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Kinderparlament in Buxheim: Seit zehn Jahren das Sprachrohr der Kinder

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Von: Tom Otto

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Unterallgäu: Kinderparlament in Buxheim
Die „Neuen“ aus den 2. Jahrgangsklassen der Buxheimer Grundschule treffen sich zum Abstimmen der eigenen Vorhaben und Pläne fürs neue Jahr. © Tom Otto

Buxheim - Mit aktuell 36 Kindern aus der Buxheimer Grundschule nehmen in diesem Schuljahr so viele wie in den vergangenen zehn Jahren nicht am örtlichen Kinderparlament (KiPa) teil. Mit einer Kinderkonferenz in der Turnhalle der Grundschule mit allen Grundschulkindern startete das im Unterallgäu bis dahin einzigartige Projekt im Oktober 2012. Mit dem Zweiten Bürgermeister Klaus Hoffmann und der Sozialpädagogin Yvonne Jeckle vom Kreisjugendring (KJR) gingen die Kinder der Frage nach, „was würde ich tun, wenn ich einen Tag Bürgermeister wäre“.

Der Erfolg war groß: Yvonne Jeckle, die das Projekt bis heute leitet, konnte gleich im ersten Jahr 35 Anmeldungen zum KiPa zählen und das in einer Gemeinde mit gerade mal 3.000 Einwohnern. Damals hatte die Gemeinde der Sozialpädagogin drei Stunden je Woche finanziert, um das KiPa aufzubauen und zu leiten. Bis heute haben fast 300 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren daran teilgenommen. Mit dem wachsenden Erfolg des neuen Projektes stieg auch der zeitliche Aufwand: Aktuell leistet Yvonne Jeckle zehn Stunden wöchentlich dafür, die Gemeinde finanziert davon zwei Drittel und der KJR das restliche Drittel.

Heuer haben sich die Kinder in vier Interessensgruppen aufgeteilt: Es gibt zwei Reportergruppen sowie eine Umwelt- und eine Freizeitgruppe. In diesen Interessensgruppen stimmen die Kinder sich über ihre Wunschaktivitäten ab. Jedes neue Kind bekommt eine blaue Mappe, in der die wichtigsten Vorhaben und Notizen gesammelt werden und - ganz wichtig - einen KiPa-Ausweis. „Was wollen wir im neuen Jahr machen?“ lautete die Frage beim letzten Treffen im alten Jahr. Jede und jeder kommt dabei zu Wort und macht Vorschläge, über die am Ende dann abgestimmt wird.

In der Umwelt- und Freizeitgruppe konnten sich folgende Pläne einvernehmlich durchsetzen: ein Besuch im Zoo, ein Waldpicknick, eine Sonderführung durch die neue Schule, ein Spieletag im KiPa und eine Aktion unter dem Motto „Wie können wir Müll sparen?“. Durchgefallen war der Wunsch nach einem Pool in der Schule. Neben diesen frei gewählten Vorhaben gibt es zweimal im Jahr auch eine Kinderparlamentssitzung mit dem Bürgermeister. Dazu werden - wie im „richtigen“ Gemeinrat - Anträge an den Bürgermeister gestellt. Dabei geht es stets um die Fragen „Was ist uns wichtig?“ und „Was sollte verändert werden“. Manchmal gibt es auch von anderen Einrichtungen Einladungen zu einem Besuch. So ging es zum Beispiel schon mal in den bayrischen Landtag nach München oder sogar ein Wochenende lang nach Bern in die Schweiz zum dortigen Kinderparlament.

Die Kinder lernen dabei viele verschiedene Sachen. „Das fängt bei der Konsensbildung an und hört bei der Übernahme von Verantwortung für das eigene Tun und Lassen auf“, so Sozialpädagogin Yvonne Jeckle. Jeweils zum Schuljahresbeginn geht sie in alle Jahrgangsklassen von der 2. Klasse bis zum 4. Schuljahr und wirbt für das KiPa. Die ungebrochen hohe Attraktivität des Projekts bei den Kindern erleichtert ihr mittlerweile die Arbeit. Das Einzige, was den Kindern dabei nicht so gefällt, ist der lange Zeitraum bis in der Gemeinde Vorschläge, die für gut befunden wurden, endlich umgesetzt werden.

In der Zwischenzeit wurde auch für die älteren Kinder und Jugendlichen gesorgt, die mit 13 Jahren dann aus dem Kinderparlament herausgewachsen sind. Drei Jahre nach dem KiPa-Start wurde 2015 für die Jugendlichen in Buxheim auch ein Jugendtreff eingerichtet, wo sie ihren Interessen und Freizeitneigungen nachgehen können.

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