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Arbeit mit Geflüchteten in Babenhausen: „Politische Zumutungen gefährden Integration“

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Von: Tom Otto

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Babenhausen MbM-Vorstandsmitglieder
Alle MbM-Vorstandsmitglieder wurden erneut für zwei weitere Jahre wieder gewählt. Von links Cäsar Kaiser, Schriftführer; Gisela Scharping, Beisitzerin; Adi Hösle, 1. Vorsitzender; Ernst Weber, 2. Vorsitzender; Alexandra Dinh, Kassiererin; nicht mit im Bild ist Maria Molnar als zweite Beisitzerin. © Tom Otto

Babenhausen - Der Verein „Menschen begegnen Menschen“ (MbM) zog auf seiner ersten Präsenz-Hauptversammlung seit drei Jahren eine gemischte Bilanz der Arbeit mit Geflüchteten. Zum einen könne man stolz auf das bisher erreichte sein, so der alte und neue Vorstand Adi Hösle. „Alle Geflüchteten, die in Babenhausen eine Anerkennung und einen Aufenthaltsstatus haben, haben auch eine Arbeit gefunden.“ Andererseits ließen die Bundes- und Landesbehörden mit ihrer aktuellen Asylpolitik die Gemeinden, Schulen und Hilfsorganisationen alleine. „Es scheint, dass die Fehler der Jahre 2014 und 2015 erneut gemacht werden und die Integrationserfolge gefährden“, so Hösle.

Im Jahr 2022 sei wieder eine verstärkte Nachfrage nach Unterstützung der Geflüchteten durch ehrenamtliche Helfer zu verzeichnen. Einerseits kamen etliche Geflüchtete aus der Ukraine, die auf Hilfe und Orientierung angewiesen sind, in den Fuggermarkt. Zum anderen hatte das Landratsamt Unterallgäu aktuell im November 2022 weitere 25 Geflüchtete, darunter 14 Kinder, aus den Krisengebieten in Afghanistan, Syrien, dem Irak und dem Iran einer Unterkunft in Babenhausen zugewiesen. Derzeit seien in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Babenhausen über 140 Menschen ohne Anerkennungsstatus aus insgesamt 18 Nationen untergebracht, davon über 80 aus der Ukraine. In Kürze werden weitere mindestens 35 Geflüchtete, meist Familien mit Kindern, in Babenhausen erwartet.

Faktisches 2-Klassen-Asylrecht: Diskrepanz in der Unterstützung von Geflüchteten

Die Vereinsmitglieder berichteten von wiederholten Fällen von Leistungsverweigerungen der Behörden trotz höchstrichterlichen Entscheidungen, so zum Beispiel dem Zugang zu einem kostenfreien WLAN-Netz. Hier muss MbM oft in Vorleistung treten, um die Wogen zu glätten. Große Hürden müssten die aus Asien und Afrika geflüchteten Menschen auch beim Versuch, in den hiesigen Arbeitsmarkt aufgenommen zu werden, nehmen. Die Diskrepanz in der Unterstützung von Geflüchteten aus diesen Ländern und denen aus der Ukraine sei offensichtlich und schaffe neben einem faktischen 2-Klassen-Asylrecht auch große Unzufriedenheit und Irritationen. Die Gemeinden und neuerdings auch die Schulen würden wegen der zunehmenden Zahl von schulpflichtigen Kindern mit nicht ausreichenden Kapazitäten oft alleine gelassen.

Neuwahl der Vorstandschaft: Hilfsorganisation zeigt Kontinuität

Auf der Tagesordnung stand auch die Neuwahl der Vorstandschaft. Auch dabei zeigte die Hilfsorganisation Kontinuität: Alle Vorstandsmitglieder wurden erneut einvernehmlich und ohne Gegenstimmen für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Der Verein mit aktuell etwa 70 Mitgliedern leistet praktische Hilfe bei Behördengängen, Arztbesuchen, Arbeitssuche und vielem anderem mehr. Aktuell wurde die Fahrradwerkstatt des Vereins geschlossen, da das Haus, in dem sie beheimatet war, demnächst abgerissen wird und der Rathauserweiterung weichen muss. Tommy Vogt, der die Fahrradwerkstatt betreute, berichtete, dass in den vergangenen Jahren insgesamt etwa 400 Fahrräder repariert und wieder fahrtauglich gemacht wurden. Sollte sich aufgrund des absehbaren Neu-Andrangs von Geflüchteten erneut ein Bedarf zeigen, sei man kurzfristig in der Lage darauf zu reagieren.

Anfallende Betreuungsarbeiten nicht einfach auf die „billigen unbezahlten Ehrenamtlichen“ abwälzen

Grade in den Anfangsjahren 2014 bis 2016 wurde MbM wegen der Integrationsmodelle in den lokalen Arbeitsmarkt unter anderem vom Bundesministerium für ländliche Entwicklung ausgezeichnet. Um schnell eine bessere Integration zu ermöglichen, ruft der Vorstand jetzt interessierte und hilfsbereite Mitbürgerinnen von Babenhausen und Umgebung auf, den Menschen zu helfen. „Wir benötigen zusätzliche Hilfe für die Kinder, Fahrten ins Landratsamt oder ins Bundesamt für Migration“, so Vorstand Hösle. Das größte Problem seien die fehlenden helfenden Hände. Hösle forderte die Verantwortlichen auf, die anfallenden Betreuungsarbeiten nicht einfach auf die „billigen unbezahlten Ehrenamtlichen“ abzuwälzen, sondern sich finanziell am aktuellen Mindestlohn zu orientieren.

Wöchentliches Treffen

Interessenten können zum wöchentlichen Treffen des Vereins MbM im Evangelischen Gemeindehaus, jeweils am Dienstag um 17 Uhr kommen oder Adi Hösle unter Telefon 01525/3870244 erreichen.

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