Insektenschutz und Klimawandel

Jahreshauptversammlung des BUND Naturschutz

+
Wie man den eigenen Garten möglichst naturnah gestalten kann, erklärte Christof Wegner bei der Jahreshauptversammlung des BUND Naturschutz.

Unterallgäu - Christof Wegner aus Frickenhausen, Meister für Gartenlandschaftsbau, referierte auf der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe des BUND Naturschutz über naturnahe Gärten und das menschliche Bedürfnis nach Spielräumen und Naturerfahrung. Der Biologe Dr. Michael Schneider berichtete über den Zustand der heimischen Bachmuscheln und Libellen und zeigte lokale Auswirkungen des Klimawandels auf Flora und Fauna auf.

Zuvor blickte der Kreisgruppenvorsitzende Helmut Scharpf jedoch auf das vergangene Naturschutzjahr zurück und stellte den knapp 50 Teilnehmern das neue Jahresprogramm mit Schwerpunkt „Insektenschutz“ vor.

In einer Bildpräsentation wurden die Mitglieder über wichtige Ereignisse und über die zahlreichen Aktionen in den Ortsgruppen informiert. Beispielhaft wurden hierbei die Amphibiensammlungen, die Initiative zur Verwendung von Recyclingpapier in Kommunen und Schulen, die Baumpflanzaktionen und die Zusammenarbeit der Bündnispartner des Volksbegehrens Artenvielfalt erwähnt. Außerdem hat die BN-Kreisgruppe 2018 durch eine erfolgreiche Mitgliederwerbung fast 800 neue Unterstützer hinzugewonnen. Der internationale Schülerstreik „Fridays for Future“ lasse darüber hinaus hoffen, auch in Zukunft aktive Mitstreiter für den Naturschutz gewinnen zu können.

Ein großes Problem stellt nach Ansicht de BUND im Unterallgäu der Flächenfraß dar. Zwei Referenten beschäftigten sich auf der Jahreshauptversammlung mit den Themen Insektensterben und Artenvielfalt – gleichsam als Auftaktveranstaltung zum Leitthema, das in 2019 auch in den zehn Ortsgruppen aufgegriffen werden wird.

Dr. Michael Schneider berichtete über das Biodiversitäts-Projekt „Bachmuschel und Libellenbäche im Landkreis Unterallgäu“, ein gemeinsames Vorhaben des BN mit dem Landschaftspflegeverband. Im vergangenen Jahr seien die ohnehin schon geringen Bestände der Bachmuschel im Unterallgäu zusätzlichen Belastungen ausgesetzt gewesen. Einmal seien im Sommer Bäche ausgetrocknet und die Rettung der dortigen Populationen nur dem Einsatz der aktiven Mitglieder und Jugendgruppen des BN sowie der Freiwilligen Feuerwehr zu verdanken, mit deren Hilfe der größte Teil der Muscheln temporär umgesiedelt oder feucht gehalten werden konnte. Eine weitere Gefahr stellen eingewanderte Fressfeinde dar. Es seien in den betroffenen Biotopen Maßnahmen zur Vergrämung oder notfalls Bekämpfung von Bisam und Krähen nötig, da die Verluste an Muscheln zu hoch seien. Ähnliches gelte für die Lebensräume bestimmter Libellenarten wie der Helmazurjungfer, deren Einzelbiotope dringend vernetzt werden müssten, um ein Aussterben durch mangelnden genetischen Austausch zu verhindern.

Anschließend berichtete der Biologe über seine eigenen Forschungen zu einer noch unterschätzten Bedrohung für die heimische Natur. „Der Klimawandel ist bereits heute deutlich spürbar, wird aber in Zukunft noch weitreichendere Folgen haben“, so Schneider. Mit Daten, die in jahrelanger Arbeit erhoben wurden, zeigte sein Vortrag den Naturschützern einen Ausblick auf die Zukunft. Die immer stärker veränderten Zug- und Brutzeiten von Vögeln, die immer frühere und längere Vegetationsphase von Indikatorpflanzen, die Häufung extremer Wetterereignisse und das Auftreten neuer Arten wie der Tigermücke im Allgäu zeigten einen Trend, der sich in Zukunft verstärken und nur durch schnelle, wirksame Maßnahmen vielleicht zu bremsen sein werde.

Anhand zahlreicher Bilder machte Naturgartenbauer Christof Wegner deutlich, was einen naturnahen Garten ausmacht, wie er geplant und angelegt wird. Der Gartenfachmann bat darum, abgeschnittene Pflanzenteile nicht zu entsorgen oder zu häckseln, sondern in aufrechten Bündeln im Garten zu belassen. Denn in den oft hohlen Stängeln überwintern und nisten zahlreiche Insektenarten. Auch abgestorbenes Holz sei ein wertvoller Lebensraum – deshalb sollten laut Wegner auch tote Bäume eine Daseinsberechtigung über das Leben hinaus erhalten. (MK)

Auch interessant

Meistgelesen

Jetzt für die Mädle aus der Region Memmingen abstimmen und tolle Preise gewinnen!
Jetzt für die Mädle aus der Region Memmingen abstimmen und tolle Preise gewinnen!
Zwei neue Ausstellungen in der MEWO Kunsthalle eröffnet
Zwei neue Ausstellungen in der MEWO Kunsthalle eröffnet
Podiumsdiskussion des BBV zum Volksbegehren Artenvielfalt
Podiumsdiskussion des BBV zum Volksbegehren Artenvielfalt
Sommerkonzert der städtischen Sing- und Musikschule Memmingen
Sommerkonzert der städtischen Sing- und Musikschule Memmingen

Kommentare