Fortbildung zu Herausforderungen in Sachen Medienkompetenz

Lehrkräfte stellen sich digitalem Blitzlichtgewitter

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Waren begeistert von der großen Resonanz bei der Auftaktveranstaltung zur Lehrerfortbildung zum Thema „Medienkompetenz”: (v.l.) Günther Lehner, Melanie Fischer, Elisabeth Fuß und Oliver Kühne.

Memmingen – Instagram, Tumblr, Facebook, Twitter, WhatsApp und Co., das Internet gehört heute längst zum Alltag und überhäuft die Nutzer mit einer regelrechten Datenflut. Auch die Lehrkräfte stehen vor der großen Herausforderung, ihren Schülerinnen und Schülern den verantwortungsvollen Umgang und das Filtern der News näher zu bringen.

Die staatlichen Schulämter im Landkreis Unterallgäu und in der Stadt Memmingen hatten zum Auftakt der Fortbildungsreihe „Medienkompetenz – die vierte Kulturtechnik? Kompetenter Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken” zahlreiche Lehrkräfte ins Cineplex Memmingen eingeladen. Die erste Hürde wurde - nach einigen Anlaufschwierigkeiten - von allen gemeistert: das Einloggen ins Cineplex-Wlan. 

Zum Aufwärmen mussten die 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein kleines Fragespiel absolvieren. Eine der Fragen bei „Let’s Kahoot” lautete: „Ist Ihre Schule für die Bildungsaufgabe „Medienkompetenz” bereit? Die Antwort darauf war etwas ernüchternd: drei sahen sich in hohem Maße bereit und 25 bereit. Dem standen jedoch 29 wenig bereite und drei in keinster Weise bereite Schulen gegenüber. Das zeigt auf, dass bei mehr als der Hälfte der Bildungseinrichtungen noch großer Nachholbedarf herrscht. Vor allem, da die Mehrheit dem digitalen Zeitalter aufgeschlossen gegenüber steht und in der Bildungsaufgabe „Medienkompetenz” eine Chance für ihre Schule sieht. 

In seinem Fachvortrag beleuchtete Studiendirektor Günther Lehner (Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen) die unterschiedlichen Sichtweisen und Blickwinkel in Sachen Medienkompetenz. Dabei unterschied der Referent zwischen „Digital Natives” und „Digital Immigrants”. Während die Natives (meist die Schüler) in die digitale Welt hineingeboren wurden und der Umgang damit für sie längst zum Alltag gehört, ist diese für die Immigrants angelernt und lediglich Mittel zum Zweck. Ob am Computer, übers Tablet oder Smartphone, wer sich heute im Internet bewegt, der wird von der Vielzahl an Informationen regelrecht überflutet. Hier ist es wichtig zu lernen, wie kann die Spreu vom Weizen getrennt werden beziehungsweise wie unterscheidet man Fake News von seriösen Nachrichten. 

Bereits in der Grundschule lernen Kinder am Computer oder mit dem Tablet den Umgang mit der digitalen Technik - und dazu ist kein Wlan und Internet notwendig. Die Kinder lernen spielend, Bilder zu entschlüsseln und dabei sollen ihnen die Lehrkräfte zur Seite stehen. Kinder hätten keine Angst Fehler zu machen, so Lehner, oftmals seien es die Lehrer, die Ängste spüren: die Angst Neues zu lernen, die Angst ersetzt zu werden und die Angst, dass die Schüler mehr können als sie selbst. Er verwies auf die Möglichkeit, sich zum Filmlehrer ausbilden zu lassen. 

Im Programm „So geht Medien” geht es unter anderem darum, Lügen im Internet zu erkennen. Kritik übte Günther Lehner an der aktuellen Praxis, lediglich Klicks und Likes abzugreifen – und der Wahrheitsgehalt bleibe auf der Strecke. Anhand eines Beispiels in einem als rechtsgerichtet bekannten Medium, zeigte er die Macht der Bilder im Internet auf. Um herauszufinden, woher das im Artikel verwendete Foto ursprünglich komme, gebe es in den Browsern die Möglichkeit der Bildrecherche-Rückwärtssuche, informierte der Medienfachmann. 

Die Lehrkräfte stehen nun vor der großen Herausforderung, eine digital denkende und handelnde Jugendkultur, der sie nicht angehören, auf eine mögliche Zukunft vorzubereiten, die sie nicht kennen. „Wir müssen langsam mit der Lage wachsen, dass uns die Welle nicht überrollt, sondern wir irgendwann auf dieser Welle reiten können”, so Schulamtsleiterin Elisabeth Fuß zum Abschluss.

Kino als Lernort Filmbildung ist ein wichtiger Teil der Medienbildung. Schon seit längerem gibt es eine Kooperation mit dem Cineplex Memmingen. Lehrkräfte können dort mit ihren Schülern Filme ansehen und im Kino vor- beziehungsweise nachbearbeiten. Ein Angebot, das Melanie Fischer (medienpädagogische und informationstechnische Beraterin für Grund- und Mittelschulen in Schwaben) und Oliver Kühne, Bezirks- und Vertriebsleiter für Penzing und Memmingen der Filmtheaterbetriebe Rusch, vorstellten.

Kurzfilm-Festival 2018 

Im kommenden Jahr steht ein besonderes Highlight an: das „Kurzfilm-Festival 2018”. Teilnehmen am Kurzfilm Wettbewerb „Hier in Bayern” 2018 können alle Jahrgangsstufen der ersten bis zehnten Klassen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt – sowohl das Format als auch das Thema können frei gewählt werden. Egal, ob Stop-Motion, Zeichentrick oder Realverfilmung, die Filmlänge ist auf drei Minuten beschränkt. Die Gewinnerfilme schaffen es dann im Cineplex Memmingen auf die große Leinwand. 

Schulamtsleiterin Elisabeth Fuß dankte Schulamtsdirektor Alfred Eberle für die Möglichkeit dieser Art von Lehrerfortbildung und Oliver Kühne, der den Kinosaal zur Verfügung stellte. Am Nachmittag ging es weiter zur Mittelschule Babenhausen, wo die Teilnehmer ein „digitales Blitzlichtgewitter” erwartete. (mb)

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