Hausärzte werden Mangelware

„Gesundheitsregion Plus“ soll Verbesserungen für das Unterallgäu bringen

Mann in blauem Jacket vor Gerümpel
+
Der Unterallgäuer Landrat Alex Eder setzt auf verstärkte Vernetzung der gesundheitspolitischen Akteure durch die „Gesundheitsregion Plus“ und hofft, so auch dem Sterben der Hausarzt-Praxen ein Ende setzen zu können.

Memmingen/Unterallgäu - Die Schließung einer Hausarztpraxis mit drei Hausärzten in Babenhausen zum Jahresende bringt eine weitere medizinische Versorgungslücke in Memmingen und dem westlichen Unterallgäu zum Vorschein. Darüber berichteten wir bereits vor einigen Tagen an dieser Stelle. Heute beschäftigen wir uns mit Möglichkeiten zur Lösung dieses - nicht nur vor Ort bestehenden - Problems.

Auch in Zukunft müssen sich die Menschen und Kommunen in der Region auf weniger Hausärzte einstellen, denn bereits heute sind hier 40 Prozent aller praktizierenden Hausärzte schon über 60 Jahre alt. Das Vertrauen auf eine automatische Nachfolge in den Praxen vor Ort hat in den vergangenen Jahren deutliche Risse bekommen.

Der Markt allein wird es nicht richten

Die Kommunen und die Akteure der Gesundheitspolitik haben zwar verschiedene Stellschrauben, doch wenn diese nicht greifen, werde es darauf hinauslaufen, „dass es der Markt letztlich richten muss“, so der Unterallgäuer Landrat Alex Eder. Er sieht in der geänderten Haltung des ausgebildeten medizinischen Nachwuchses zum Beruf des Landarztes einen wesentlichen Grund für das Sterben der hiesigen Hausarztpraxen. Die jetzt vor dem Ruhestand stehenden Mediziner versehen ihre Arbeit quasi als 24-Stunden-Job, waren bei Notfällen auch in der Nacht unterwegs und müssen sich als selbständige „Unternehmer“ auch mit allerlei „Papierkram“ und Verwaltungsarbeiten mit den Krankenkassen auseinandersetzen. Die jüngeren Ärzte wollen jedoch eher eine familien- und freizeitfreundlichere Organisation ihrer Arbeit. Das „alte“ Landarzt-Modell ist für ihre Bedürfnisse nicht mehr zeitgemäß, hinzu kommt eine große finanzielle Belastung bei der Übernahme einer bestehenden Praxis.

„Büsumer Modell“ mit Leuchtturm-Charakter

Die Kommunen versuchen unter anderem die wenigen Nachwuchsmediziner, die sich auf die Übernahme einer Praxis einlassen wollen, über die Attraktivität der jeweiligen Gemeinden zu locken, haben aber leider keine direkte Eingriffsmöglichkeiten. Es sei denn, sie entschließen sich zu einem Schritt, der vor sieben Jahren als „Büsumer Modell“ bekannt wurde. Die Gemeinde mit 5000 Einwohnern in Schleswig-Holstein wollte sich nicht mehr auf die „Marktkräfte“ verlassen. 2014 beschloss sie eine eigene Gemeindepraxis in einem Ärztehaus aufzubauen. Dort wurden dann mehrere Hausärzte fest angestellt. Dabei können sich die Mediziner ausschließlich auf ihre heilende, therapeutische Tätigkeit konzentrieren und müssen sich nicht mehr mit Verwaltungsarbeiten und dem kaufmännischen Teil beschäftigen. Das übernimmt eine eigens gegründete gGmbH. Die Gemeinde Büsum hat für das Modell knapp zwei Millionen Euro investiert. Den anfänglichen Anfeindungen zum Trotz hat sich das Modell nun schon seit sieben Jahren erfolgreich bewährt.

Gesundheitsregion Plus nimmt Arbeit auf

Für Landrat Eder wäre eine solche Lösung mittelfristig auch im Unterallgäu durchaus denkbar. Bis dahin setzt er jedoch auf die neu geschaffene „Gesundheitsregion Plus“ für das Unterallgäu und Memmingen. Seit dem vergangenen Frühjahr ist diese Institution mit Förderung aus Landesmitteln gegründet worden. Gemeinsam mit der Kommunalpolitik werden die Akteure aus dem Bereich Gesundheit und Pflege vernetzt. Die Koordination übernimmt eine dafür eingerichtete Geschäftsstelle. Seit 1. Oktober ist nun eine „Kümmererin“ für diese Koordinationsarbeit gefunden und eingestellt worden. Nicola Galm, Leiterin der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion Plus mit Dienstsitz in Memmingen, wird am 16. Dezember durch Landrat Eder und Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Region hofft dabei auf ähnliche gute Erfahrungen wie bei der ebenfalls neu geschaffenen „Bildungsregion Plus“ im Unterallgäu und Memmingen. (Tom Otto)

Auch interessant

Meistgelesen

Memmingen hat jetzt 44.444 Einwohner
MEMMINGEN
Memmingen hat jetzt 44.444 Einwohner
Memmingen hat jetzt 44.444 Einwohner
Anbau der Schwäbischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen
MEMMINGEN
Anbau der Schwäbischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen
Anbau der Schwäbischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen
Neuer Adventskalender des Rotary Club Memmingen
MEMMINGEN
Neuer Adventskalender des Rotary Club Memmingen
Neuer Adventskalender des Rotary Club Memmingen
Stephan Stracke besucht das Kinderhaus SpitzMichl
MEMMINGEN
Stephan Stracke besucht das Kinderhaus SpitzMichl
Stephan Stracke besucht das Kinderhaus SpitzMichl

Kommentare