Empathie und Kompetenz auf der Intensivstation

Gesundheitsminister Holetschek informiert sich im Klinikum Memmingen

Drei Männer in blauen Kitteln und Maske stehen rum
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Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (rechts) im Gespräch mit Intensivfachpfleger Reinhard Unglert (links) und dem Leiter der Operativen Intensivstation, Thorsten Lang (Mitte).

Memmingen - Der Bayerische Staatsminister für Gesundheit und Pflege, Klaus Holetschek, hat früh am Morgen die Intensivstation im Klinikum Memmingen besucht. Direkt vor Ort hat er sich von der Leistungsbereitschaft und der hohen Qualität des Teams in der Intensivpflege überzeugt.

Bei der ausführlichen Begehung der Intensivstation hat sich Holetschek direkt vor Ort über die aufwändigen Maßnahmen zur Lebenserhaltung der Patienten informieren lassen. Im Anschluss an diesen Stationsbesuch standen nicht nur der Staatsminister, sondern auch die Verantwortlichen des Klinikums für Fragen und Interviews zur Verfügung. So antworteten der Chefarzt für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Professor Dr. Lars Fischer, der Klinik-Vorstand Maximilian Mai, die Pflegedirektorin Renate Schlichthärle und der Pflegedienstleiter Sebastian Söllner auf die Fragen der Pressevertreter.

Wie der Intensivfachpfleger Reinhard Unglert erläuterte, ist auch im Klinikum Memmingen die schwierige Situation der Personalbesetzung ein Thema. So sei es nicht selbstverständlich, dass ein Intensivpfleger nach kurzer Berufszeit schon über die dringend notwendige Erfahrung bei der Versorgung der medizinischen Notfälle verfügt. Jeder Mitarbeiter in der Intensivstation braucht ungefähr zwei Jahre Berufserfahrung, bevor er sich vollständig und sicher in das Team eingearbeitet hat. Deshalb ist das Fachpersonal auch hier sehr dünn gesät, so Unglert.

Holetschek zeigte sich beeindruckt von der Komplexität der Aufgaben im Intensivbereich. Die Bedienung der Geräte, die richtige und zeitgenaue Medizinvergabe per Tabletten und Spritzen sowie auch die komplexe Dokumentation erfordern ein hohes Maß an Fachwissen, Präzision und Verlässlichkeit. Nach Ansicht Holetscheks habe die Corona-Situation sehr dazu beigetragen, die Gesamtsituation im Pflegebereich in den Fokus der Bevölkerung zu rücken. Hier hält der Staatsminister es für dringend erforderlich, die Rahmenbedingungen deutlich zu verbessern. Es sei insgesamt sinnvoll, die Gewichtung vom kommerziellen Erfolg der Kliniken hin zur ethischen Verantwortung in der Gesellschaft zu verändern. Es sei wichtig für unser aller Gesundheit, den wirtschaftlichen Erfolg nicht mehr an die erste Stelle zu setzen.

Großer Handlungsbedarf

Und gehandelt werden müsse jetzt sofort. „Wenn nicht jetzt, wann denn dann?“, so Holetschek. Als eine der ersten Maßnahmen, um den Pflegeberuf zukünftig finanziell attraktiver zu machen, denkt er beispielsweise daran, die steuerfreie Entlohnung im Pflegebereich zu erweitern. Der Verdienst müsse endlich den vielfältigen und hohen Anforderungen gerecht werden.

Auch der Klinik-Vorstand Maximilian Mai berichtete aus dem Alltag der Intensivkräfte. Was aktuell noch eher wenig Beachtung findet ist, dass die Mitarbeiter im medizinischen Bereich über ein hohes Maß an Empathie und Kompetenz verfügen. Oftmals ist ihnen nicht nur der Verdienst wichtig, sondern auch das Ethos. Zudem warnte Maximilian Mai auch davor, dass der Ärztenachwuchs nicht vernachlässigt werden sollte. Hier gibt es aus seiner Sicht in naher Zukunft, wie schon jetzt im Pflegebereich, ebenfalls einen hohen Personalbedarf.

Personalschlüssel verbessern

Pflegedienstleiter Sebastian Söllner hat auch sofort konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht. Zum Beispiel hält er den Personalschlüssel für nicht ausreichend. Es sollten sowohl Nachts, wie auch tagsüber, im Verhältnis 1:2, also eine Pflegekraft für zwei Patienten zur Verfügung stehen. Dies wäre eine deutliche Verbesserung zur jetzigen Pflege-Situation. Außerdem wäre es sinnvoll, wenn die Pflegekräfte mehr gewerkschaftlich organisiert wären, um den Forderungen nach besseren Arbeits-Bedingungen mehr Nachdruck verleihen zu können.

Zum Ende der Presskonferenz fand Professor Lars Fischer noch versöhnliche Worte. Er ist nach elf Jahren im Klinikum Memmingen sehr zufrieden damit, dass er noch immer auf hochmotivierte Pflegekräfte trifft, die sehr gut mit den Ärzten zusammenarbeiten und die dabei sehr verlässlich sind. (rb)

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