„Wald und Wild ist möglich“

Jagdpächter wehren sich gegen Memminger Forstamtleiter

Im Wald Sonne scheint durch Bäume
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Die geplante Neuregelung der Pachten der städtischen Jagdreviere sorgt aktuell für Unmut bei einigen betroffenen Jagdpächtern. Sie wehren sich gegen den Vorwurf des Forstamtsleiters, ihre Abschusszahlen bei Rehwild nicht einzuhalten.

Memmingen - Am 20. September hatte der Memminger Stadtrat vor, die Pachten der städtischen Jagdreviere neu zu regeln. Letztlich wurde die Abstimmung darüber vertagt und soll voraussichtlich am 18. Oktober erneut auf die Tagesordnung gesetzt werden. (Wir berichteten in der Ausgabe vom 25.9.21).

Als einen der wichtigsten Gründe für die Neuregelung wurde vom städtischen Forstamtsleiter Stefan Honold der Wildverbiss in den Pachtrevieren genannt, der verhindere, dass die dringend notwendige Verjüngung des Waldes und die Umstellung auf strapazierfähigere Baumarten gelinge. Daran seien vor allem die geringen Abschusszahlen beim Rehwild schuld; letztlich die privaten Jagdpächter, die ihren Abschussplan nicht erfüllten.

Dagegen haben sich einige Jäger, die Pachten von städtischem Wald haben, nun in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Manfred Schilder gewandt. „Unrichtig ist, dass die Verbiss-Situation in den Revieren, wie vom Referatsleiter eingangs erwähnt, deutlich zu hoch ist“, heißt es dort. Andreas Ruepp, Jagdpächter und Unterzeichner des Offenen Briefes, hält dagegen. Alle drei Jahre fertigt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Mindelheim ein so genanntes „Wildverbiss-Gutachten“ revierweise an. Im letzten Gutachten habe der Leiter des AELF Mindelheim, der Leitende Forstdirektor Rainer Nützel, für das Jagdrevier von Andreas Rupp und Anton Peter einen „tragbaren“ Zustand festgestellt. (Skala: Günstig, tragbar, zu hoch, deutlich zu hoch).

„Einige arbeiten vorbildlich“

Auf Nachfrage vom „Memminger Kurier“ bestätigte Rainer Nützel nun die Richtigkeit dieser Aussage, verweist jedoch auf die anderen städtischen Reviere, von denen „die meisten einen zu hohen Wildverbiss aufweisen“. Zu hoher Wildverbiss stehe jedoch einer geforderten „vorbildlichen Bewirtschaftung der Wälder entgegen.“ Wie die notwendige Verjüngung des Waldes und die Umstellung der Baumarten insbesondere auf Tannen, Bergahorn und Buchen am besten, kostengünstigsten und schnellsten gelinge, könne damit noch nicht beantwortet werden. „Jedenfalls müssen wir dahin kommen“, so Nützel.

Pächter Andreas Ruepp wehrt sich auch gegen die Darstellung, dass die Stadtforstverwaltung kaum mehr Einfluss auf die Jagd bei einer erneuten Jagdverpachtung für neun Jahre hätte. „Richtig ist, dass gerade bei der Abschussplanerfüllung die Stadtverwaltung als Eigentümerin sehr wohl alle drei Jahre bei der Erstellung der Rehwildabschusspläne maßgeblich Einfluss nehmen kann.“ Bei den von den bisherigen Pächtern gewünschten Pachtverträgen handele es sich um eine Weiterverpachtung, welche nicht an die neun Jahre gebunden sei, diese sei nur bei Erstverpachtungen zwingend vorgeschrieben. Es könnten daher auch Pachtverträge auf drei Jahre vergeben werden, so Jäger Ruepp.

Darüber hinaus zweifeln die Pächter auch die dargestellten Kosten für die Vermarktung des anfallenden Wildfleisches durch die Stadt an. Die optimistischen Aussagen von Forstamtsleiter Stefan Honold seien unrichtig, es drohe vielmehr ein jährliches fortlaufendes Defizit für jedes anfallende Stück Rehwild, so die Pächter.

Vorbildliche Jäger belohnen

Ob die kritisierte Umwandlung der bisherigen Pachtverträge auf Eigenjagdreviere der Stadt der richtige Weg ist, müsse sich noch zeigen, so AELF-Leiter Rainer Nützel. Dies sei jedoch eine politische Entscheidung der Stadt Memmingen. Der Leitende Forstdirektor kennt die Wälder des Unterallgäus und der Stadt Memmingen seit Jahren sehr gut. Er zeigt auch Verständnis für den Groll der Jäger, insbesondere derer, die ihr bisheriges Revier stets vorbildlich bewirtschaftet haben. Die Jäger, die bisher alles richtig gemacht hätten, würden bei einer flächendeckenden Umstellung auf Eigenjagd der Stadt im Grunde für die anderen mitbestraft. „ Ein Kompromiss“, so Nützel „ könnte ja vielleicht darin bestehen, dass man die, die einen guten Job gemacht haben, weitermachen lässt und nach ein paar Jahren vergleicht, welche Verpachtungsform für den Wald erfolgreicher war.“ (Tom Otto)

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