Der Antisemitismus war nie weg

Internationaler Museumstag in Memmingen: Open-Air-Ausstellung „VerVolkt“ zeigt Antisemitismus in der Gesellschaft auf

Ausstellung „VerVolkt“ im Stadtmuseum in Memmingen.
+
Nicht einmal Kinder blieben von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten verschont. Auch sie stehen im Fokus der Ausstellung „VerVolkt“.

Memmingen - Zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 16. Mai, eröffnet das Stadtmuseum Memmingen um 11 Uhr auf dem Martin-Luther-Platz die Open-Air-Ausstellung „VerVolkt – dieses Projekt kann Spuren von Nazis enthalten“. Das Museum beteiligt sich damit am Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Mit diesem Ausstellungsprojekt will das Stadtmuseum Memmingen auf Antisemitismus in der Gesellschaft aufmerksam machen. Ein Antisemitismus, der nie wirklich verschwunden war, sondern immer noch allgegenwärtig ist. Aber vor allem soll das Projekt an die Verfolgten und an die Opfer des Nationalsozialismus in Memmingen und dem Unterallgäu erinnern.

Die Ausstellung befasst sich unter anderem mit der Geschichte der kleinen Gabi, die mit fünf Jahren in Auschwitz ermordet wurde.

Die Open-Air-Ausstellung „VerVolkt“ auf dem Martin-Luther-Platz thematisiert von den Nationalsozialisten verfolgte Opfergruppen, Verbrechen und Schandtaten der NS sowie den aktuellen Rechtsradikalismus und Antisemitismus im Allgäu. Dabei sollen schicksalhafte Ereignisse der NS-Zeit zusammen mit aktuellen rechten Tendenzen zum Austausch, zum Erinnern und zur Diskussion im öffentlichen Raum anregen. Zugleich laden Erinnerungsboxen zum Mitmachen ein. Mit QR-Codes sind dort auch Filme hinterlegt, die zusätzliche Informationen für die Besucher bereitstellen.

Das Projekt „VerVolkt“ versteht sich laut Auskunft des Stadtmuseums als „Teil einer Erinnerungslandschaft“. Sie sei als Informationsgrundstock gedacht, der durch weitere Ausstellungsangebote und Veranstaltungen in der Stadt vertieft werden soll.

Das Stadtmuseum Memmingen ist entsprechend den aktuell geltenden Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen. Sobald es wieder öffnen darf, erwarten die Besucher weitere Projekte zum Thema: In Schicksalsberichten, Fotografien und Filmen werden vom Nationalsozialismus Verfolgte aus Memmingen und dem Allgäu betrachtet.

Im Fokus stehen Schicksalsberichte Memminger Jüdinnen und Juden, die von den Nazis so betitelte „Rassenschande“ auf dem Land, verfolgte Kinder und Jugendliche sowie Berichte über Nachkommen von Verfolgten des Nationalsozialismus. Leo Hiemers Film „Kann Spuren von Nazis enthalten“ bildet das Zentrum des Projekts. Fotografien von Julius Guggenheimer und Zeichnungen aus dem KZ-Außenlager Kempten ermöglichen einen zusätzlichen Blick in die Vergangenheit.

Mit der Wanderausstellung „Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz“ wird das Ausstellungsprojekt abgerundet. Sie gibt Einblick in das Leben von Gabriele Schwarz. Fünf glückliche Jahre verbrachte das kleine Mädchen im Kreis einer Bauernfamilie, geliebt wie ein eigens Kind. Doch wie hunderttausende andere Kinder wurde auch Gabi ein Opfer des Rassenwahns der Nationalsozialisten. 1942 wurde ihre Mutter, eine Jüdin aus Augsburg, ermordet. Ein Jahr später hieß es auch für die kleine Gabi Abschied nehmen von ihrer Allgäuer Heimat. Über das Zwischenlager München-Berg am Laim kam sie nach Auschwitz, wo sie an Ort und Stelle in der Gaskammer umgebracht wurde. In fünf Stationen kann man ihr Aufwachsen auf dem Bauernhof verfolgen. Fotos, Spiel- und Anziehsachen von Gabi sind zu sehen, in einer Hörstation wird ihr Schicksal nach dem Abschied von ihren Pflegeeltern erzählt, in einer Videostation erinnern sich Zeitzeugen an das kleine Mädchen.

Als Sammlungsprojekt soll „VerVolkt“ laut Stadtmuseum der Anfang eines partizipativen Aufarbeitungsprozesses sein, aber keine vollständige Ergebnispräsentation. So sind auch die Besucher eingeladen, Erinnerungsstücke, Fotografien, Dokumente, Objekte, aber auch ihr Wissen und ihre Erinnerungen sowie Ansichten und Zukunftsperspektiven zu diesem Thema miteinzubringen, und zwar per E-Mail an stadtmuseum@memmingen.de. Im Herbst wird dann mit „VerVolkt II“ eine Ausstellung der Sammlungsergebnisse im Stadtmuseum präsentiert. (MK)

Auch interessant

Meistgelesen

Landestheater heute Abend rot erleuchtet
Landestheater heute Abend rot erleuchtet
Dr. Robert Meisen leitet das Sozialpädiatrische Zentrum
Dr. Robert Meisen leitet das Sozialpädiatrische Zentrum
Elektrischer Regionalverkehr kommt weiter voran
Elektrischer Regionalverkehr kommt weiter voran

Kommentare