Klinikum Experten geben Eltern nierenkranker Kinder Tipps

"Verbieten ist verboten!"

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Der vierjährige Hamza aus Augsburg wird zweimal in der Woche von seinem Vater zur Blutwäsche ins Klinikum Memmingen gebracht, denn seine Nieren funktionieren nicht richtig.

Memmingen - Jahr für Jahr müssen rund 3.000 Menschen aufgrund ihrer Nierenerkrankung neu an die Dialyse. Leider sind unter den Patienten auch immer rund 160 Kinder. Sie sind oft schwach, wachsen schlecht und müssen viele Tabletten schlucken. Betroffenen Familien Hilfestellungen zu geben war Ziel der 13. Fortbildungsveranstaltung „Nierenerkrankungen im Kindes- und Jugendalter“ am Klinikum Memmingen.

Der Alltag eines chronisch nierenkranken Kindes unterscheidet sich meist drastisch von dem eines gesunden: Die Buben und Mädchen müssen regelmäßig an die Dialyse und haben aufgrund der belastenden und zeitaufwändigen Blutwäsche wenig Gelegenheit für Hobbys und Freunde. Sie sind schwach, können nicht wie ihre Altersgenossen stundenlang draußen herumtoben, müssen bei der kleinsten Erkältung zur Überwachung ins Krankenhaus und sich tagtäglich an eine strikte Diät halten. Außerdem sind viele Sportarten tabu: Geräteturnen, Volleyball oder Schwimmen beispielsweise können dem permanenten Katheter in ihrem Oberkörper oder Bauch schaden, über den die Dialyse durchgeführt wird. Um diesen Kindern und ihren Eltern das Leben mit der Krankheit ein wenig zu erleichtern, führen das Klinikum Memmingen und das Universitätsklinikum Freiburg seit 13 Jahren einmal im Jahr gemeinsam eine Fortbildungsveranstaltung durch. In Freiburg werden die meisten nierenkranken Kinder des Klinikums Memmingen transplantiert. Heuer wurden auf der Veranstaltung betroffene Familien in Vorträgen über die körperliche Entwicklung ihres Kindes aufgeklärt, in Workshops psychologisch geschult, sowie über Hygieneregeln und die richtige Ernährung informiert. "Es gilt: Verbieten ist verboten!", betonte dabei die Münchner Ernährungsberaterin Irmgard Landthaler. Anstatt Kindern also Schokolade zu verwehren, die eigentlich zu viel Kalium für ihren kranken Körper enthält, solle man lieber ab und zu beim Mittagessen auf andere kaliumreiche Lebensmittel wie Kartoffeln verzichten und diese beispielsweise durch Nudeln ersetzen. Außerdem sei es wichtig, die Belastungen in der Familie immer gleich anzusprechen, empfahl Diplompsychologin Dr. Nicola Riedinger vom Klinikum Memmingen. Probleme entstünden beispielsweise häufig, wenn sich das kranke Kind überbemuttert fühle, das gesunde Geschwisterchen vernachlässigt oder die Eltern überfordert. Wie wichtig bei der Bewältigung alltäglicher Probleme Elternselbsthilfegruppen seien, betonte vor den rund 80 Zuhörern Professor Dr. Rainer Burghard, der Gründer der Memminger Kindernephrologie und Initiator des örtlichen Fördervereins zur Unterstützung nierenkranker Kinder. (MK)

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