Inklusionsempfang in den Unterallgäuer Werkstätten

„Alles inklusiv?!“

+
Die Landtagsabgeordnete Margit Wild sprach in den Unterallgäuer Werkstätten über Inklusion an Schulen.

Memmingen – Unter dem Motto „Alles inklusiv?!“ lud die Füssener SPD-Landtagsabgeordnete Ilona Deckwerth zu einem Inklusionsempfang in die Unterallgäuer Werkstätten in Memmingen. Hauptrednerin war die Sprecherin der bayerischen SPD-Landtagsfraktion für schulische Inklusion, Margit Wild.

Nach zwei kurzen Einführungen durch Bezirksrätin Petra Beer und Gastgeberin Ilona Deckwerth lobte die Hauptrednerin zuallererst das Engagement der Menschen in Bayern. Man könne über die Inklusion in Bayern positiv und negativ reden, aber man könne nicht sagen, dass vor Ort nichts passiere. „Die Bayern sind Anschieber und die wollen das machen und das ist einfach schön“, so Wild. Es habe sich viel verändert in den letzten Jahrzehnten und so erzählt sie von einem Fall aus den frühen Achzigern, als ein behindertes Kind auf einem Bauernhof einfach in den Hasenstall gesperrt wurde, wenn die Eltern aufs Feld mussten. Es lägen Welten zwischen früher und heute und gerade die pädagogische Ausbildung, das Wissen und die Ausbildung der Lehrkräfte hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Glück sehr verbessert. 

Leider sei man bei dieser Arbeit aber noch lange nicht am Ziel. Es sei bei weitem noch nicht so, dass alle Menschen gleich an Würde und gleich an Rechten seien, betonte Wild. Die Landtagsabgeordnete prangerte auch das Weltbild in punkto Arbeit an. Jeder sei auf sich alleine gestellt, müsse immer mehr Leistung bringen und immer verfügbar sein. Die Menschlichkeit habe in dieser straffen Arbeitswelt einfach keinen Platz mehr. Wild stellte die Frage, wie das Menschenrecht Inklusion mit dieser Einstellung in der Arbeitswelt vereinbar sei. Um diese Zustände zu verbessern, habe man im Jahr 2009 eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention eingerichtet. Das sei ein Novum, denn das gebe es nur in Bayern.

Kritik am Schulssystem 

Inklusion sei aber nicht nur die Aufgabe der Förder- und Mittelschulen. Gerade bei Realschulen, Gymnasien und Universitäten sieht die Rednerin ein großes Inklusionsdefizit. Schuld sei das Leistungssystem, bei dem man einen bestimmten Notenschnitt benötige, um diese Schulen zu besuchen. Hier würden Grenzen gesetzt und man müsse sich durchaus die Frage stellen, ob es Sinn mache, ein mehrfach behindertes Kind auf Wunsch der Eltern ins Gymnasium zu schicken. Das könne bei manchen Behinderungen funktionieren, aber grundsätzlich würde sie ein großes Fragezeichen dahintersetzten, so Wild. 

Man müsse in jedem Fall abwägen, aber leider habe es die interfraktionelle Arbeitsgruppe in den vergangenen neun Jahren nicht geschafft, eine andere Leistungsbewertung einzuführen. Man müsse Kinder nach ihren individuellen Lernfortschritten bewerten anstatt nach Noten. Nach Ansicht der gelernten Heilpädagogin sollten auch nicht alle Schüler am Ende des Schuljahres dasselbe Ziel erreichen müssen. 

Wild freute sich, dass man in der Regierung nun eine Stabsstelle Inklusion einrichten konnte. Leider verfügt die Stelle aber nur über zwei, allerdings sehr engagierte, Mitarbeiter in einem riesigen Regierungsapparat. Wild befürchtet, dass es nach der nächsten Landtagswahl die interfraktionelle Arbeitsgruppe nicht mehr geben wird. Wichtig sei auch, wie der zukünftige Ministerpräsident das Thema einschätzt. 

Wild rügte auch die universitäre Ausbildung der Lehrkräfte. Hier müsste erst einmal eine Basis hergestellt werden. Laut Wild muss sichergestellt werden, dass jeder Lehrer, egal für welches Lehramt oder welchen Schultyp er sich entscheidet, ein Grundwissen über die sozial-emotionale Verhaltensweise von Schülern erhält. Ebenfalls für verbesserungswürdig hält die Landtagsabgeordnete die Schulbegleitung. Beantragen müsse man diese beim Bezirk, aber ihrer Meinung nach sei das Kultusministerium des Freistaates dafür zuständig. Weiter forderte sie ein Qualifizierungsbild für diese Tätigkeit. Es müsse festgelegt werden, was ein Schulbegleiter überhaupt können muss. (ew)

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Memmingen
Babys der Woche im Klinikum Memmingen
localjob.de jetzt auch als kostenfreie App für iOS und Android
localjob.de jetzt auch als kostenfreie App für iOS und Android
Schauen, Schlemmen und Shoppen beim 4. Rudolf-Diesel-Straßenfest
Schauen, Schlemmen und Shoppen beim 4. Rudolf-Diesel-Straßenfest
OB tauft neues DLRG-Rettungsboot
OB tauft neues DLRG-Rettungsboot

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.