Bayerischer Heilbäder-Verband fordert Startschuss:

»Wir brauchen ein Bündnis für gesunde Mitarbeiter«

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Der Vorsitzende des Bayerischen Heilbäder-Verbandes Klaus Holetschek beim Kurgipfel der Bayerischen Staatsregierung.

Unterallgäu/München - Der Bayerische Heilbäder-Verband hat die Politik, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände und Krankenkassen aufgefordert, umgehend ein übergreifendes Bündnis für Gesunde Mitarbeiter in Angriff zu nehmen. »Der Volkswirtschaft gehen durch Arbeitsunfähigkeit der Beschäftigten jährlich fast 70 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung verloren. Volkskrankheiten wie Rückenleiden oder Diabetes nehmen drastisch zu, und gleichzeitig droht ein massiver Fachkräftemangel«, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Heilbäder-Verbandes Klaus Holetschek beim Kurgipfel der Bayerischen Staatsregierung in München.

»Das ist alarmierend, das können wir uns nicht mehr leisten. Wir müssen gemeinsam eine tragfähige, langfristige Präventionsstrategie entwickeln. Nach einer Studie der Universität Bayreuth könnten 76 Prozent der durch chronische Krankheiten entstandenen Ausfälle durch Prävention verhindert werden.« Im Auftrag der Burda-Stiftung hat das Unternehmen Booz & Company errechnet, dass sich jeder Euro, der in betriebliche Prävention investiert wird, auf volkswirtschaftlicher Ebene mit fünf bis 16 Euro rechnet. Als ersten Schritt forderte Holetschek eine Expertenanhörung, um den Status Quo zu erheben und mögliche Bündnis-Partner zu erfassen. »Die Staatsregierung begrüßt diese Idee, jetzt müssen wir das auch in Angriff nehmen«, so Holetschek. Der zweite Schritt ist die Einrichtung eines Runden Tisches für das Bündnis für gesunde Mitarbeiter. »Hier sollten wir gemeinsame Positionen erarbeiten, die nächsten Schritte festlegen, sowie den Finanzbedarf und die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen klären.« Die Privatuniversität Campus M21 hat in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Heilbäder-Verband ein Konzept für das Bündnis für gesunde Mitarbeiter entwickelt. Ziel ist die Schaffung einer Kommunikationsplattform unter dem Motto »Wertschöpfung durch Wertschätzung.« Als mögliche beteiligte Partner sieht der Verband die Krankenkassen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Agenturen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement, die Politik und die bayerischen Heilbäder und Kurorte. Wie wichtig der Erhalt der Arbeitskraft ist, zeigen die demografischen Entwicklungen. Bis 2020 wird jeder dritte Arbeitnehmer 50 Jahre und älter sein. »Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass aufgrund dieser Entwicklung künftig weniger jüngere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Dann gilt es, verstärkt auf Qualifikationen, Erfahrungen und Kompetenzen älterer Mitarbeiter zu bauen.« gingen in Deutschland über 73.000 Menschen wegen psychischer Erkrankungen vorzeitig in Rente. Nach dem DAK Gesundheitsreport 2013 ist die mit Abstand auffälligste Entwicklung bei den Arbeitsunfähigkeitstagen die Zunahme von Fehltagen aufgrund psychischer Diagnosen. Seit 1997 stiegen die Fehltage hier um 165 Prozent. »Die Entwicklung in der Gesundheitsprävention steht dazu im eklatanten Widerspruch«, kritisierte Holetschek. »Seit Mitte der 90er Jahre ist die Zahl der ambulanten Vorsorgeleistungen von 900.000 bundesweit im Jahr auf rund 65.000 zurückgegangen. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen stimmen noch nicht. Bedauerlicherweise ist die von CDU/CSU und FDP erarbeitete Präventionsstrategie kein großer Wurf.« »Wir werden unseren Beitrag für eine langfristige Präventionsstrategie leisten«, betonte Holetschek. »Die bayerischen Kurorte und Heilbäder als künftige Gesundheitskompetenzzentren müssen neue, umfassende und qualitätsgesicherte Leistungsangebote entwickeln. Unser Vorteil: die Therapien und Präventionsmöglichkeiten decken die häufigsten arbeitsbedingten Folgekrankheiten und Leiden ab – also von den Muskel-Skeletterkrankungen, über die seelischen Erkrankungen bis hin zu Atemwegserkrankungen.« Die Bayerischen Heilbäder und Kurorte sind der Eckpfeiler der Gesundheitswirtschaft und spielen auch touristisch eine tragende Rolle. Im Jahr 2012 verzeichneten die Heilbäder und Kurorte 4,59 Millionen Ankünfte, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 4,8 Prozent. In diesem Zeitraum gab es 22,38 Millionen Übernachtungen (+ 1,7 Prozent). Mehr als jede vierte Übernachtung in Bayern findet in Heilbädern oder Kurorten statt. Der Verband steht für 100.000 Arbeitsplätze vor allem im ländlichen Raum, generiert eine Wertschöpfung von rund 3,7 Milliarden Euro und sorgt für einen Steuerrückfluss von 400 Millionen Euro aus Mehrwert- und Einkommenssteuer. (MK)

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