Fußgängerzonenumbau wird viel Verständnis entgegen gebracht

"Im Schönheitssalon der Memminger Innenstadt"

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Manchmal ein Hürdenlauf für die Besucher der Memminger Innenstadt - der Fußgängerzonenumbau.

Memmingen - In den 1950er Jahren begann der Siegeszug der autofreien Innenstädte, der Flanier- und Einkaufsmeilen im Herzen der Städte. In Memmingen rollten bis Anfang der siebziger Jahre die Autos durch das Zentrum, der heute von Geschäften und Cafés gesäumten Fußgängerzone. Über 40 Jahre ist es nun her, seit den letzten Bauarbeiten der im Olympiajahr 1972 neueröffneten autofreien Innenstadt in der historischen Altstadt. Aktuell ist die Modernisierung der neuen barrierefreien "Shoppingzone" in vollem Gange, welche durch die Baustellen in der Stadt den Anwohnern, Einzelhändlern und den Besuchern einiges abverlangt. Die endgültige Eröffnung der neu gestalteten Flaniermeile in Memmingen ist für Ende nächstes Jahr geplant. Ein "schwieriges Pflaster" für alle Beteiligten – da auch unvorhergesehenes, wie "außerplanmäßige" unterirdische Funde einiges an Flexibilität erfordern.

Dabei ist Projektleiter Mathias Rothdach von der Stadt immer präsent. Auch in seinem Urlaub trifft man ihn in Memmingens "Fußrelaxzone" an, um jeden Baufortschritt mit der Kamera festzuhalten. Im Vergleich zu der Baustelle der ersten Fußgängerzone vor vierzig Jahren hat sich inzwischen einiges getan, nicht nur der rote Teppich der den Untergrund ebnen soll um für Kinderwägen, Rollatoren und Rollstühlen den Weg passierbar zu machen. Eine 98-jährige Dame aus dem Bürgerstift meinte dazu: "Ich komme dorthin, wo ich hin will, auch wenn Bergschuhe oftmals nützlich wären!" Eine andere ältere Frau mit Rollator sagt: "Es ist schwierig durch die Engstellen zu kommen" und fährt weiter fort: "Es finden sich aber immer wieder hilfsbereite Menschen, die einem unter die Arme greifen!". "Mit Kinderwagen ist das ein erheblicher Kraftakt", so eine Mutter mit zwei Kindern. "Momentan ist die Innenstadt in einer schlechten Situation für Rollstuhlfahrer", doch durch Umwege und mehr Geduld klappt es meistens ans Ziel zu kommen. Umwege und Geduld brauchen auch die Lieferanten der Einzelhändler, welche die Waren nicht vor den Geschäften direkt abliefern können. Rückgängige Umsätze seien gerade in der Baustellensituation ein großes Thema des Memminger Einzelhandels. Dem entgegenzusteuern kostet viel Energie. Rosemarie Haase, stellvertretende Abteilungsleiterin der Parfümerie Douglas formulierte es so: "Wir geben unser Bestes in dem wir selbst aktiv sind – zum Beispiel mit Kunden-Aktionen, wie spezielle Baustellenangebote, dem Glücksrad und vielem anderen mehr!". "Kunden hatten, gerade bei Lärm, viel Mitgefühl mit uns – durch den Staub und Bauschmutz sind wir ständig am putzen", so Helena Müller Teamleiterin des Geschäftes Quick Schuh. Das Team von der Hosen-Ecke nimmt es mit Humor: "Vor vierzig Jahren haben die Memminger die Baustelle überstanden, da werden wir es auch überstehen!". In einem waren sich aber alle Befragten einig: Die Bauarbeiter müssen mehr als ein dickes Fell haben, die kriegen es von allen Seiten, obwohl sie sehr bemüht sind es jedem Recht zu machen. Die freundliche und zuvorkommende Art der Arbeiter bestätigte auch Benjamin Isik von Juwelier Isik. "Wir müssen konzentriert unsere Arbeit tun und auf die Leute aufpassen!", so ein Mitarbeiter der Baufirma Dobler. Das Ergebnis einer kleinen Fußgängerzonen-Umfrage zur Baustellensituation war erstaunlich positiv - von den befragten Passanten wie auch den Geschäftsleuten. Die Zeit im Schönheitssalon der Memminger Innenstadt dauert zwar noch an, jedoch auf das Ergebnis darf man gespannt sein wie sich das Herz der Innenstadt "Von der Fußgängerzone zur Superfloorzone" weiter entwickelt. (ds)

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