Wer stoppt das Artensterben?

Hawangen: Landwirte und Klimaschützer diskutieren bei „Jetzt red i“

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Der bayerische Rundfunk hatte nach Hawangen geladen, um über das Volksbegehren Artenvielfalt zu diskutieren.

Hawangen – Mehr als 1,7 Millionen Menschen haben sich in Bayern auf den Weg in die Rathäuser gemacht um für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zu unterschreiben. Die dort geforderten Regelungen über Grünstreifen, Mähzeiten und Pflanzenschutzmittel sehen die Landwirte allerdings kritisch, da sie mit finanziellen Einbußen verbunden sind. Der Bayerische Rundfunk lud aus diesem Grund zur Livediskussion in die Hawanger Mehrzweckhalle. Der sStellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger und Richard Mergner, Präsident des Bund Naturschutz Bayern, stellten sich den Fragen aus dem Publikum.

Die Landwirte wehren sich gegen Einschränkungen beim Düngen, Walzen und Mähen und sehen ihre sowieso schon geringen finanziellen Erträge in Gefahr. Nicht jeder könne und wolle auf teure ökologische Landwirtschaft umstellen. Wolfgang Schaub, Landwirt aus Ottobeuren, meinte weiter, dass bei diesem Thema von den „grünen Ökobuben“ einseitige Meinungsmache betrieben werde. Ökologische Landwirtschaft könne man nicht verordnen. Die Landwirtschaft sei derzeit so massiv in der Kritik, dass es sich viele Hoferben dreimal überlegen würden, ob sie den väterlichen Hof übernehmen, ergänzte sein Sohn Phillip.

Auch Michael Boxler aus Boos klagte über die aktuelle Stimmung in der Landwirtschaft. Man sei als Landwirt inzwischen der Prügelknabe der gesamten Gesellschaft. Boxler monierte auch die mangelnde Wertschätzung gegenüber dem Produkt Lebensmittel. Die Discounter werben mit immer niedrigeren Preisen, „verramschen“ damit gut gehaltene Tiere und unterstützen ein System der Ausbeutung, so der Landwirt.

Gemeinsames Interesse

Richard Mergner vom Bund Naturschutz entgegnete, dass man doch ein gemeinsames Interesse habe. Auch die Bäuerinnen und Bauern würden von der Artenvielfalt leben. Die Landwirte haben es laut Mergner selbst in der Hand, ob ihre Lebensmittel verramscht werden. Gerade im Allgäu habe man mit der Marke „Von hier“ gezeigt, dass Menschen bereit sind, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben. Man müsse solche Chancen ergreifen, wenn man nicht den Hof schließen wolle. An der negativen Entwicklung im bäuerlichen Sektor ist laut Mergner nicht das Volksbegehren schuld, sondern die falsche Agrarpolitik. Man brauche gerechte und faire Lebensmittelpreise; 37 Cent für einen Liter Milch seien zu wenig.

Bauern an den Pranger gestellt

Hubert Aiwanger, selbst ein Landwirt, stellte sich auf die Seite der konventionellen Landwirte. Das Volksbegehren beinhalte viele Maßnahmen, welche die Bauern nun liefern müssten und daher sei es kein Wunder, dass sie sich an den Pranger gestellt fühlten. Auch Aiwanger berichtete über vermehrt junge Bauern, die sich von der Landwirtschaft abwenden. Nicht jeder Verbraucher könne die hohen Preise für Biolebensmittel bezahlen und deshalb dürfe man konventionelle Landwirtschaftsbetriebe finanziell nicht im Regen stehen lassen, sondern müsse die Einkommenseinbußen, die durch das Volksbegehren entstehen, abfangen.

Politik muss Impulse setzen

German Weber von der Stiftung Kulturlandschaft Günztal befürchtet, dass jetzt ein Keil zwischen Landwirtschaft und Naturschutz getrieben werde. Dabei wollen beide eine produktive und lebenswerte Umwelt. Weber forderte die Politik auf, Impulse zu setzen und plädierte für einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für die ökologischen Landwirtschaft. Hannelore Krahl aus Sontheim beklagte, dass die EU-Fördergelder an Flächen gebunden sind und somit hauptsächlich den Großbauern zugute kommen würden. Dem entgegnete Aiwanger, dass darüber überhaupt nichts im Volksbegehren stehe. Das sei EU-Politik und Bayern könne mit einem Volksbegehren keine EU-Gelder umschichten.

EU-Politik muss sich ändern

Auch Richard Mergner kritisierte die EU-Agrarpolitik. Er widersprach Aiwanger und meinte, dass die bayerische Regierung diese Agrarpolitik durchaus ändern könne, wenn sie sich aus der Umklammerung des Bauernverbands lösen würde. Aiwanger entgegnete, für eine Änderung der EU-Politik gebe es nicht einmal in Deutschland, geschweige denn in Europa, eine Mehrheit.

Ein weiterer Zuschauer bedauerte, dass Landwirte schon jetzt hinter dem zurückbleiben würden, was man bisher erreicht habe, und nannte als Beispiel den Bauernverband. Dieser habe aus Trotz gegen das Volksbegehren seine Landwirte aufgefordert, auf die freiwilligen Blühstreifen an Wegen und Feldern zu verzichten. Der Bauernverband torpediere hier bewusst den Naturschutz und solle aus seiner „Schmollecke“ heraus kommen und konstruktiv am Gesetzentwurf mitarbeiten. (ew)

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