Massives Polizeiaufgebot begleitet drei Kundgebungen am Sonntag

Memmingen:  Hunderte demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen

Menschen auf großem Parkplatz
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Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Sonntag auf dem BBZ-Parkplatz gegen die Corona-Maßnahmen und die Situation im Land.

 Memmingen – Quer durch alle Altersgruppen und bunt gemischt – von der jungen Familie mit Kindern über den situierten Unternehmer bis zur älteren Generation – versammelten sich am Sonntagnachmittag mehrere hundert Menschen auf dem BBZ-Parkplatz, um gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen und die Situation in unserem Land zu demonstrieren.

Wer sich am Sonntagnachmittag auf den Weg zum BBZ-Parkplatz an der Bodeseestraße aufmachte, dürfte nicht schlecht gestaunt haben angesichts der massiven Polizeipräsenz rund um den Bereich und auf dem Gelände. Gut 50 Einsatzfahrzeuge und somit sicher mehr als 100 Beamtinnen und Beamte waren allgegenwärtig und sollten für Ordnung und die Einhaltung der Hygienemaßnahmen sorgen.

Drei angemeldete Demos

Angemeldet war zum einen eine Demonstration von Gegnern der aktuellen Corona-Vorschriften, dabei handelt es sich um die selben Veranstalter, die regelmäßig am Montagabend ab 18 Uhr auf dem Memminger Marktplatz zusammen kommen und zum Widerstand gegen die aktuelle Politik aufrufen. Daneben waren zwei Gegendemonstrationen angemeldet und genehmigt worden: der Soziokulturelle Verein Memmingen hatte eine Fahrraddemo organisiert (laut Polizei mit 32 Teilnehmern), weitere rund 100 lautstarke Gegner der Hauptkundgebung hatten Linke und Antifa mobilisiert.

Sirenen stören Versammlung

Laut Veranstalter zwischen 600 und 800 Menschen (die Polizei sprach offiziell von 550) waren dem Aufruf gefolgt, der geplante Beginn der Veranstaltung musste um gut eine Stunde verschoben werden, da pünktlich um 15 Uhr plötzlich zwei Sirenen, die widerrechtlich auf Straßenlaternen angebracht und offenbar per Fernbedienung aktiviert worden waren, einen ordnungsgemäßen Ablauf der Veranstaltung unmöglich machten. Erst nach einer Stunde gelang es Bauhofmitarbeitern, die Sirenen zu entfernen. Diese wurden von der Polizei sichergestellt, die nun versucht, so Pressesprecher Dominic Geißler, die Verursacher und wegen grober Störung des Versammlungsrechts zu ermitteln. Geißler bestätigte auch, dass mehrere Strafanzeigen diesbezüglich von Demo-Teilnehmern vorliegen.

„Wollen die Mitte der Gesellschaft“

„Soweit sind wir schon in diesem Land“, kommentierte ein Teilnehmer die Vorkommnisse, „dass man nicht nur als Querdenker oder Spinner bezeichnet wird, wenn man sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt. Jetzt greift man schon zu solchen Mitteln. Das ist alles andere als demokratisch“.

Ab 16 Uhr kamen dann mehrere Redner zu Wort, die ihren persönlichen Blick auf die momentane Situation warfen. So rief der ehemalige Polizeikommissar Karl Hilz die Anwesenden auf, sich nicht in die rechte oder linke Ecke stellen zu lassen. „Wir wollen und wir sind die Mitte der Gesellschaft“, so Hilz. Merkel und Söder bezeichnete er als Zentralkomittee 2.0. Der selbständige Veranstaltungsunternehmer Harald Krassa beklagte, dass er seit nunmehr einem Jahr keine Einnahmen mehr erzielen kann und wunderte sich: „Wo sind die ganzen Veranstalter, die Einzelhändler, die Gastronomen? Warum sind die heute nicht hier?“

Und eine Schülerin aus Memmingen machte in sehr aufgebrachten Worten auf die schwierige Situation der Mädchen und Jungen aufmerksam, die nun schon seit Wochen im Homeschooling sind und immer wieder vertröstet werden.

Kaum Verstöße

Laut Polizei-Pressesprecher Geißler wurden trotz der vielen Teilnehmer lediglich zwei konkrete Verstöße gegen die Maskenpflicht aufgenommen. Die Kräfte der Polizeiinspektionen Memmingen und Kempten wurden an diesem Tag von Beamtinnen und Beamten der Bereitschaftspolizei sowie der Bundespolizei unterstützt. (es)

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