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IHK-Umfrage: Die Energiekrise gefährdet den Wirtschaftsstandort

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Hohe Energie- und Materialpreise sowie Lieferengpässe: Viele Unternehmen im bayerisch-schwäbischen Wirtschaftsraum sehen sich in ihrer Existenz bedroht (Symbolfoto) © PantherMedia/Pictograph

Region - Die bayerisch-schwäbische Wirtschaft befindet sich aufgrund der Energiekrise in einer gefährlichen Lage. Viele Unternehmen sind sogar in ihrer Existenz bedroht. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der IHK Schwaben hervor.

Demnach ist jeder dritte Betrieb aus Industrie und Bauwirtschaft von Produktionsausfällen oder -einschränkungen betroffen. Jedes vierte Unternehmen sieht das eigene Geschäftsmodell in Gefahr. „Der stark industriell geprägte süddeutsche Raum verspielt gerade seine wirtschaftliche Führungsposition – sowohl innerhalb Deutschlands als auch im internationalen Vergleich“, sagt Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben.

Alarmierende Ergebnisse

Wie stark die Energiekrise die regionale Wirtschaft trifft, verdeutlicht die aktuelle Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen der IHK-Regionalversammlungen. 131 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Produktion, Handel und Dienstleistungen gaben zwischen 7. und 9. September Auskunft zu ihrer derzeitigen Lage und zu ihren Aussichten. Die Ergebnisse sind alarmierend: Demnach gibt mehr als ein Drittel der Unternehmen an (37 Prozent), von den Kostensteigerungen bei Strom stark oder sehr stark betroffen zu sein. Beim Energieträger Gas ist es ebenfalls mehr als ein Drittel (35 Prozent). Höhere Energiekosten schlagen bei nahezu allen Befragten (98 Prozent) durch.

Für die Auswirkungen der Energiekrise findet der IHK-Hauptgeschäftsführer deutliche Worte: „Wenn wir diese Krise nicht in den Griff bekommen, werden immer mehr Unternehmen in Schieflage geraten. Wir müssen verhindern, dass sich die Energiekrise zur Axt am Stamm des Wirtschaftsstandorts Bayerisch-Schwaben entwickelt“, erklärt Lucassen. 44 Prozent der Unternehmen berichten von Ausfällen in der Lieferkette, 25 Prozent sehen das eigene Geschäftsmodell bedroht.

Vorboten einer Deindustrialisierung

Die bayerische-schwäbische Wirtschaft reagiert mit mehreren Maßnahmen auf die Krise. Der Großteil spart Energie ein (84 Prozent) und gibt die Kostensteigerungen über höhere Verkaufspreise weiter (74 Prozent). Fast die Hälfte der Unternehmen schiebt geplante Investitionen auf, was besonders die Zukunftsfähigkeit des Standorts bedroht. Knapp jedes zehnte Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits Produktionskapazitäten in andere Regionen verlagert oder plant dies. Für den IHK-Hauptgeschäftsführer sind das ernste Warnzeichen: „In einigen Firmenzentralen fallen bereits Entscheidungen gegen den hiesigen Wirtschaftsstandort. Eine Abwanderungsbewegung ist damit in Gang gesetzt. Das sind klare Vorboten einer Deindustrialisierung unserer Region.“

Aus Sicht der Wirtschaft ist jetzt entschlossenes Handeln der Politik gefragt: „Die politisch Handelnden müssen ihre parteitaktischen Überlegungen nun hinten anstellen und sich einzig und allein auf die Lösung dieser Jahrhundertkrise konzentrieren“, betont Lucassen. Angesichts der dramatischen Lage gehe es aber nicht um kleinteilige Eingriffe, sondern um den großen Wurf, der auch vor manchen Tabus nicht Halt machen dürfe.

Aus Sicht von Lucassen gibt es mehrere Stellhebel zur Bewältigung der Krise: „Zunächst muss alles getan werden, um das Strom- und Gasangebot zu maximieren. Daraus ergibt sich, dass alle verfügbaren Kapazitäten zur Stromproduktion auch tatsächlich genutzt werden und die Hemmnisse des Ausbaus weiterer Kapazitäten endlich fallen. Zusätzliche Kosten auf den Strompreis wie CO2-Abgabe und Stromsteuer müssen umgehend auf das europäische Minimum gesenkt werden.“

Auch beim Entlastungspaket sieht Lucassen Handlungsbedarf. Dieses sollte schnell um gezielte Unterstützungsmaßnahmen für den Mittelstand ergänzt werden. „Trotz der ordnungspolitischen Risiken erscheint es zudem notwendig, die komplexen Mechanismen des europäischen Strommarktes zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.“

(MK)

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