlerin und Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe Tina Melder nach Norddeutschland, wo dem Fichtenwald durch die Ausbreitung des Borkenkäfers eine Katastrophe drohe. Auch Nordbayern ist massiv vom „Waldsterben 2.0“ betroffen – dort stirbt sogar die für ihre Trockenheitstoleranz bekannte Baumart Kiefer in weiten Teilen ab, berichtet der BNWaldreferent Dr. Ralf Straußberger. „Es gibt in Mittelfranken rund 6.000 Hektar Kahlflächen. Wenn es richtig rund geht, werden wir dem Käfer nicht mehr Herr.“

Sollten die pessimistischeren Klimaprognosen zutreffen und sich die Jahresdurchschnittstemperatur in Bayern um 4,5 Grad Celsius erhöhen, wird es auch hier in absehbarer Zeit „scheppern“ – da ist sich Forstbetriebsleiter Dr. Hermann S. Walter sicher. „Wir haben uns bei der Käferbekämpfung professionalisiert, gleichzeitig erhöht der Käfer bei steigenden Temperaturen seine Schlagkraft.“

Wichtigste Aufgabe der Forstwirtschaft sei daher weiterhin der Umbau in klimastabile Mischwälder mit einem erhöhten Anteil von Buchen und Tannen. Bereits heute beträgt der Fichtenanteil im Forstbetrieb Ottobeuren nur noch 57 Prozent. Und er soll weiter sinken – unter anderem zugunsten der Tanne. Damit die Tanne aber überhaupt die Chance hat, im wahrsten Sinne des Wortes „groß rauszukommen“, seien angepasste Rehwildbestände unabdingbar – da sind sich Forst und Naturschutz einig.

Auch wenn man in vielen Bereichen einer Meinung ist, so gab es auch Themen, bei denen man sich nicht „ganz grün“ war. So bemängelte BN-Waldreferent Straußberger, dass es für einen umfassenden Naturschutz nicht reiche, einzelne Bäume aus der Nutzung zu nehmen: „Wir brauchen alte Wälder, nicht nur alte Bäume.“ Sehr kritisch sah er zudem die Einbringung von jungen Fichten im FFH-Gebiet Angelberger Forst. „Wenn schon Nadelholz im Lebensraumtyp Buchenwälder, dann lieber die schattentolerante Tanne.“

Denn damit die Fichte im Schatten der alten Buchen überhaupt gut gedeihen könne und nicht vom Buchennachwuchs überholt wird, müssten in wenigen Jahren alte Bäume vorzeitig entnommen werden, um Licht in den Bestand zu bringen. Diese Wirtschaftsweise verhindere laut Straußberger somit, dass alte Wälder entstehen. Der Forstbetrieb teilt diese Ansichten nur bedingt: Laut Dr. Walter zeigen die bayernweiten Inventurdaten, dass naturschutzfachlich hochwertige Buchenwälder flächenmäßig zunehmen und dabei immer älter und dicker würden. Zudem gehöre aus Sicht des Forstbetriebs die Fichte in geringen Anteilen als Nebenbaumart zu den Buchenwaldgesellschaften.

Als sehr lobenswert bezeichneten die BN-Teilnehmer die Schutzmaßnahmen der Staatsforsten für den Schwarzspecht. Alle Bäume mit Großhöhlen wurden kartiert, mit einem speziellen Zeichen versehen und aus der Nutzung genommen. Auch Bäume ab einem gewissen Durchmesser oder absterbende Bäume bleiben von der Motorsäge verschont. Im Rahmen des Managementplans wurden im FFH-Gebiet Angelberger Forst viele kleine Altholzinseln aus der Nutzung genommen um gezielt bedrohte Fledermäuse wie das Große Mausohr und die Bechsteinfledermaus zu fördern.

Tief beeindruckt waren die Anwesenden vom Naturwaldreservat Krebswiese-Langerjergen. Seit mehr als 40 Jahren darf hier keine Nutzung mehr stattfinden. Der Wald ist geprägt von zahlreichen dicken Buchen, abgestorbenen Bäumen, die mit Moos und Pilzen überwuchert sind, und einem dichten Kronendach, das nur wenig Licht an den Boden lässt.

Beachtlich ist der hohe Totholzanteil: 200 Pilzarten und 300 Käferarten konnten hier nachgewiesen werden. Um auch extrem bedrohte und anspruchsvolle Arten zu sichern und eine Vernetzung mit den bestehenden Schutzgebieten zu fördern, wünscht sich der BN eine Erweiterung des Reservats. Der Forst-Chef zeigte sich grundsätzlich offen für Vorschläge, sofern der Fichtenanteil gering sei und durch eine Erweiterung keine Waldschutzprobleme drohen.

Dass der Naturschutz in der Forstwirtschaft einen hohen Stellenwert hat, konnte Dr. Walter den BN-Vertretern auch an den Maßnahmen des Programms „Der Wald blüht auf“ zeigen. An verschiedenen Stellen wurden im Wald Blühflächen mit standortangepassten und autochthonen Saatgutmischungen angelegt, um die Insekten- und Vogelwelt zu fördern. Der BN begrüßt dieses Engagement sehr, empfiehlt aber vor der Anlage eine Prüfung durch einen Artenschutzexperten, um sicherzustellen, dass keine wertvollen Arten auf der Fläche vorkommen, die verdrängt werden könnten.

Kritik gab es anlässlich des Streifenkahlschlags bei Rothenstein. Laut Revierleiter Kraus habe jedoch die Ausgangssituation mit nassen Böden, ungünstiger Windrichtung und geschädigten und abgestorbenen Bäumen im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht keine andere Wahl gelassen. Der Bestand sei nicht mehr zu halten gewesen, sodass man sich nach gründlicher Überlegung zu dem starken Eingriff entschieden habe. (MK)

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